Unglaubliches Leben in schwindelerregenden Tiefen
Die Tiefsee beginnt dort, wo kaum mehr Sonnenstrahlen hingelangen – also ca. 200 Meter unter der Oberfläche. Mit rund 11000 Meter Tiefe ist der Marianengraben östlich der Philippinen der tiefste Punkte des Meeresgrunds. Das kalte Wasser erreicht ungefähr 3°C und enthält sehr wenig Sauerstoff. Die grosse Wassermasse erzeugt einen hohen Druck, der bis zu 1000 Mal höher ist als an der Erdoberfläche.
Am Grund der ozeanischen Becken, wo tektonische Platten auseinander driften (Seafloor Spreading), entstehen so genannte Mittelozeanische Rücken, die als Gebirgsketten aus dem Meeresboden ragen. Das aus dem Erdinneren aufsteigende, heisse Magma erwärmt das umgebende Meerwasser, so dass sich eine Wärme liebende Tiefseefauna entwickeln konnte. Obwohl die Tiefsee wegen des fehlenden Lichts als lebensfeindlich gilt, findet man konzentriert auf einer kleinen Fläche eine überraschend hohe Zahl von Lebewesen. So entdeckt man dort unter anderem Ringelwürmer, Muscheln, Krabben und Krebse sowie Schwämme. Besonders auffällig sehen die grossen weissen Muscheln aus, die bis zu 40 Zentimeter gross werden. Speziell sind auch die Bartwürmer, röhrenförmige, bis drei Meter grosse Organismen, die wie Blumensträusse aus Spalten hervorragen.
Im Bereich der Mittelozeanischen Rücken haben sich an Stelle des Phytoplanktons (Photosynthese) Schwefelbakterien (Chemosynthese) entwickelt, die im Gewebe der Tiere sitzen und diese mit Energie versorgen. Schwefelbakterien beziehen die Energie aus einer chemischen Reaktion (der Oxidation von Schwefelwasserstoff) und versorgen die in Symbiose lebenden Tiere mit lebenswichtigen Produkten. Typische Vertreter der Symbiosegemeinschaft mit Schwefelbakterien sind die Bartwürmer und die grossen weissen Muscheln, welche die Bakterien in ihrem Gewebe einlagern. Kleinere Tiere dieses Habitats wie Krabben und Fische leben nicht in Symbiose, sondern ernähren sich von fester Nahrung, indem sie das Wasser filtrieren oder andere Tiere fressen.