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Kaltwasserkorallen
Kaltwasserkorallen und Anemonen
Kaltwasserkorallen
Wissenschaftlicher Name:
Anthozoa:
1) Hexacorallia mit den Ordnungen Scleractinia (Steinkorallen) mit 622 Arten, Zoanthidea (Goldkorallen) mit 3 Arten und Antipatharia (Schwarze Korallen) mit 182 Arten
2) Octocorallia = Alllcyonaria (Horn- und Lederkorallen) mit 2325 Tiefwassserarten
3) Hydrozoa mit 224 Arten

Lebensraum:
Kaltwasserkorallen gibt es in allen Weltmeeren. Sie leben ausschliesslich in kaltem (-1.8 °C bis knapp 15 °C, im Mittel 3.5 °C), sauerstoff- und planktonreichem Meerwasser. Kaltwasserkorallen kommen in Wassertiefen zwischen 40 m und über 3000 m vor.

Bestandsgrösse:
Unbekannt

Gefährdungsstatus:
IUCN: k.A.
CITES: Anhang II (einige Gattungen)
Gefährdung ist bis 2000 m Wassertiefe sehr hoch (so genannter Fischereihorizont).
Kaltwasserkorallen, Norwegen
Faszinierendes Leben in unglaublichen Tiefen
Obwohl einige Fischer in Europa schon seit fast 250 Jahren von der Existenz der Kaltwasserkorallen wussten, dachte man lange Zeit, Korallen würden nur in warmen und lichtdurchfluteten Gewässern existieren. Doch auch in den kalten Gewässern Norwegens ziehen sich in Tiefen von bis zu 1200 m riesige Korallenriffe über den Meeresgrund. Im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten leben die Kaltwasserkorallen in Dunkelheit.
 
Kaltwasserkorallen sind sehr kleine Polypen, die meist auf einem harten Untergrund entweder einzeln wachsen oder Kolonien bilden. Sie ernähren sich mit Hilfe ihrer Tentakeln von Plankton und anderen Nahrungspartikeln. Diese filtern sie aktiv aus dem Meerwasser. Daher sind ihre besten Standorte dort, wo starke Strömungen ständig ein reichhaltiges Nahrungsangebot mitführen. Weil die Kaltwasserkorallen im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten ohne Fotosynthese betreibende Algen auskommen müssen, sind sie oft weiss.

Kaltwasserkorallen sind sehr langlebig und bilden mit ihren Kalkablagerungen dauerhafte Strukturen - Riffe und Korallenhügel („Mouds“). Das grösste bekannte, zusammenhängende Kaltwasserriff ist das Röst Riff vor den Lofoten in Norwegen. Es wurde 2002 bei einer Routine-Erkundung entdeckt. Das Röst Riff erstreckt sich über 120 km2. Kaltwasserkorallen wachsen nur sehr langsam, lediglich 1 bis 34 mm pro Jahr. Eine schnell wachsende Geweihkoralle in tropischen Gewässern kann sich hingegen bis zu 20 cm im Jahr ausdehnen. Genauso wie die tropischen Warmwasserriffe bieten Kaltwasserriffe anderen Arten einen strukturreichen Lebensraum und beherbergen somit eine grosse biologische Vielfalt.
Bedrohung der Kaltwasserkorallen
Im Vergleich zu ihren tropischen Verwandten sind die Kaltwasserkorallenriffe wenig erforscht. Doch kaum hat man sie entdeckt, droht schon ihre Zerstörung. Denn Meeresverschmutzung und Hochseefischerei haben bereits ihre Spuren hinterlassen. Weil traditionelle Fischbestände in oberflächennahen Wasserschichten fast verschwunden sind, dringt die Hochseefischerei in Tiefen bis 1500 m vor und setzt seit 20 Jahren vermehrt Bodenschleppnetze ein. Die schweren Netze walzen mit ihren Stahlplatten den Meeresboden wie Bulldozer platt. Was über Jahrhunderte gewachsen ist, wird so innert kürzester Zeit zerstört. Bereits heute sind schätzungsweise 30–50% der bekannten Korallenriffe in norwegischen Gewässern zerstört.

Den Kaltwasserriffen droht ausserdem noch eine weitere Gefahr: Die zunehmende CO2-Konzentration in der Atmosphäre führt dazu, dass die Ozeane mehr CO2 aufnehmen. Dadurch wird das Meer saurer. Es könnte sogar so sauer werden, dass die Kalkbildung nicht nur behindert oder verhindert wird, sondern irgendwann sogar die Kalkstrukturen aufgelöst werden. Damit würden die Grundbausteine der Riffe – die Korallen – verschwinden.
WWF-Engagement für Kaltwasserkorallen
Seit Bekanntwerden der Zerstörung der norwegischen Kaltwasserkorallenriffe engagiert sich der WWF für den Schutz dieses Ökosystems. Ausserdem setzt sich der WWF durch TRAFFIC, das Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN, gegen den unkontrollierten internationalen Handel mit Korallen ein.