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Internationale Projekte
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Kaukasus
Javakheti Plateau im Grenzgebiet Georgien-Armenien-Türkei
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Der Kaukasus – das ist die Landenge zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer in der Grenzregion von Asien und Europa. Mit einer Fläche von über 500000 Quadratkilometern ist das Gebiet mehr als 10 Mal so gross wie die Schweiz und erstreckt sich über die Länder Georgien, Aserbaidschan, Armenien, sowie Teile von Russland, der Türkei und des Iran.
Gletscher, Wälder, Wüsten und Steppen
Mit über 100 verschiedenen Landschaftstypen und mehr als 7000 Arten, darunter viele seltene Tierarten und Pflanzen ist der Kaukasus eine Region der ökologischen Superlative. Dort leben noch Luchs, Braunbär und Wolf sowie der Kaukasische Steinbock, der West- und Ostkaukasische Tur, die Bezoarziege, der Wisent und die Kropfgazelle. Auch Leoparden und Streifenhyänen gibt es noch vereinzelt, allerdings sind sie stark vom Aussterben bedroht. Mit mindestens 1600 Pflanzenarten besitzt der Kaukasus die meisten Endemiten der temperierten Zone. Endemiten sind Arten, die nur hier vorkommen.

Die vielfältige Natur des Kaukasus steht aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung der Region immer stärker unter Druck. Abholzung, unkontrollierte Überbauung, Wilderei und Überweidung gefährden die vielfältige Landschaft mit ihrer einmaligen Tier- und Pflanzenwelt.

Ursprüngliche Wälder im Borjomi-Kharagauli Nationalpark
Vernetzte Schutzgebiete als Lösung
2001 wurde mit dem Borjomi-Kharagauli-Nationalpark der erste Nationalpark Georgiens eröffnet. Der WWF war wesentlich an der Vorbereitung und Umsetzung des 76000 Hektar grossen Parks beteiligt und führt seine Unterstützung im Bereich Management und ökologischer Tourismus fort. Mit seinem Besucherzentrum, den Wanderwegen und den Hütten stellt der Park ein Vorzeigebeispiel für sanften Tourismus im Kaukasus dar. In der Umgebung wird die nachhaltige Waldnutzung gefördert, und gut ausgebildete Ranger überwachen das Schutzgebiet. Die Lokalbevölkerung gewinnt dadurch neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Seitdem sind weitere Schutzflächen hinzugekommen, die ein Netzwerk von Rückzugsgebieten für Tiere und Pflanzen bilden.

Mit seinen Büros in Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Russland und der Türkei hat der WWF im Kaukasus eine starke Präsenz, die länderübergreifende Arbeit ermöglicht.

Mohn- und Kornblumen in Kornfeld dank geringem Pestizideinsatz.
Zwischen 2000 und 2005 hat der WWF die Erstellung eines ökoregionalen Naturschutzplanes unter Beteiligung von 160 Experten von Universitäten, Nichtregierungsorganisationen und staatlichen Stellen aller sechs Kaukasusländer koordiniert. Dieser Plan legt Gebiete für den Naturschutz fest, identifiziert gefährdete Arten und vereinbart Lösungswege. Dieser Plan soll nun von allen beteiligten Regierungen und Organisationen umgesetzt werden.

Der WWF setzt sich besonders für die Schaffung, das Management und die Vernetzung weiterer Schutzgebiete in Wald- und Süsswasserregionen ein und fördert den Schutz des Kaukasischen Leoparden, seiner Beutetiere sowie seiner Lebensräume. In diesem Zusammenhang setzt sich der WWF auch für die Bekämpfung der Wilderei, die Förderung nachhaltiger Landnutzung und die Sensibilisierung der Bevölkerung ein. Auch die Aufforstung von degradierten Waldflächen mit Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften stellt eine Möglichkeit dar, verursachte Schäden zu beseitigen und diese Ressource für nachkommende Generationen zur Verfügung zu stellen.

Internationale Projekte schlagen Brücken
Länderübergreifende Zusammenarbeit im Naturschutz ermöglicht nicht nur den Erhalt der einmaligen Tier- und Pflanzenvielfalt, sondern bietet auch eine Möglichkeit für Konfliktparteien, aufeinander zuzugehen. 2006 lud der WWF gemeinsam mit der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Ministerkonferenz „Naturschutz im Kaukasus“ nach Berlin. Die Umweltminister Georgiens, Armeniens und Aserbaidschans sowie Vertreter der Regierungen von Russland, der Türkei und des Iran nahmen die Einladung an, ausserdem über 100 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen. Zentrales Thema der Konferenz war die Umsetzung der Biodiversitätskonvention im Kaukasus, die von allen sechs Kaukasus-Ländern unterzeichnet wurde. In der krisengeschüttelten Kaukasusregion können mit Hilfe solcher Initiativen Brücken geschlagen werden. Aktuell ist ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet im Grenzgebiet von Georgien, Armenien und der Türkei im Aufbau.
 
Report Kaukasus: Einmaliges Natur- und Kulturerbe bewahren
PDF 511 KB
Kaukasus Broschüre (Englisch)
PDF 5.39 MB
Interview: Der WWF im Kaukasus nach dem Krieg (aus WWF Magazin 1/2009)
PDF 141 KB