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Flussdelfine
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Unterwegs mit den Flussdelfin-Forschern „20 Grad rechts, ca. 35 m, drei Sotalia“ – so oder ähnlich hallt es in den Arbeitsphasen der ersten Flussdelfinzählung in Südamerika über das Wasser. Die Zählung von Flussdelfinen ist keine einfache Sache. Jedes Mal, wenn Delfine gesichtet werden, bestimmen die Forscher ihre Positionen mit dem GPS-Gerät, notieren die Art – in Südamerika leben graue (Sotalia fluviatilis), rosa (Inia geoffrensis) und Bolivianische (Inia boliviensis) Flussdelfine – und ob es sich um erwachsene oder junge Tiere handelt. Zusätzlich halten die Forscher Angaben zum Lebensraum und zum Wetter fest. Das Forschungsboot befährt verschiedene Habitate, die von den Delfinen mehr oder weniger genutzt werden: offenes fliessendes Wasser, Uferbereiche, Zusammenflüsse, Lagunen und kleine Nebenflüsse.
Von Juni 2006 bis August 2007 fanden unter der Leitung des WWF und der Stiftung Omacha – einer Nichtregierungsorganisation in Kolumbien, die auf den Schutz von wasserlebenden Säugetieren spezialisiert ist – sieben Expeditionen in sechs südamerikanischen Ländern statt, bei denen auf Amazonas und Orinoco und ihren Hauptnebenflüssen Flussdelfine gezählt wurden. Ziel war es, einen Überblick über das gesamte Verbreitungsgebiet der drei in Südamerika heimischen Flussdelfine zu erhalten und Daten zu sammeln, die als Grundlage für eine regionale Schutzstrategie dienen. Nebenbei wurde während der Expeditionen auch ein Team von jungen Wissenschaftern in der Methode zur Zählung von Delfinen im Süsswasser ausgebildet. Sie werden die Daten in den kommenden Jahren vervollständigen und die Zählungen wiederholen: so lassen sich Trends in der Populationsentwicklung ausmachen und rechtzeitig Schutzmassnahmen ergreifen.
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Insgesamt wurden während der sieben Expeditionen 3600 Flusskilometer bereist und 3188 Delfine aller drei Arten gezählt. Auf den verschiedenen Abschnitten ist die Zahl der Delfine sehr unterschiedlich. Eines lässt sich klar feststellen: Je besser der Zustand eines Flusses im Bezug auf seine Wasserqualität, den Fischreichtum und die Struktur ist, desto mehr Delfine gibt es. So konnten im Dreiländereck Peru-Kolumbien-Brasilien auf nur 294 Flusskilometern 520 Delfine gezählt werden, während die Forscher auf ihrer 800 km langen Expedition entlang des Meta-Flusses im Einzugsgebiet des Orinoco in Kolumbien nur insgesamt 131 Delfine fanden. Der Meta-Fluss ist die Verbindungsader vom zentralen Hochland Kolumbiens, wo auch die Hauptstadt Bogotá liegt, ins Tiefland und wird ausserdem stark befischt. Im Dreiländereck hingegen befinden sich mehrere Schutzgebiete und die Bevölkerungsdichte ist tief.
Der Bolivianische Flussdelfin (Inia boliviensis) ist eng mit dem am Amazonas und Orinoco verbreiteten rosa Flussdelfin (Inia geoffrensis) verwandt, hat jedoch mehr Zähne, ist heller gefärbt und kleiner als der rosa Flussdelfin. Die Expedition zum Iténez- und dem Madeira-Fluss in Bolivien konnte bestätigen, dass diese seltene Art nur im Oberlauf des Madeira-Flusses vorkommt, dort also endemisch ist.
In den kommenden drei Jahren werden dank der Unterstützung durch den WWF Schweiz in mindestens drei Ländern des Amazonasbeckens nationale Schutzstrategien für die Flussdelfine entwickelt und umgesetzt. Diese werden Massnahmen zum verbesserten Schutz besonders wichtiger Wasser-Ökosysteme, zur Reglementierung der Fischerei, der Aufklärung der Fischer und der Bevölkerung sowie zur Reduktion der Wasserverschmutzung durch Erdölförderung und Goldminen beinhalten und vorrangige Gebiete für den Schutz der Flussdelfine definieren.
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