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Flugverkehr ist bald das grösste Klimaproblem der Schweiz Der Flugverkehr wächst stetig und rasch. Bis 2020 soll er sich gemäss der Luftfahrtsindustrie gegenüber 2005 weltweit verdoppeln. Fliegen ist jedoch sehr CO2-intensiv: Ein Flug von Zürich nach Miami und zurück verursacht pro Person gleich viel CO2 wie ein Auto während eines Jahres.
Aber nicht nur das CO2 ist klimawirksam, sondern auch die in grosser Höhe ausgestossenen Stickoxide und der Wasserdampf heizen dem Klima ein. Da in nächster Zeit keine Technologiesprünge zu erwarten sind und Flugzeuge oft 30 Jahre im Einsatz stehen, müssen jetzt klare gesetzliche Rahmenbedingungen für den Flugverkehr geschaffen werden. International soll der geplante Emissionshandel und die diskutierten Klimaschutzabgaben eingeführt werden, lokal sind zusätzliche Kontingentierungen nötig.
Gemäss dem aktuellen Bericht des „Intergovernmental Panels on Climate Change“ (IPCC) trägt die Luftfahrt weltweit 2 bis 8% zur menschengemachten Erwärmung bei. Der Unsicherheitsbereich ist vor allem deshalb so gross, weil Flugzeuge nicht nur CO2 ausstossen, sondern auch Stickoxide, Feinpartikel und Wasserdampf – und das alles in grosser Höhe, was deren Wirkung verstärkt. Neuste Studien gehen davon aus, dass die Klimawirkung des Flugverkehrs dadurch im Jahresmittel zweimal höher ist als das produzierte CO2 alleine (siehe Download „Strahlenwirksamkeit von Flugemissionen“).
Flugverkehr in der Schweiz ist bald klimarelevanter als Strassenverkehr
Bereits im Jahr 2008 machte die Treibhauswirkung des Flugverkehrs für die Schweiz 14,5% der Gesamtwirkung aus, wenn die CO2-Emissionen mit einem Faktor 2 multipliziert werden. Das ist fast so viel wie die Industrie oder wie die privaten Haushalte. Rechnet man wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt für die Schweiz mit einer jährlichen Zunahme der Flugpassagiere um 4% und zieht von diesem Wachstum wieder 2% als Folge von technischen Effizienzverbesserungen ab (weniger Treibstoffverbrauch durch bessere Triebwerke), so wird die Klimawirkung des Flugverkehrs trotzdem um jährlich 2% zunehmen. Reduziert die Schweiz ihre restlichen inländischen Treibhausgasemissionen um 30% bis 2020 so wird dann der Flugverkehr bereits 23,7% der Gesamtbelastung – also fast ein Viertel des durch die Schweiz verursachten Klimaeffekts – ausmachen und selbst den Strassenverkehr bezüglich Klimawirksamkeit überrunden (siehe Download „Klimaeffekt im Jahr 2008 und 2020“).
Gründe für das rasante Wachstum des Flugverkehrs
Gemäss einem internationalen Abkommen aus dem Jahr 1944 (Chicago Abkommen) und den darauf basierenden bilateralen Abkommen müssen die Fluggesellschaften für Treibstoff keine Steuern zahlen. Kerosin ist also weltweit von Mineralölsteuern ausgenommen. Auch Mehrwertsteuer bezahlen die Flugpassagiere nicht. Die Flughäfen sind zudem meist mit Hilfe billiger oder kostenloser Staatsdarlehen erbaut worden. Das heisst: Die Luftfahrt wird schon seit Jahrzehnten direkt oder indirekt subventioniert. So lange sich daran nichts ändert, ist nicht mit einem Abflachen des Wachstums zu rechnen.
Aktionsplan Luftfahrt ist dringend nötig
Will die Schweiz eine kohärente Klimapolitik betreiben, so bedingt dies unbedingt auch ein Massnahmenpaket im Bereich der Luftfahrt. Die häufigste Forderung, den internationalen Flugverkehr ebenfalls der Mineralölsteuer zu unterstellen, ist aufgrund internationaler Abkommen zurzeit praktisch nicht umsetzbar. Deshalb fordert der WWF folgendes Massnahmenbündel:
- In der EU wird der Flugverkehr ab 2012 ins Europäische Emissionshandelssystem integriert (siehe Download „EU-Emissionshandel“). Die Schweiz sollte sich diesem System unbedingt anschliessen, denn bei einem „Sonderflug“ der Schweiz würden die europäischen Fluggesellschaften Flüge in die Schweiz auslagern.
- Analog zu den Gaskombikraftwerken könnte von der Flugbranche verlangt werden, ihre Treibhausgasemissionen zu kompensieren. In diese Richtung geht die in einigen Ländern bereits eingeführte generelle Ticketgebühr, welche der Entwicklungshilfe zukommt (bzwp. die französische Solidaritätssteuer auf Flugtickets). Entsprechende Ticketgebühren könnten auch genutzt werden, um die Finanzierung des Fonds für die Anpassung an den Klimawandel (Adaptation Fund) zu stärken. (Dieser Fonds finanziert Projekte, welche die Folgen des Klimawandels mindern.) Deutschland und Österreich haben eine Flugverkehrssteuer eingeführt, um Anreize für umweltgerechtes Verhalten im Flugverkehr zu setzen.
- Die Befreiung des Flugverkehrs von der Mehrwertsteuer subventioniert den ohnehin zu billigen Flugverkehr. Deshalb fordern wir die MWSt auf Flugtickets.
- Doch alle diese internationalen und nationalen Steuerungsinstrumente können nicht verhindern, dass es lokal trotzdem zu übermässigen Belastungen für die Bevölkerung und die Umwelt kommt. Um diese negativen Wirkungen einzudämmen, ist eine Beschränkung und Auktionierung der Landerechte zweifellos das effizienteste Instrument.
Klimaverträglichere Alternativen gibt es
Gerade für Kurzstreckenflüge – fünf Sechstel der Schweizer Passagiere steuern Ziele in Europa an – gibt es eine klimaverträglichere und oftmals schnellere Alternative, nämlich Zug oder Bus (siehe Download "Treibhausgaswirkung verschiedener Personentransportsysteme"). Zudem heutige Telefon- und Videokonferenzen so perfektioniert , dass Flüge zu Geschäftspartnern gar nicht mehr nötig sind. Das spart nicht nur CO2, sondern auch Geld und Zeit.
Das Fazit
Nur eine Kombination von Anreizen zur Steigerung der Klimaeffizienz des Flugverkehrs gekoppelt mit wachstumsdämpfenden Massnahmen macht es möglich, die Klimawirkungen des Flugverkehrs zu reduzieren und damit den gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Der Klimamasterplan legt diesen Massnahmenmix ausführlicher dar.
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