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Zürich, 20. November 2009
Klima-Kippeffekte: Weltweit drohen Milliardenschäden
Kippeffekte machen Veränderungen im globalen Klimasystem sehr unberechenbar. Eine neue Studie des WWF und der Versicherung Allianz SE untersuchte die zwölf wichtigsten Effekte und beziffert die Folgekosten. Fazit: Alleine in den grössten Küstenstädten der Welt sind Vermögenswerte von über 28‘000 Milliarden Dollar gefährdet. Je nach Land sind über 70 Prozent der Bevölkerung betroffen.
Der Klimawandel wird nicht langsam und stetig verlaufen. Einzelne Klimaphänomene könnten bereits vor dem Jahr 2050 einen kritischen Punkt überschreiten, ab dem sie unumkehrbar sind und als Rückkoppelungen wirken können – also die Erwärmung noch zusätzlich verstärken. Zu diesen Phänomenen zählen unter anderem die Eisschmelze an den Polen und der steigende Meeresspiegel, die Veränderungen des Sommermonsuns in Indien oder der Waldverlust im Amazonas.

Die Studie des WWF und der Allianz SE untersucht die zwölf bedeutendsten Rückkoppelungen und deren Auswirkungen in den besonders betroffenen Regionen. Zu den untersuchten Szenarien gehören:

• Häufig auftretende Dürren und erhöhte globale Temperaturen könnten dazu führen, dass bis 2100 bis zu 70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes verloren gehen. Dabei würden riesige Mengen CO2 freigesetzt, welche die Klimaerwärmung noch einmal beschleunigen.

• Das Abschmelzen der Polkappen könnte bereits vor 2050 zu einem Meeresspiegel-Anstieg von einem halben Meter führen. Damit wären in den weltweit 136 Küstenstädten mit mehr als einer Million Einwohner Vermögenswerte von über 28‘000 Milliarden Dollar gefährdet. Küstenregionen sind stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen, weil hier Stürme und Fluten verheerende Auswirkungen haben. Die Studie schätzt, dass im Großraum New York die Schäden eines Hurrikans der Stärke 4 heute bei 1000 Milliarden Dollar liegen würden, mit dem steigenden Meeresspiegel im Jahr 2050 aber bereits einen Betrag von 5000 Milliarden Dollar übersteigen könnten.

• Verschiebungen im Sommermonsun sowie das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya könnten in Indien zunehmend Dürren und Trockenheit auslösen. Über 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind dort von der Landwirtschaft abhängig, ihre Existenz wäre damit unmittelbar gefährdet.

Je stärker die Klimaerwärmung, desto grösser die Gefahr von Kippeffekten. „Darum müssen wir alles tun, um die Erwärmung unter zwei Grad gegenüber vorindustriellen Temperaturen zu halten“, sagt Ulrike Saul vom WWF Schweiz. Die Industrieländer müssen zu diesem Zweck ihre CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent senken. Und alle Länder müssen an der Uno-Klimakonferenz von Kopenhagen einen zielführenden, verbindlichen Klimavertrag beschliessen, denn die Zeit drängt. Ulrike Saul: „Wenn wir jetzt in den Klimaschutz investieren, fahren wir künftig auf jeden Fall besser – und günstiger.“

Kontakt:
Ulrike Saul, Verantwortliche Klima und Energie, WWF Schweiz, Tel. 078 745 23 41

Die 12 Kippeffekte:
- Schmelzen des arktischen Meereises
- Schmelzen des westantarktischen Eissschilds
- Schmelzen des grönländischen Inlandeises
- Schmelzen der kontinentalen Eiskappen im Himalaya
- Zusammenbruch der atlantischen Zirkulation
- Trockenheit und Waldbrände im Südwesten der USA, vor allem Kalifornien
- Verschiebung im Sommermonsun in Indien
- Waldverlust im Amazonas
- Verlust borealer Nadelwälder
- Verstärkung der El-Niño-Meeresströmung
- Auftauen von Permafrostböden und Freisetzung von Methan
- Schwächerer Monsun und weniger Niederschlag in Westafrika
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Trockenheit und Brände – eine mögliche Folge des verstärkten El Niño.
© Nigel Dickinson / WWF-Canon


Downloads:
Studie "Tipping Points"
PDF 1.28 MB
Zusammenfassung "Tipping Points"
PDF 104 KB



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