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Verkehr
Autoverkehr
Klimaschutz im Verkehr
Weltweit trägt der Verkehrssektor etwa 14 Prozent zu den gesamten, globalen Treibhausgasemissionen bei – mit steigender Tendenz. Hauptursachen des Wachstums sind der ansteigende Güterverkehr auf der Straße, der wachsende internationale Luftverkehr, sowie die Motorisierung in Schwellenländern wie China und Indien (IPCC 2007).
In der Schweiz ist der Verkehrssektor Klimasünder Nummer 1
Mit 40% Anteil an den Schweizer Treibhausgas-Emissionen liegt der Verkehrssektor in der Schweiz auf dem traurigen ersten Platz der Klimasünder. Hauptproblem ist der motorisierte Individualverkehr, aber auch der Flugverkehr und der alpenquerende Güterverkehr auf der Strasse tragen ihr Übriges dazu bei. Dabei gibt es längst Lösungen, um die CO2-Emissionen des Verkehrsbereichs zu senken.
Autoverkehr: Die Schweiz fährt hinterher
Die Schweiz hat seit Jahren die Neuwagenflotte mit dem höchsten Treibstoffverbrauch und den höchsten CO2-Emissionen in ganz Westeuropa. Im Jahr 2009 lagen die Emissionen von Schweizer Neuwagen bei durchschnittlich 167 g CO2/km, im topographisch ähnlichen Österreich dagegen bei 150 g. Am besten schnitten die Neuwagen in Portugal und Frankreich mit durchschnittlich 134 g CO2/km ab. In der EU dürfen Neuwagen bis 2015 durchschnittlich nur noch 130 g CO2/km ausstossen – rechnet man die bereits beschlossenen Zusatzmassnahmen mit ein (Agrotreibstoffe, Reifeneffizienz) sogar nur noch 120 g.

Warum die Schweizer kein Interesse an sparsamen Autos haben, zeigt u.a. ein anderer Vergleich: Der Preis für Benzin und Diesel liegt in der Schweiz deutlich unter jenem der Nachbarländer. Dies kommt Autos, die viel Benzin verbrauchen zu Gute – und so entfällt wiederum der Anreiz, sich ein sparsames Auto anzuschaffen. Während der Liter Benzin in Konstanz beispielsweise 1,50 Euro bzw. 2 CHF kostet, kostet er im 5 Kilometer entfernten Kreuzlingen in der Schweiz nur 1,60 CHF (aktuelle Zahlen). Deswegen ist es auch kein Wunder, dass der Tanktourismus blüht und die CO2-Bilanz der Schweiz belastet.

Deswegen fordert der WWF:
  • Bis 2015 sollen Schweizer Neuwagen durchschnittlich nur noch 120 g CO2/km ausstossen, bis 2020 80 g/km. Vergleichbare Standards sind für Lieferwagen einzuführen.
  • Mit Hilfe einer CO2-Lenkungsbgabe auf Treibstoffe sollte der Preis von Benzin und Diesel um mindestens 35 Rappen/l angehoben und so dem Niveau der Nachbarländer angeglichen werden.

Logo Alpeninitiative
Güterverkehr: Alpeninitiative endlich umsetzen
Noch immer rollen pro Jahr 1,3 Millionen schwere Strassengüterfahrzeuge über die Alpen – mehr als die Hälfte davon im Transitverkehr. Dies, obwohl das Schweizer Volk schon 1994 mit dem „Ja“ zur Alpeninitiative eine griffige Verlagerungspolitik von der Strasse auf die Schiene gefordert hat und seither mehrmals bestätigt hat: Ziel war und ist, dass nur noch 650.000 LKWs jährlich durch die Alpen rollen – gemäss Initiative sollte dies bis zum Jahr 2004 erreicht werden. Doch die Politik verzögerte die Umsetzung immer wieder: Im Verkehrsverlagerungsgesetz von 1999 wurde festgelegt, dass das Verlagerungsziel bis 2009 – also zwei Jahre nach der Eröffnung des Lötschbergtunnels – erreicht werden sollte. Mit der Verabschiedung des Güterverkehrsverlagerungsgesetztes im Jahr 2008 wurde das Erreichen des Verlagerungsziels jedoch noch weiter nach hinten verschoben – nämlich auf zwei Jahre nach Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels. Der WWF Schweiz ist der Meinung, dass jedoch auch dieses Ziel nicht realisierbar ist, wenn nicht endlich neue Instrumente zur Verlagerung des Verkehrs von der Strasse auf die Schiene beschlossen werden.

Deswegen fordert der WWF:
  • Das Ziel, den alpenquerenden Güterverkehr auf 650.000 LKW-Fahrten zu begrenzen muss schnellstmöglich erreicht werden. 
  • Dazu soll umgehend eine Alpentransitbörse eingeführt werden. Mit einer Börse wird jedes Jahr eine mit dem Verlagerungsziel kompatible Zahl von alpenquerenden LKW-Fahrten durch den Bund versteigert. Welche LKWs zum Zug kommen, bestimmt der Markt.

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?
So sieht die Mobilität der Zukunft aus
Eine zukunftsfähige Mobilität ist für den WWF eine Mobilität der kurzen Wege, eine Mobilität mit einem deutlich geringeren Verkehrsaufwand als heute. Dabei werden öffentlicher Verkehr (öV), Langsamverkehr und „smarte Mobilitätslösungen“ miteinander verbunden: lange Strecken sollten mit dem Zug zurückgelegt werden, in der Stadt sollte man – unterstützt durch verkehrsarme Siedlungsstrukturen – zu Fuss, mit dem Velo oder dem öV unterwegs sein und „smarte Lösungen“ wie Telefon- und Videokonferenzen sollten es ermöglichen, vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten und einen Grossteil unserer Geschäftsreisen zu ersetzen.

Der motorisierte Individualverkehr spielt in dieser Vorstellung von Mobilität eine deutlich kleinere Rolle als heute – es sind also in der Schweiz weniger Autos als heute unterwegs. Dies werden grösstenteils Elektroautos oder so genannte Plug-In Hybrids sein, die mit Strom aus erneuerbaren Energien „betankt“ werden. Nachhaltig gewonnene Biotreibstoffe werden vor allem im internationalen Güterverkehr – in der Luft und auf dem Meer – eine Rolle spielen.
 
WWF Factsheet Elektromobilität
PDF 122 KB
Vernehmlassung Agrotreibstoffe 2011 - Position WWF
PDF 21 KB
WWF Energy Report 2011, Titelblatt
Zukünftige Mobilität weltweit - Vision des WWF