Fische und Kanufahrer auf dem Trockenen

25 August 2012
 Unterhalb der Staumauern von Kraftwerken verkümmern Bäche und Flüsse oft zu leblosen Rinnsalen. Für die Umwelt wirkt sich dies verheerend aus und langfristig wird so auch der Kanusport gefährdet. Zwar besteht eine Sanierungspflicht, doch Kantone und Betreiber setzen die geltenden Gesetze nur schleppend um. So sind rund zwei Drittel der entsprechenden Wasserfassungen noch immer nicht saniert. Jetzt schlagen Kanuten und Umweltschützer Alarm.

Samstag, 25. August 2012: Unterhalb der Staumauer des Kraftwerks Erlenbach (BE) sitzen Dutzende von Kanufahrern buchstäblich auf dem Trockenen. Denn im Bachbett der Simme fliesst nur noch ein kleines Rinnsal, kilometerweit gibt es hier kaum noch Wasser. Das Kraftwerk im Simmental ist nur ein Beispiel unter vielen. Denn in unserem Land müssen hunderte von Restwasserstrecken saniert werden. Dies verlangt die Verfassung seit 1975 und ein Gesetz seit 1992. Ende 2012 läuft die Frist ab, doch die Sanierungen werden nur schleppend umgesetzt. Schweizweit sind bei den Kraftwerken zwei Drittel der betroffenen Wasserfassungen noch immer nicht saniert.
Viele Betreiber von Kraftwerken sind sich bewusst, dass Kraftwerke wie das Werk in Erlenbach zur Sanierung verpflichtet sind. Doch ist das Ausmass der Restwassermenge und die nötigen Baumassnahmen oftmals noch nicht geklärt. „Wir haben mit dem Kanton bereits vorbereitende Untersuchungen ausgearbeitet, der definitive Entscheid ist aber noch hängig“, erklärt Peter Hässig von der BKW FMB Energie AG. Längst nicht nur der Kanton Bern ist in Verzug. Schon heute räumen 13 Kantone ein, dass sie auch die verlängerte Sanierungsfrist nicht einhalten werden. Darunter insbesondere grosse Wasserkraft-Kantone wie Glarus, Graubünden und das Wallis.

Fische können nicht laichen
Faktisch bedeutet dies, dass viele Bäche und Flüsse im Sommer weiterhin ohne oder nur mit ganz wenig Wasser auskommen müssen. Für die Umwelt wirkt sich der schleppende Vollzug des Gesetzes verheerend aus: „Mit zu wenig Wasser können zum Beispiel seltene Fische wie Seeforellen gar nicht mehr laichen. Tiere und Pflanzen sind auf ein Minimum an Restwasser angewiesen. Jetzt müssen die Kantone endlich ihre Hausaufgaben machen!“ fordert Christopher Bonzi, Wasserexperte beim WWF Schweiz.
Ausgetrocknete Fluss- und Bachbett ärgern aber auch die Kanuten. „Wegen dem fehlenden Restwasser und auch wegen den neu geplanten Kraftwerksstrecken wird langfristig der Kanusport in der Schweiz verunmöglicht“, moniert Reto Wyss vom Schweizerischen Kanu-Verband. Deshalb haben Umweltschützer und Sportler des Kanu-Verbands am Samstag gemeinsam mit der „Aktion Wasserzeichen“ protestiert. Rund 60 Kanuten beteiligten sich an der Aktion.

Weitere Informationen:
Christopher Bonzi, Wasserexperte beim WWF Schweiz, 076 579 28 38
Reto Wyss, Schweizerischer Kanu-Verband, 079 685 72 55


Protest gegen Restwasser Null: Kanuten und Umweltschützer unterhalb des Kraftwerks Erlenbach im Simmental (BE).
© Thomas Studhalter / WWF Schweiz

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