Ozeane und Klima
Den Ozeanen kommt bei der Klimakontrolle eine Schlüsselrolle zu. Auch wenn wir das Gefühl haben, die Temperaturunterschiede zwischen der eisigen Kälte einer winterlichen Arktis und einer heissen Wüste im Sommer seien beträchtlich, so wären sie noch grösser ohne die massiven wärmespeichernden Wassermassen der Ozeane. Die Ozeane absorbieren Wärme und geben diese stetig, aber sehr langsam wieder an die Umgebung ab. Das Oberflächenwasser nimmt die Wärme der Sonnenstrahlen auf und verteilt sie über Tausende von Kilometern via Oberflächen- und Unterwasserströme über den Ozean.
Diese Wasserzirkulation ist extrem wichtig für das Klima auf den Kontinenten. Das gemässigte Klima hat Europa zum Beispiel dem Golfstrom zu verdanken. Die Meeresströmung wärmt sich im Golf von Mexiko auf, zirkuliert über den Atlantik und gibt die Wärme in Europa ab. Deshalb ist das norwesteuropäische Klima viel milder als andernorts bei den selben Breitengraden. Die elementare Bedeutung der Ozeane wird einem erst bewusst, wenn sie nicht mehr im Lot ist, wie dies mit dem El-Niño-Effekt am äquatorialen Pazifik immer wieder der Fall ist. Dieses jährlich wiederkehrenden Ereignisses hat starke Auswirkungen auf verschiedene Bereiche. Grosse Fischbestände bleiben aus, dadurch können Tausende von Vögeln nicht brüten und viele von ihnen verhungern. Niedrig gelegene Küstengebiete werden überflutet, während andere unter verheerender Trockenheit leiden.
Fakt ist, dass die Ozeane einen entscheidenden Einfluss auf das Erdklima ausüben. Sie wirken als Kohlendioxid-Senken (CO
2-Senken). Das heisst, dass sie mehr CO
2 aufnehmen als sie wieder an die Atmosphäre abgeben. Dabei nimmt vor allem das Phytoplankton CO
2 auf und wenn es abstirbt, sinkt es als organisches Material an den Meeresgrund und wird so der Atmosphäre entzogen. Ausserdem geben diese winzigen Meerespflanzen zu Lebzeiten Sauerstoff ab – und zwar rund die Hälfte dessen, was wir Menschen und alle an Land lebenden Tierarten einatmen. Doch durch die fortschreitende Abgabe von CO
2 in die Atmosphäre sinkt die Fähigkeit der Ozeane, als Puffer für das Erdklima zu dienen. Gäbe es die Ozeane nicht, dann wären die Auswirkungen des Klimawandels heute bereits viel stärker spürbar. Ausserdem dienen die Meere mit ihren Pflanzen als wichtigste Sauerstofflieferanten der Erde.
Der Mensch bedroht den blauen Kontinent. Forscher glauben, dass der Treibhauseffekt neben der Erwärmung der Meere auch tropische Stürme und schwere Niederschläge zur Folge haben wird. Diese könnten die Erosion der Böden begünstigen.
Der Meeresspiegel ist in den letzten hundert Jahren weltweit um 10 bis 25 Zentimeter gestiegen. Wissenschaftliche Klimamodelle zeigen, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 noch einmal um 15 bis 95 Zentimeter ansteigen wird. Das ist zwei bis fünf Mal mehr als zwischen 1900 und 2000. Regionen unter einem Meter über Meeresspiegel - Bangladesch, Florida, Manila oder Kalkutta - werden überflutet.
Die Ozeane sind auch wesentlich am Wasserkreislauf beteiligt. Erwärmt durch die Sonne verdampfen riesige Mengen Wasser von der Meeresoberfläche und steigen als Wasserdampf in die Atmosphäre auf. Da in der Höhe die Luft kälter ist, kühlt der Wasserdampf ab, kondensiert und es bilden sich Wolken. Durch den Wind werden die Wolken zum Festland transportiert. Treffen sie dort auf kalte Luftschichten oder Bergketten, steigen sie auf und bringen Regen.