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ARPA
Mystischer Sonnenuntergang im Amazonas-Regenwald.
ARPA – das grösste Schutzprojekt der Welt
Das Amazonas-Gebiet bedeckt eine Fläche, die 162 mal so gross wie die Schweiz ist. Hier befindet sich der grösste verbliebene Regenwald der Erde. Mindestens ebenso gross sind die Gefahren, denen dieser einmalige Regenwald ausgesetzt ist: Die Umwandlung von Wald in Landwirtschaftsfläche oder Rinderweiden, die Gewinnung von Tropenholz, der Bau neuer Staudämme, Strassen und Häfen, die Gewinnung von Öl und Gas sowie ausser Kontrolle geratende Brände lassen die Zerstörung immer weiter in das noch unberührte Herz des Amazonas vordringen. Bedrohungen dieser Grössenordnung muss mit grossen Schutzbemühungen entgegen getreten werden.



Hinter dem nüchternen Namen „Amazon Region Protected Areas Programme“ (ARPA) verbirgt sich das grösste und umfassendste Tropenwaldschutzvorhaben, das jemals in Gang gesetzt wurde. Bis 2016 sollen 600000 km2 brasilianischen Amazonas-Regenwaldes durch ein umfassendes Schutzgebiets-Netzwerk gesichert werden – eine Fläche so gross wie Spanien. Damit soll der grösste Teil der dortigen Artenvielfalt für die Zukunft erhalten und dem Vordringen der Abholzung ein Riegel vorgeschoben werden.

Auslöser für dieses seit 2002 laufende ambitionierte Programm war 1998 die Zusage des damaligen brasilianischen Präsidenten Fernando Henrique Cardoso, bis 2012 zwölf Prozent des Amazonas-Regenwaldes seines Landes unter Schutz zu stellen – dreimal mehr als bisher. Seitdem wurde das Schutzziel erweitert und die Laufzeit des Programms um vier Jahre verlängert. Um die Programmziele erreichen zu können, sind insgesamt 400 Millionen US-Dollar nötig. Neben der Finanzierung von neuen Schutzgebieten und deren Konsolidierung wird dieses Geld einen Fond speisen, dessen Erträge auf lange Zeit hinaus die Kosten für den Unterhalt des riesigen Schutzgebiets-Netzwerkes tragen werden. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Weltbank, die KfW Entwicklungsbank und den WWF ist eine erfolgreiche Umsetzung nicht denkbar.

Der Jaguar (Panthera onca) ruht auf einem Baum. Aufgenommen im Amazonas-Becken, Brasilien.
Der WWF beteiligt sich ausserdem mit seiner technischen Expertise bei der Charakterisierung der neuen Schutzgebiete – nicht selten entdecken die Wissenschaftler bei den Expeditionen in bisher unerforschte Gegenden neue Arten und tragen so zur Erweiterung des Wissens über den überschwänglichen Artenreichtum im Amazonasgebiet bei. Diese Erkenntnisse fliessen in die Erstellung von Managementplänen ein, die den Schutz, die Überwachung und die Nutzung der Schutzgebiete verschiedener Schutzkategorien regeln. Auch an dieser Aufgabe arbeitet der WWF mit und stellt dabei den Einbezug der lokalen Bevölkerung und ihre Akzeptanz für die Schutzgebiete sicher.

Nach nur sechs Jahren Laufzeit kann das Programm bereits beträchtliche Erfolge verzeichnen: Bislang konnten 14,5 Millionen Hektaren streng geschützter Naturschutzgebiete neu geschaffen werden. Auf weiteren 10,8 Millionen Hektaren werden durch eine nachhaltige Nutzung von Holz und Nichtholzprodukten Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung geschaffen und gleichzeitig die wertvollen Regenwaldflächen dauerhaft geschützt (Schutzkategorie nachhaltige Nutzung). Der Unterhalt von 8,2 Millionen Hektaren bereits vor Programmbeginn bestehender Schutzgebiete wird wesentlich verbessert, wodurch ein höherer Schutz erreicht wird. Verteilt über das gesamte brasilianische Amazonasgebiet, besteht das ARPA-Schutzgebietssystem mittlerweile aus 83 Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien, die insgesamt eine Fläche von 33,4 Millionen Hektaren bedecken. Mit der Errichtung des „Parc amazonien de Guyane“ im Februar 2007, der direkt an den brasilianischen Tumucumaque-Nationalpark anschliesst, ist das grösste zusammenhängende terrestrische Schutzgebiet der Welt entstanden. Auf 12 Millionen Hektaren – einer Fläche dreimal so gross wie die Schweiz – finden seltene und zum Teil noch unbekannte Pflanzen und Tiere ein Rückzugsgebiet.