Paraguay, Atlantischer Regenwald:
Ein Pakt zum Schutz des Waldes
Bis ins Jahr 2004 stand Paraguay gleich hinter Bangladesh an der Spitze der weltweiten Entwaldungsstatistik. Fast der gesamte Südosten des Landes wurde entwaldet, um auf den neu gewonnenen landwirtschaftlichen Nutzflächen gewinnbringend Soja anzubauen. Damit verschwand auch der Lebensraum vieler einzigartiger Pflanzen und Tiere.
Ein Grossteil der Entwaldung (bis zu 75% jedes Landeigentums) war legal. Darüber hinaus rodeten jedoch auch viele Landeigentümer gesetzlich vorgeschriebene Schutzwälder und Uferstreifen. Der Staat schaute dabei tatenlos zu – teils weil die Beamten über Abgaben und Korruptionszahlungen selbst an der illegalen Abholzung mitverdienten, teils weil einfach die Strukturen des Staates zu schwach waren, um das geltende Recht umzusetzen. Erst eine WWF-Kampagne im Jahr 2004 führte zum Umdenken. Mit TV-Spots und Inseraten warb der WWF für die Erhaltung dieses einzigartigen Naturschatzes, unterstützt von Pfadfindern und anderen Organisationen. Mit Erfolg: Im Dezember 2004 beschloss das Parlament von Paraguay, während zwei Jahren sämtliche Rodungen zu verbieten. In den folgenden sechs Monaten sank die Entwaldungsrate um über 85%!
Dank nicht nachlassender Lobbyarbeit des WWF und weiterer Partner in Paraguay wurde das Moratorium schon zum zweiten Mal verlängert, zuletzt am 20. November 2008. Bis Ende 2013 darf im Bereich des Atlantikwaldes keine Fläche gerodet werden. Das Moratorium ist aber lediglich eine vorübergehende Massnahme. Bis zu ihrem Ablauf werden eine Landnutzungsplanung erstellt, das geltende Recht zum Schutz des Waldes konsequent angewendet und wirtschaftliche Anreizmechanismen geschaffen, die auch nach dem Stichtag weitere Entwaldung verhindern werden. Mit dem innovativen Instrument der „Zahlung für Umweltdienstleistungen“ werden Landeigentümer in die Pflicht genommen, für illegal gerodete Flächen zu bezahlen und die Flächen wieder aufzuforsten. Der WWF unterstützt die staatlichen Institutionen bei der Umsetzung dieses Mechanismus, führt Pilotprojekte durch und fördert Initiativen zur Wiederaufforstung besonders empfindlicher Gebiete.