Frankreich soll dem Lachs den Weg ebnen

11 Juli 2012
Nur gerade zwei Lachse haben es jüngst bis in die Schweiz geschafft. Tausende andere bleiben jedes Jahr auf ihrer Wanderung rheinaufwärts in Strassburg hängen, denn Staustufen der Kraftwerke blockieren den Rhein. Jetzt will die französische Betreiberin ihr Werk in Strassburg mit einer Fischtreppe ausstatten. Doch es braucht viel mehr, damit der Lachs im Rhein wieder eine Chance hat.

„Noch immer blockieren Kraftwerke den Rhein. Deshalb haben jedes Jahr Hunderte von Lachsen keine Chance ihre Laichgewässer rheinaufwärts zu erreichen“, ärgert sich Ruedi Bösiger, Gewässerexperte beim WWF Schweiz. Zwar hat es vereinzelte Fortschritte im internationalen Wanderfischprogramm gegeben, doch die acht Kraftwerke der Electricité de France (EdF) ab Strassburg sind noch immer nicht saniert. Hier gibt es noch keine Fischtreppen, die eine Migration der Lachse ermöglichen würden.

Politische Übereinkommen, juristische Rahmenbedingungen und erste Pläne liegen seit Jahren auf dem Tisch. Bereits 2001 hat die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins eine erste Machbarkeitsstudie für die Durchgängigkeit der Staustufen am Oberrhein vorgelegt. Die europäischen Wasserrahmenrichtlinien verpflichtet die Electricité de France, den Fischaufstieg bis in den Altrhein bei Vogelgrün bis 2015 zu realisieren. Die internationale Gemeinschaft fordert eine Rückkehr des Lachs in die Schweiz bis 2020.

Doch die Electricité de France bleibt passiv. Zwar wurden an der Plenarsitzung in Strassburg diese Woche endlich die Pläne für die Fischtreppen in Strassburg präsentiert. Ein wichtiger Schritt, der aber bei Weitem nicht genügt. „Es braucht einen verbindlichen Plan für die Sanierung der weiteren Staustufen am Rhein bis nach Basel, damit der Lachs dort 2020 ankommt“, fordert Roberto Epple, Präsident des European Rivers Network.

Millionen von Euros investiert

«Gemäss Schätzungen gab es im 19. Jahrhundert, vor der grossen Rheinkorrektur und dem Bau der Staustufen, ungefähr eine Million Lachse im Rhein. Jetzt sind es nur noch einige Tausend. Es ist Zeit, eine schnellere Gangart einzulegen, der Lachs ist ein Reichtum» erläutert Martin Arnould, Verantwortlicher der Kampagne «Lebendige Flüsse» beim WWF Frankreich. Diese verbindliche Planung schuldet Frankreich und die EdF nicht nur dem Lachs, sondern all den anderen Rheinanliegerstaaten und Kraftwerkeigentümern, die schon Millionen von Euros in Fischtreppen im Rheineinzugsgebiet investiert haben.

Die einzelnen Lachse, welche diesen Frühling im neuen Umgehungsgewässer des Kraftwerks Rheinfelden nachgewiesen wurden, machen deutlich, wie ausgeprägt der Wandertrieb dieser Fische ist. Nur durch Zufall haben diese Fische den Weg durch all die gefährlichen Schiffschleusen am Oberrhein gefunden. Verletzungen am Kopf der Tiere zeugen vom beschwerlichen Weg. Nur wenn die Hindernisse der Electricité de France am Oberrhein in absehbarer Zeit durchgängig gemacht werden, besteht die Chance, dass der Lachs in seine ehemaligen Laichgewässer zurückkehren kann. Denn nur dort – im Alten Rhein, am Hochrhein und seinen Zuflüssen – kann er überlebensfähige Populationen aufbauen.

Weitere Informationen:
WWF Frankreich: Martin Arnould
+33 6 15 41 68 62 marnould@wwf.fr
WWF Schweiz: Ruedi Bösiger; Projektleiter Bereich Wasser WWF Schweiz,
+ 41 (0) 44 297 23 24; +41 (0) 79 646 41 62, ruedi.boesiger@wwf.ch
European Rivers Network: Roberto Epple, Président Fondateur
+33 6 08 62 12 67 roberto.epple@ern.org
Atlantischer Lachs
© Erling Svensen / WWF-Canon

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