/ ©: wwf

M13: ein unnötiger Tod

Der WWF Schweiz ist über den Abschuss des Bären M13 in Graubünden tief enttäuscht. „Der Abschuss erfolgte eindeutig zu früh – viel besser hätte man die Vergrämungsmassnahmen intensiviert und fortgeführt“, sagt WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger. „M13 war im Gegensatz zu JJ3 sicher kein Problembär. Dass er jetzt sterben musste, hat vor allem mit der tiefen Bären-Akzeptanz im Puschlav zu tun – und dies ist wiederum eine Folge mangelnder Information der Bevölkerung.“

Zur Medienmitteilung

Werden Sie jetzt aktiv

  • Schützen Sie die Vielfalt des Lebens

    Dass der Bär zurückkommt, ist ein positives Zeichen für die Schutzbemühungen und den Zustand der Natur in den Alpen.

    Der WWF leistet Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und entwickelt mit Partnern Lösungen für ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Tier. Mit Ihrer Alpen-Patenschaft unterstützen Sie unsere Arbeit aktiv.

M13 droht der Abschuss. Der WWF setzt sich klar für den eingewanderten Bären ein. In der Alpenregion hat es genügend Platz für Bären, aber man muss entsprechende Präventionsmassnahmen treffen. Es kann nicht sein, dass wir streng geschützte Bären töten, nur weil wir selber unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben!
M13 sorgt in diesem Jahr für viel Aufsehen. Der Jungbär aus dem italienischen Trentino besucht bei seinen Wanderungen durch die Grenzregionen öfters auch das Puschlav. Er durchstreift damit eine Region, die schlecht auf die Rückkehr der Grossraubtiere vorbereitet ist. Als neugieriger Jungbär kennt er wenig Scheu vor Menschen und läuft ihnen öfters vor die Kameralinse. Nachdem er mehrere ungesicherte Bienenstöcke aufgebrochen und einzelne Nutztiere gerissen hat, wird er betäubt und mit einem Senderhalsband versehen. Danach setzen die Wildhüter auf Vergrämungsmassnahmen. Der Bär wird dabei gezielt mit Gummischrot beschossen und verscheucht. «So lernt der Bär wieder, sich vom Menschen fernzuhalten. Das ist seine beste Lebensversicherung», erklärt Joanna Schönenberger, Bärenexpertin beim WWF Schweiz.

Die Vergrämung hat offensichtlich Erfolg, der Bär verhält sich ruhiger und richtet kaum mehr Schäden an. Doch im Puschlav hat der Bär auch Gegner, die ihn per se lieber heute als morgen aus dem Tal verbannen würden. Die Stimmung kippt langsam und im November werden gar ausgelegte Fleischköder mit Rattengift gefunden. «Der WWF verurteilt diese Aktion aufs Schärfste, denn solche Giftköder führen zu einem extrem qualvollen Tod und gefährden nicht nur M13, sondern auch Hunde, Füchse und andere Waldtiere», sagt Anita Mazzetta, Regionale Geschäftsführerin des WWF Graubünden.

Mitte November bricht M13 auf einer Alp in den Holzschopf eines Ferienhauses ein, das unter der Woche leer steht. Dort frisst er die Kartoffeln. Jetzt stempeln die Behörden M13 zum Problembären. Die Einstufung zum Risikobär kommt dann seinem Todesurteil gleich. Der WWF ist bei diesen Entscheiden nicht involviert, sie liegt alleine in der Verantwortung der Behörden. Der WWF fordert die Fortführung und Intensivierung der erfolgreichen Vergrämungsmassnahmen.
Zudem engagiert sich der WWF in folgenden Projekten:
  • Professionelle Information der Bevölkerung im Tal
  • Ein effizienter Herdenschutz
  • Bärensichere Abfallcontainer und gesicherte Kompostplätze
  • Mit Elektrozäunen gesicherte Bienenhäuser
Der WWF ist überzeugt, dass ein konfliktarmes Zusammenleben zwischen Mensch und Grossraubtieren möglich ist. M13 hat sich in der Zwischenzeit zur Winterruhe zurückgezogen. Danach sollten wir ihm eine echte Chance geben. Er hat sie verdient.
Schweiz aktuell vom 16.11.2012 Schweiz Aktuell vom 16.11.2012
Tagesschau vom 08.04.2012
SF-Tagesschau  vom 08.04.2012

M13 in der Schweiz

M13 ist ein Jungtier von zwei Jahren. Er stammt aus dem Trentino, wo heute rund 30 Braunbären leben. Anfang April 2012 wurde M13 erstmals im Unterengadin gesichtet. Seither streifte der Bär im Dreiländereck zwischen Tirol, Südtirol und Engadin umher. Altersgerecht zeigt er sich sehr neugierig und erkundet seine Umgebung. Dabei kommt er auch Dörfern zu nahe. Er hat Bienenstöcke ausgeraubt und vereinzelt Nutztiere gerissen.

