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Flugverkehr
Flugverkehr ist bald das grösste Klimaproblem der Schweiz
Der Flugverkehr wächst stetig und rasch. Innert 15 Jahren soll er sich gemäss der Luftfahrtsindustrie weltweit verdoppeln. Fliegen aber ist CO2-intensiv: Ein Flug von Zürich nach Miami und zurück verursacht pro Person gleich viel CO2 wie ein Auto während eines Jahres.

Aber nicht nur das CO2 ist klimawirksam, sondern auch die in grosser Höhe ausgestossenen Stickoxide und der Wasserdampf heizen dem Klima ein. Da in nächster Zeit keine Technologiesprünge zu erwarten sind und Flugzeuge oft 30 Jahre im Einsatz stehen, müssen jetzt klare gesetzliche Rahmenbedingungen für den Flugverkehr geschaffen werden. International soll der geplante Emissionshandel und die diskutierten Klimaschutzabgaben eingeführt werden, lokal sind zusätzliche Kontingentierungen nötig.

Gemäss dem aktuellen Bericht des „Intergovernmental Panels on Climate Change“ (IPCC) trägt die Luftfahrt weltweit 2 bis 8% zur menschengemachten Erwärmung bei. Der Unsicherheitsbereich ist vor allem deshalb so gross, weil Flugzeuge nicht nur CO2 ausstossen, sondern auch Stickoxide, Feinpartikel und Wasserdampf – und das alles in grosser Höhe, was deren Wirkung verstärkt. Gemäss neuen Zahlen des IPCC gehen die Forscher davon aus, dass diese Klimawirkung im Jahresmittel um 2.3 bis 5 Mal höher ist als das produzierte CO2 alleine (siehe Download „Strahlenwirksamkeit von Flugemissionen“).

Flugverkehr in der Schweiz ist bald klimarelevanter als Strassenverkehr
Bereits im Jahr 2005 machte die Treibhauswirkung des Flugverkehrs für die Schweiz 17% der Gesamtwirkung aus, wenn die CO2-Emissionen mit einem Faktor 3 multipliziert werden. Das ist praktisch gleich viel wie die Industrie oder wie die privaten Haushalte und wird heute nur noch vom Strassenverkehr übertroffen. Rechnet man wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt für die Schweiz mit einer jährlichen Zunahme der Flugpassagiere um 4% und zieht von diesem Wachstum wieder 2% als Folge von technischen Effizienzverbesserungen ab (weniger Treibstoffverbrauch durch bessere Triebwerke), so wird die Klimawirkung des Flugverkehrs trotzdem um jährlich 2% zunehmen. Reduziert die Schweiz ihre restlichen inländischen Treibhausgasemissionen um 30% bis 2020 so wird dann der Flugverkehr bereits 29% der Gesamtbelastung ausmachen und selbst den Strassenverkehr bezüglich Klimawirksamkeit überrunden (siehe Download „Klimaeffekt im Jahr 2005 und 2020“).

Gründe für das rasante Wachstum des Flugverkehrs
Gemäss einem internationalen Abkommen aus dem Jahr 1944 (Chicago Abkommen) respektive den zahlreichen darauf basierenden bilateralen Abkommen muss der Treibstoff steuerfrei abgegeben werden. Somit wird dieser von der Mineralölsteuer ausgenommen. Auch Mehrwertsteuer bezahlen die Flugpassagiere nicht. Die Flughäfen sind zudem meist mit Hilfe billiger oder kostenloser Staatsdarlehen erbaut worden. So lange die Luftfahrt also direkt oder indirekt subventioniert wird, ist nicht mit einem Abflachen des Wachstums zu rechnen.

Aktionsplan Luftfahrt ist dringend nötig
Will die Schweiz eine kohärente Klimapolitik betreiben, so bedingt dies also auch ein Massnahmenpaket im Bereich der Luftfahrt. Die häufigste Forderung, den internationalen Flugverkehr ebenfalls der Mineralölsteuer zu unterstellen, ist aufgrund internationaler Abkommen zurzeit praktisch nicht umsetzbar. Deshalb fordern wir folgendes Massnahmenbündel:
  • Die EU arbeitet an einem Emissionshandelssystem speziell für den Flugverkehr im europäischen Raum, welches das Chicagoer Abkommen nicht verletzt. Die jährliche Maximalmenge wird dabei vorgängig festgelegt und die daraus resultierenden Emissionsrechte gehandelt (siehe Download „Das Emissionshandelssystem der EU“). Die Wirkung ist in erster Linie von der Festlegung der maximalen Emissionsmenge abhängig. Die Schweiz sollte sich diesem System aber auf jeden Fall anschliessen und keinen „Sonderflug“ machen.
  • Analog zu den Gaskombikraftwerken könnte von der Flugbranche verlangt werden, ihre Treibhausgasemissionen zu kompensieren. In diese Richtung geht die in einigen Ländern bereits eingeführte generelle Ticketgebühr, welche der Entwicklungshilfe zukommt. Entsprechende Ticketgebühren könnten auch genutzt werden, um den leeren Topf des internationalen Adaptationsfonds zu äufnen. Daraus sollen Projekte finanziert werden, welche die Folgen des Klimawandels mindern. Soweit nicht von Versicherungen abgedeckt, könnten auch Klimaschäden vergütet werden.
  • Die Befreiung des Flugverkehrs von der Mehrwertsteuer subventioniert den ohnehin zu billigen Flugverkehr. Deshalb fordern wir die MWSt auf Flugtickets.
  • Doch alle diese internationalen und nationalen Steuerungsinstrumente können nicht verhindern, dass es lokal trotzdem zu übermässigen Belastungen für die Bevölkerung und die Umwelt kommt. Um diese negativen Wirkungen einzudämmen, ist eine Beschränkung und Auktionierung der Landerechte zweifellos das effizienteste Instrument.


Klimaverträglichere Alternativen gibt es
Und für die Kurzstreckenflüge – fünf Sechstel der Schweizer Passagiere steuern Ziele in Europa an – gibt es eine klimaverträglichere und oftmals schnellere Alternative, nämlich Zug oder Bus (siehe Download "Treibhausgaswirkung verschiedener Personentransportsysteme"). Ausserdem wurden die elektronischen Kommunikationsmethoden inklusive Videokonferenzen weiterentwickelt, so dass diese heute eine sehr günstige Alternative darstellen.

Das Fazit
Nur eine Kombination von Anreizen zur Steigerung der Klimaeffizienz des Flugverkehrs gekoppelt mit wachstumsdämpfenden Massnahmen macht es möglich, die Klimawirkungen des Flugverkehrs zu reduzieren und damit den gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Der WWF sowie 51 Organisationen aus den Bereichen Entwicklungshilfe, Konsumentenschutz, Kirchen, Fachverbände, Gewerkschaften, Parteien und Umweltschutz (Allianz für eine verantwortungsvolle Klimapolitik) haben hierzu eine Vorschlag erarbeitet, welcher im Klimamasterplan dargelegt ist (siehe Download „Klimamasterplan“).
 
Strahlenwirksamkeit von Flugemissionen
PDF 16 KB
Klimaeffekt im Jahr 2005 und im Jahr 2020
PDF 15 KB
Das Emissionshandelssystem der EU
PDF 17 KB
Treibhausgaswirkung verschiedener Personentransportsysteme…
PDF 15 KB
Die Forderungen von WWF und der Klimaalianz
Klima-Masterplan (pdf)
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