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Das Küstengebiet von Ostafrika
Segelboote vor der Küste Tansanias Spektakuläre Landschaften, eine der weltweit letzten grossen Wildtiergemeinschaften und eine ausserordentliche Vielfalt an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten – im Meer wie auch an Land – zeichnen die Küste Ostafrikas aus. Die Küstenregion von Kenia, Tansania und Mosambik bildet die Lebensgrundlage von über 25 Millionen Menschen. Konzessionseinkommen aus der Holz-, Öl- und Mineralienförderung sowie dem Fischfang sind ein bedeutender Faktor der ostafrikanischen Aussenwirtschaft und können zur wirtschaftlichen Entwicklung dieser drei Länder beitragen. Aber die Ressourcenausbeutung ist meist nicht nachhaltig und häufig illegal. Investitionen sind oft kurzfristig und das dadurch erzeugte Einkommen hilft der Entwicklung der Region als Ganzes meist nicht.
Die Existenz dieser Fischer in Mosambik ist in Gefahr
Die Existenz der Bevölkerung
ist bedroht
Mangelnde Ressourcenverwaltung durch die Regierungen führt zu Übernutzung und lässt beispielsweise illegalen Holzschlag und illegale Fischerei zu. Die Küstenbewohner werden dadurch in ihrer Existenz bedroht, denn sie sind meist arm und auf die natürlichen Ressourcen ihrer Umgebung angewiesen. Ein Beispiel für das ungenügende Management ist die mangelhafte Landnutzungsplanung. So werden unter anderem umweltschädigende Infrastrukturbauten erstellt, um beispielsweise Öl und Gas zu fördern, oder Pflanzen für Agrotreibstoffe anzubauen. Aber auch Staudämme und Tourismuseinrichtungen werden oft in ökologisch empfindlichem Gebiete erstellt. Diese Investitionen kommen äusserst selten der lokalen Bevölkerung zu gute. Vielmehr wird so die globale Nachfrage nach Gütern befriedigt. So gelangen die meisten Fischprodukte auf den europäischen Markt, während Holz nach China verschifft wird, wo es für den westlichen Markt weiterverarbeitet wird.
Illegal geschlagenes Holz beim Transport mit dem Velo in Kenia
Ein regionales Ressourcenmanagement fehlt
Die rechtlichen Grundlagen für ein wirksames Ressourcenmanagement in den drei demokratischen Staaten Kenia, Tansania und Mosambik wären eigentlich vorhanden. Jedoch fehlen den Regierungen die Kapazitäten und Mittel, diese auch umzusetzen. Zudem fehlt ein länderübergreifender Mechanismus, um die Nutzung der Meeres- und Landressourcen in nachhaltige Bahnen zu leiten.
Fischzuchten wie diese hier in Tansania helfen die natürlichen Bestände zu erhalten
Der WWF greift ein
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen, hat der WWF die Netzwerk-Initiative „Coastal East Africa“ gegründet. Mit dieser Initiative will der WWF ein robustes, regionales Regelwerk für die nachhaltige Verwaltung der natürlichen Ressourcen durch die drei Staaten Kenia, Tansania und Mosambik fördern. Der WWF ist primär in Schlüsselbereichen wie Fischerei, Forstwirtschaft und Energie aktiv.
WWF-Mitarbeiterin Doris Calegari im Einsatz in Tansania
Die Vision
Die einzigartige Küstenregion Ostafrikas mit seiner Vielfalt an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten soll auch künftigen Generationen als Lebensgrundlage dienen. Um das zu erreichen soll die Regierungsführung transparent sein und demokratische Prinzipien umgesetzt werden. Ein nachhaltiger Handel und ein Netzwerk aus geschützten, charakteristischen Landschaften und Küstengebieten sichern Ressourcen und Artenvielfalt.
Ziele bis 2025
  • Die Regierungen und Menschen der Küstenregion Ostafrikas verwalten ihre natürlichen Ressourcen verantwortungsvoll, so dass weiterhin Güter und Dienstleistungen für eine nachhaltige Entwicklung zur Verfügung stehen.
  • Mindestens 50 Prozent der Holz-, Thon- und Garnelenexporte stammen aus nachhaltiger Produktion.
  • Typische Lebensräume und Arten bleiben erhalten.

Viele Schritte sind nötig
Es sind viele, ganz unterschiedliche Aktivitäten, die uns unseren Zielen Schritt für Schritt immer näher bringen:
  • Illegale Fischerei: Im Juli 2008 wurde von den Mitgliedstaaten der „Southern African Development community (SADC)“ eine Deklaration gegen illegalen Fischfang unterzeichnet. Nun geht es um die Umsetzung.
  • Nachhaltige Fischerei: Der WWF unterstützt die regionalen Fischereibehörden und Fischer, um den Fischfang nachhaltiger zu gestalten.
  • Zertifizierte Garnelenfischerei: Die erste MSC-Zertifizierung (Marine Stewardship Council) für nachhaltige tropische Garnelenfischerei steht in Mosambik bevor.
  • Schutz der Dugongs (Seekühe): Dank Aufklärung und der Schaffung alternativer Einkommensquellen für die Lokalbevölkerung hat sich die Population im Projektgebiet in Mosambik zwischen 1991 und 2008 von 50 auf 150 Individuen erhöht.
  • Meerschutzgebiet: Der Antrag für ein 17‘000 Quadratkilometer grosses Meerschutzgebiet wird zurzeit vom Umweltministerium von Mosambik überprüft. Damit würde das grösste afrikanische Meerschutzgebiet entstehen, das in etwa der gesamten Fläche der Kantone Graubünden, Bern und Wallis entspricht.
  • Waldschutz: in Tansania konnte die geschützte Waldfläche von 80 Quadratkilometer auf 1730 Quadratkilometer ausgedehnt werden. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit dem WWF hat auch der grösste Zuckerproduzent eingewilligt, 14 Quadratkilometer seines Landes als Schutzgebiet abzugeben. Nach jahrelanger WWF-Arbeit wurden in Kenia zehn heilige Küstenwälder zum UNESCO Welterbe erklärt. .
  • FSC-Zertifizierungen: Dank finanzieller Unterstützung vom WWF erreichten die Gemeindewälder im Mpingo Schutzprojekt in Tansania die FSC-Zertifizierung (Forest Stewardship Council). Nun können die Dörfer nachhaltig produziertes Holz aus ihren Wäldern verkaufen.