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Energiepolitik Schweiz

Der WWF setzt sich für die notwendigen politischen Rahmenbedingungen ein, damit die Schweiz ihre Chance wahrnimmt: Der Einstieg in eine nachhaltige und effiziente Energieversorgung.
Das verheerende Erdbeben in Japan und die darauffolgende Atomkatastrophe in Fukushima Mitte März 2011 führten dazu, dass auch einem Grossteil der Bevölkerung in der Schweiz bewusst wurde, dass eine Energiezukunft auf der Basis von Atomstrom nicht erstrebenswert ist. Der Bundesrat entschied daraufhin in einem Grundsatzentscheid vom 26. Mai 2011 den Atomausstieg, National- und Ständerat bestätigten diesen Entscheid.

Dass eine Stromversorgung der Schweiz auch ohne Atomkraftwerke nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist, zeigt auch eine neue Studie der Umweltverbände. Gemäss dieser Studie kann sich die Schweiz innerhalb von 15 bis 25 Jahren ohne Atomstrom sicher, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Strom versorgen. Die anfallenden Kosten von lediglich 0,1 Rappen pro Kilowattstunde zahlen sich durch eingesparte Stromkosten aufgrund von Effizienzsteigerungen mehr als aus. Zudem werden schweizweit zusätzliche Arbeitsplätze in produktiven Branchen geschaffen.

Ohne neue AKWs und Gaskraftwerke

Der Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung – auf Basis von erneurbaren Energien und ohne Atomstrom – führt über zwei Säulen.

Der erste Lösungsansatz ist die Effizienz, dass heisst die Einsparung von Strom mit besseren Technologien dort, wo dieser heute verschwendet wird. Beispielsweise verbrauchen in der ganzen Schweiz heute 240 000 Elektroheizungen Unmengen an Strom. Wenn sie durch Solarkollektoren, effiziente Wärmepumpen oder Holzheizungen ersetzt würden, haben sie das Potential, die Stromkapazität des AKW Mühleberg zu ersetzen. Zudem sparen die Alternativen auch immense Stromkosten bei den Verbrauchern. In anderen Bereichen – z.B. der Beleuchtung oder den Haushaltsgeräten – liegen ebenfalls erhebliche Effizienzpotenziale. Insgesamt könnte schon heute mit der besten verfügbaren Technik ein Drittel des schweizerischen Stromverbrauches eingespart werden – also sechsmal die Produktion des AKWs Mühleberg.

Der zweite Lösungsansatz für unsere zukünftige Stromversorgung liegt im Zubau von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien. Zusammen mit der Stromeffizienz kann ein kluger Mix aus unterschiedlichen erneuerbaren Erzeugungstechnologien alle Schweizer AKWs problemlos ersetzen. Dabei sind die Zubaumengen erst noch zurückhaltend und damit naturverträglich. Beispielsweise entspricht die Zubaumenge im Bereich Wind gerade mal 500 mittleren Windkraftturbinen in der ganzen Schweiz – in Deutschland sind schon heute über 20 000 Anlagen installiert.

Notwendige Massnahmen

Politik und Stromwirtschaft sind gefordert, um die Steigerung der Stromeffizienz und eine verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien zu ermöglichen: Es müssen sowohl auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene politische Massnahmen verabschiedet werden. Auf nationaler Ebene sind dabei für den WWF folgende Politikmassnahmen prioritär:
  • Verbindliche quantitative Ziele für die Reduktion des Stromverbrauchs und Stromproduktion aus erneuerbaren Energien definieren
  • Nationalen Stromsparbonus einführen – d.h. eine haushaltsneutrale Lenkungsabgabe auf Strom, die der Bevölkerung und der Wirtschaft zurückerstattet wird
  • Mindestanforderungen für elektrische Geräte, Motoren und Lampen verschärfen (nur noch Bestgeräte) und auf andere Gerätekategorien ausdehnen
  • Kostendeckende Einspeisevergütung intelligent weiterentwickeln
  • Wettbewerbliche Ausschreibungen für Energiespar-Projekte aufstocken
Wie die Schweiz die Atomkraft ersetzen kann, was das kostet und welche politischen Massnahmen notwendig sind, hat der WWF in einem Factsheet zusammengestellt.
 

Lösungen für die Welt

Die weltweite Energieversorgung mit nicht erneuerbaren Ressourcen und insbesondere fossilen Brennstoffen ist ein Auslaufmodell. Sie ist nicht nur die Hauptursache für den globalen Klimawandel, sondern führt auch immer stärker zu Ressourcenkonflikten und gefährlichen Unfällen, wie die jüngsten Katastrophen im Golf von Mexiko und in Japan zeigen. Es ist offensichtlich, dass ein „Weiter wie bisher“ uns direkt in die ökologische und wirtschaftliche Katastrophe führen würde. Deswegen muss nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Welt bis 2050 auf eine 100-prozentig erneuerbare Energieversorgung umgestellt werden. Der Energy Report des WWF International zeigt, dass das nicht nur nötig, sondern auch möglich ist und sich volkwirtschaftlich sogar auszahlt.

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Insgesamt könnte schon heute mit der besten verfügbaren Technik ein Drittel des schweizerischen Stromverbrauches eingespart werden.
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Zusammen mit der Stromeffizienz kann ein kluger Mix aus unterschiedlichen erneuerbaren Erzeugungstechnologien alle Schweizer AKWs problemlos ersetzen.
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Virginie Cochard arbeitet in einem Büro für Windenergie  / ©: Thai Christen/BZ WWF

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