Chinas ökologischer Fussabdruck
China ist flächenmässig das drittgrösste Land der Welt und mit seinen rund 1.3 Milliarden Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat überhaupt. Die Wirtschaft des Landes wächst rasant: Entsprechend gross ist der Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie beispielsweise Holz. Allein für Einweg-Essstäbchen werden jährlich 25 Millionen Bäume abgeholzt.
Aber als relativ ressourcenarmes Land hängt die wirtschaftliche Entwicklung weitgehend von Rohstoffimporten ab. Zum Beispiel nehmen Chinas Holzimporte mit rund 30 Millionen Tonnen jährlich weltweit den zweiten Platz ein. Dieser immense Holzbedarf führt zu einem gewaltigen Druck auf Naturwälder ausserhalb der Landesgrenze, für deren Schutz sich der WWF andernorts in Asien oder Afrika einsetzt. Dies ist deshalb so wichtig, weil sich die Holzimporte bis 2020 auf 150 Millionen Tonnen jährlich verfünffachen sollen.
Chinas rasch wachsende Importe an Rohmaterialien werden aber nicht nur durch die eigene Nachfrage, sondern mindestens so stark durch den Export verarbeiteter Güter in OECD-Länder verursacht. So werden über 70% des importieren Holzes nach der Verarbeitung in Form von Möbeln, Sperrholz, Parket und anderen Holzprodukten wieder exportiert. China hat sich mittlerweile zur Drehscheibe des internationalen Handels entwickelt.
Die Regierung erkennt die Not
Inzwischen ist China auch weltweit zum grössten Emittenten des Treibhausgases Kohlendioxid herangewachsen. Mehr als 30 der weltweit 50 schmutzigsten Städte befinden sich in China. Seit die negativen Umweltauswirkungen offensichtlich sind, zog das Thema Umweltschutz in die politische Agenda ein. Chinas Regierung erkannte, dass die heutigen Wachstumsraten, geprägt vom Export von Billigprodukten, unterstützt von massiven Rohmaterialimporten und dem Einsatz billiger Arbeitskräfte, längerfristig keine Überlebensstrategie darstellen. Das Land propagiert nun eine Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltverträglichkeit wie auch den Übergang zu einem nachhaltigen Wachstum, basierend auf Verantwortung, effizienter Ressourcennutzung und Reduktion der fortschreitenden Umweltzerstörung. 2006 stellte das chinesische Umweltministerium erstmals das „grüne Bruttosozialprodukt“ vor. Wirtschaftsexperten schätzen, dass sich die Umweltfolgekosten inzwischen auf rund 10% des Bruttosozialprodukts belaufen, was ungefähr dem jährlichen Wirtschaftswachstum entspricht. Im aktuellen Fünfjahresplan hat sich das Land erstmals ambitiöse Ziele im Bereich Energieeffizienz gesetzt und ist auf gutem Weg, diese zu erreichen.
Gleichzeitig bietet aber auch der Export nachhaltiger Produkte interessante Exportchancen für Chinas Wirtschaft. So hat sich China in den letzten Jahren zu einem führenden Land in der Herstellung von Technologien zur erneuerbaren Energieerzeugung entwickelt. Rund zwei Drittel der weltweit produzierten Solarkollektoren stammen heute aus China.