Bartgeier
Wissenschaftlicher Name: Gypaetus barbatus
Lebensraum:
Zerklüftete und abgelegene Gebirgsregionen oberhalb der Baumgrenze in Europa, Afrika und Asien
Bestandsgrösse:
Weltweit: keine genauen Gesamtbestandsangaben bekannt
Europa: etwa 225 bis 250 Brutpaare, davon im Alpenraum rund 140 Individuen (Stand 2010)
Gefährdungsstatus:
IUCN: nicht gefährdet
CITES: Anhang II
Berner Konvention: nicht gelistet
Bedrohung des Bartgeiers
Der Bartgeier war einst in fast allen Gebirgen Südeuropas und in den Alpen verbreitet. Ein fatales Missverständnis war der Hauptgrund für seine Ausrottung im Verlauf des
19. Jahrhunderts. Dem Bartgeier wurde nachgesagt, er würde Lämmer im wilden Sturzflug erlegen, Steinwild über den tödlichen Abgrund treiben und gar vor Kinderraub nicht zurückschrecken. Aus diesen Gründen wurde der Bartgeier in den Alpen durch den Menschen gnadenlos mit
Fallen, Giftköder, Aushorstung und gezieltem Abschuss verfolgt. Aber auch die Ausrottung wilder Huftiere und die damit verbundene Futterknappheit trugen damals zum Verschwinden des Bartgeiers aus den Alpen bei. Ausserdem waren die Bartgeier als Trophäen bei den Jägern beliebt. Zudem wurden ihre Jagd vom Staat nach Einführung des Jagdgesetzes 1875 mit Prämien belohnt. Das erste Jagdgesetz unterschied zwischen für den Menschen nützlichen und schädlichen Tierarten. Der Bartgeier fiel unter die schädlichen Arten.
Den schlechten Ruf hat der Bartgeier inzwischen überwunden. Nachdem verschiedene Versuche zur Wiederansiedelung und zur Zucht von Bartgeiern im Alpenraum kleine Erfolge zeigten, begann man 1986 mit der Auswilderung des Bartgeiers in den Alpen. Die aktuell positive Entwicklung im Wiederansiedlungsprojekt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bartgeier mit seiner sehr langsamen Fortpflanzung sehr empfindlich auf Verluste reagiert. So müssen auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, um die Risiken durch den Mensch (Vergiftungen, Wilderei, etc.) gering zu halten.