Am 12. April hat die Wildhut des Kantons Graubünden den Bären betäubt, mit einem Sender ausgestattet und danach gezielt vergrämt. Dabei wurde M13 mit Gummischrot beschossen, damit er den Siedlungen nicht mehr zu nahe kommt. Gleichzeitig haben die Behörden die Bewohner der betroffenen Dörfer dazu aufgerufen, keine Siedlungsabfälle liegen zu lassen und Futter für den Bären unerreichbar aufzubewahren.

Ende April wird M13 im Unterengadin von einem Zug angefahren, glücklicherweise überlebt er den Zusammenstoss offenbar unbeschadet. Wie gefährdet diese wandernden Bären sind, zeigt aber das Schicksal seines Bruders: M14 ist auf der Brenner Autobahn bei Klausen in Südtirol von einem Mercedes angefahren und getötet worden.


Richtiger Umgang mit Bären

Die Menschen müssen den Umgang mit Grossraubtieren wieder lernen. Amateurfilmaufnahmen zeigen, dass Personen aus ihren Autos ausgestiegen sind und den Bären aus wenigen Metern Distanz filmten oder fotografierten. Das ist falsch: Man sollte zu Bären immer Distanz wahren, damit sie die Scheu vor den Menschen nicht verlieren. Ein Bär ist kein Kuscheltier, ebensowenig ist er eine Bestie. Bären sind faszinierende Grossraubtiere, denen man Respekt zollen sollte. Begegnet man einem solchen Tier, gilt: Abstand halten, das Tier nie verfolgen und ihm die Chance lassen, sich zurückzuziehen.

Der WWF Schweiz rät, die Situation nicht zu dramatisieren. In vielen Ländern leben Menschen und Bären problemlos nebeneinander. Ausserdem sind das Unterengadin und das Val Müstair bereits gut vorbereitet: So gibt es beispielsweise bärensichere Abfalleimer, gesicherte Kompostplätze und Bienenstöcke, die mit einem Elektrozaun geschützt werden. Trotzdem müssen sich die Bewohner auf die neue Situation einstellen. Wichtig ist vor allem, dass sie keine Essensreste in den Gärten oder in den Siedlungen liegen lassen, damit der Bär Siedlungen nicht mit Nahrung gleichsetzt.
Der Südtiroler Wildhüter Markus Lanthaler filmte M13 vor zwei Wochen. (20.03.2012, unkommentiert) 
Der Südtiroler Wildhüter Markus Lanthaler filmte M13 am 20. März 2012.

woher kommt der Name?

M13 ist wie JJ2 und JJ3 ein Nachkomme aus dem „Life Ursus“-Projekt, welches das Ziel hatte, die letzten Alpenbären zu retten. Dazu wurden zwischen 1999 und 2002 insgesamt zehn Bären aus Slowenien in den Naturpark Adamello-Brenta überführt und mit den drei Bären vor Ort zusammengeführt. Mittlerweile hat sich eine Population von 30 Bären entwickelt.
Zunächst gaben die Tierschützer den Bären Namen, in der zweiten Generation erhielten sie Buchstaben zur Identifikation. JJ1 war der erste Nachkomme der Bärin Jurka und dem Männchen Joze, JJ3 folglich das dritte Jungtier. In der nächsten Generation hatten die Bären logischerweise vier Buchstaben, und später hätten sie gar sechs und acht Buchstaben erhalten müssen. Daher wurden die Bezeichnungen weiter vereinfacht: M steht dabei für Männchen und die Zahl wiederum dafür, dass es sich um das 13. Jungtier in dieser Generation seit der Namens-Umstellung handelt.

Abonnieren Sie den WWF Newsletter

Kompakt und aktuell: Ihre WWF News per E-Mail. Melden Sie sich jetzt an!

Werden Sie unser Fan


Dem WWF auf Twitter folgen

Zitat zum Ostersonntag: "Du steckst nicht im Stau, du bist der Stau."
vor 7 Stunden @WWF_Schweiz

Helfen Sie uns, die Wälder weltweit zu schützen

Alpen