|
Mit deutlicher Mehrheit hat die Schweizer Bevölkerung 1987 die Moorschutz-Initiative (Rothenthurm-Initiative) angenommen. Damit setzte sie eine historische Wegmarke im Schweizer Naturschutz. «’Rothenthurm’ ist seither ein Symbol für den Willen der Schweizer Bevölkerung wertvolle Lebensräume und die Artenvielfalt zu erhalten», sagt Christa Glauser vom Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz. Das 20-Jahr-Jubiläum nehmen Pro Natura, der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und der WWF zum Anlass, wiederum auf den Moorschutz und dessen nach wie vor gravierenden Defizite aufmerksam zu machen.
Schöne Erfolge – aber oft nur auf dem Papier
Heute sind rund 1700 Hoch- und Flachmoore sowie 89 Moorlandschaften in Inventaren erfasst und geschützt. Das sind rund 1100 Quadratkilometer; rund zweimal die Fläche des Bodensees. Trotzdem ist die Schweizer Moorfläche seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative um fünf Prozent geschrumpft. Oftmals fehlt es an sachgerechter Pflege und an Pufferzonen gegen den Eintrag von Nährstoffen aus der Landwirtschaft. Viele Moore trocknen zudem still und heimlich aus, weil ihnen alte Narben früherer Nutzungen (Torfabbau, Drainage für landwirtschaftliche Nutzung) das Wasser entziehen. «Damit die Moore tatsächlich erhalten bleiben, braucht es dringend aktive Wiederbelebung», betont Silva Semadeni, Präsidentin von Pro Natura: «Dafür braucht es dringend mehr Geld. Es reicht heute knapp für den Moorschutz auf dem Papier; nicht aber für den tatsächlichen Erhalt der schönen Moore.»
Weniger Feuerwehrübungen dank nationaler Strategie
Gerade weil die Mittel im Umweltbereich knapp sind, ist es von grosser Bedeutung, sie möglichst wirkungsvoll einzusetzen. Dazu braucht es nicht nur für die Moore, sondern für den Erhalt der Artenvielfalt ganz generell eine nationale Strategie. Obwohl sich die Schweiz bereits 1992 verpflichtet hat, eine solche Biodiversitätsstrategie zu erarbeiten, ist noch immer nichts geschehen. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in ihrem dieses Jahr veröffentlichten Umweltprüfbericht erneut auf diesen Missstand aufmerksam gemacht. «Im Naturschutz kommt es immer wieder zu ‚Feuerwehrübungen’, weil eine langfristige Strategie fehlt», sagt Hans-Peter Fricker, Geschäftsführer WWF Schweiz. «Der Bund braucht auch in diesem Bereich eine Vision und klare Ziele. Nur so lassen sich die knappen Mittel möglichst effizient einsetzen.»
Weitere Auskünfte
Urs Tester, Pro Natura, Abteilungsleiter Biotope und Arten, Mobile 079 534 16 32, urs.tester@pronatura.ch
Hans-Peter Fricker, Geschäftsführer WWF Schweiz, Mobile 078 850 19 49, hans-peter.fricker@wwf.ch
Christa Glauser, Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Mobile 078 719 33 12, Tel. 044 457 70 24, christa.glauser@birdlife.ch
|