Studie zur Schafsömmerung: 98 von 100 Schafen überleben

05 September 2012
Rund 210 000 Schafe werden Jahr für Jahr auf Schweizer Alpen gesömmert. Zwei von hundert Schafen fallen dabei Krankheiten, Steinschlag und Abstürzen zum Opfer. Risse durch Wölfe und andere Grossraubtiere spielen bisher nur lokal eine Rolle. Und: Je besser die Kontrolle, desto weniger Verluste. Dies zeigt ein gemeinsames Forschungsprojekt von Agridea, dem Schweizerischen Schafzuchtverband, Pro Natura, und dem WWF Schweiz.

Krankheiten und Unfälle sind die häufigste Todesursache bei gesömmerten Schafen. Dies ist ein wichtiges Ergebnis des Forschungsprojekts SchafAlp. Die ersten Resultate des Projekts geben einen aufschlussreichen Einblick in die Schafhaltung in der Schweiz. Die Daten wurden im Sommer 2011 erhoben, einem durchschnittlichen Alpsommer:

• 98 von 100 Schafen überlebten den Sommer 2011. Das heisst: Von 208‘974 im 2011 gesömmerten Schafen auf den Schweizer Alpen starben 4‘221.
• Verantwortlich für die Todesfälle sind in erster Linie verschiedene Krankheiten.
• Weitere Ursachen für die Todesfälle sind besondere Ereignisse wie Blitz- oder Steinschlag, Grossraubtiere oder Schnee.
• Im Sommer 2010 wurden 80 (1,9% der gesamten Abgänge) und im Sommer 2011 294 (7% der gesamten Abgänge) Tiere von Grossraubtiere gerissen.
• Je häufiger die Schafherden kontrolliert werden, desto weniger Todesfälle sind zu beklagen.
• Das Weidesystem kann einen Beitrag zur Verminderung der Abgänge leisten, da durch die Umtriebsweiden und Behirtung ein verbesserte Kontrolle der Schafe stattfindet.
• Eine konsequente Zucht- und Gesundheitsstrategie verringert die Todesfälle auch in schwierigem Gelände.

Für Mirjam Ballmer von Pro Natura ist klar: «Wir wollen Schafe und Wölfe in der Schweiz. Die wissenschaftlichen Grundlagen von ’SchafAlp’ sind ein weiterer zentraler Schritt, damit aufgrund von Fakten eine gemeinsame Schaf- und Wolfspolitik entwickelt wird.»

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Das Projekt «SchafAlp»
Das Forschungsprojekt «SchafAlp» wurde 2010 von Agridea mit den Verbänden Pro Natura, Schweizerischer Schafzuchtverband und WWF Schweiz ins Leben gerufen. Das gemeinsame Projekt soll die Grundlage liefern für eine konstruktive Diskussion zur Schafsömmerung in der Schweiz. «Eine gemeinsame Datengrundlage zur Schafhaltung ist für alle zentral, um die richtigen Schlüsse für eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Schafhaltung zu ziehen», ist Moritz Schwery, vom schweizerischen Schafzuchtverband überzeugt. Fünf thematische Module wurden bislang von externen Fachleuten untersucht:
• Artenvielfalt auf Schafalpen
• Schafalpung und Stabilität des Geländes sowie der Weiden
• Mast- und Schlachtleistungen sowie Fleischqualität von gesömmerten Lämmern
• Abgänge / Verluste von Schafen während der Sömmerung
• Wirtschaftlicher Erfolg der Schafalpen
Die Projektkosten belaufen sich auf CHF 200‘000.-, wobei die Verbände die Hälfte tragen. Das Projekt wird finanziell unterstützt vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), dem Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). «SchafAlp» ist ein Teil des Verbundprojektes «AlpFUTUR» der Eidgenössischen Forschungsanstalten WSL und ART. Dieses will Perspektiven für die zukünftige Nutzung des Sömmerungsgebietes aufzeigen. Eine Zusammenfassung der Schlussberichte aller Module des Forschungsprojekts «SchafAlp» werden Ende September 2012 unter www.alpfutur.ch aufgeschaltet.

Kontakt:
• Agridea, Daniel Mettler, Leiter Fachstelle Herdenschutz, 079 411 61 05, daniel.mettler@agridea.ch
• Pro Natura, Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik, 079 416 6 5 94, mirjam.ballmer@pronatura.ch
• Schweizerischer Schafzuchtverband, Moritz Schwery, 079 745 34 55, moritz.schwery@admin.vs.ch
• WWF Schweiz, Danielle Gugolz, Projektleiterin Grossraubtiere, 079 785 60 67, danielle.gugolz@wwf.ch


Schafe in den Schweizer Alpen
Schafe in den Schweizer Alpen
© Agridea
Schafe in den Schweizer Alpen (2)
Schafe in den Schweizer Alpen (2)
© Agridea

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