Weniger als 5 Prozent aller Schweizer Gewässer sind intakt

10 August 2016
Rund 80 Prozent der Gewässer weisen zum Teil erhebliche ökologische Defizite auf. Wie ein heute veröffentlichter Bericht des WWF Schweiz zeigt, sind weniger als 5 Prozent noch komplett intakt. Der WWF fordert deshalb den Schutz der wertvollsten Gewässerperlen.

Eine heute veröffentlichte Studie des WWF Schweiz zeigt: Höchstens ein Fünftel der Schweizer Bäche und Flüsse erfüllen teilweise die ökologischen Ziele der Gewässerschutzverordnung. Weniger als 5 Prozent der Gewässer konnten in der Studie als naturnah klassifiziert werden und erfüllen die ökologischen Ziele voll. Trotz intensiver Bemühungen von Naturschutzorganisationen und mehrerer politischer Entscheide zugunsten naturnaher Gewässer sind natürliche Flüsse und Bäche bereits sehr selten und weiterhin stark unter Druck.

Im Mitteland herrschen Verbauungen und Wasserkraftwerke an grösseren Flüssen vor, welche die Flüsse aufstauen und die Fischwanderung unterbrechen. In den Alpentälern sind es vor allem Speicher- und Kleinwasserkraftwerke, die den natürlichen Fluss der Gewässer beeinträchtigen, indem sie ihm Wasser entnehmen. «Schweizer Gewässer sind im europäischen Vergleich besonders stark verbaut», meint Christopher Bonzi, Gewässerexperte beim WWF Schweiz.  

Anstrengungen für Renaturierungen verstärken
Die Studie zeigt aber auch, dass viele Gewässer trotz Beeinträchtigungen noch wichtige Funktionen wahrnehmen – zum Beispiel als Vernetzungskorridore für viele Arten. Einer weiteren Beeinträchtigung dieser Flüsse und Bäche muss jetzt ein Riegel vorgeschoben werden, damit sich die Situation nicht verschlechtert.

Allein schon ein Verschlechterungsverbot für Fliessgewässer, wie es die EU anwendet, könnte die Situation entschärfen. Dieses Verbot schützt die letzten natürlichen Flüsse und Bäche vor schädlichen Einflüssen und verbietet eine Verschlechterung ihres heutigen Zustandes. Da die Schweiz ein solches Verbot aber nicht kennt, braucht es zwingend einen verbindlichen Schutz der letzten natürlichen Gewässer.

Dazu Christopher Bonzi: «58 Prozent aller Fischarten der Schweiz sind auf der Roten Liste. 8 Arten sind sogar ausgestorben. Die letzten naturnahen Gewässerperlen müssen zwingend umfassend geschützt werden. Auch braucht es mehr Renaturierungen, denn sonst besteht die Gefahr, dass weitere Tier- und Pflanzenarten und intakte Landschaften verschwinden». Gesunde Bäche und Flüsse sind Quellen des Lebens und ihre Bedeutung für die Biodiversität ist riesig.


Hinweis: Ausflugstipps
Als Teil des WWF-Projekts «Die letzten Gewässerperlen schützen» hat der WWF Schweiz zum zweiten Mal eine Serie von Ausflugstipps an naturnahe Gewässerabschnitte in der ganzen zusammengestellt. Sie sind unter http://water.wwf.ch  zu finden.

Kontakt:
Christopher Bonzi, 076 579 28 38, Gewässerexperte WWF Schweiz
Martina Lippuner, 044 297 23 14, Mediensprecherin WWF Schweiz

Weitere Informationen
Bilder aller 6 vorgestellten Gewässer zum Download  
Bericht "Wertvolle Gewässer" (PDF)
Cool Waters: 6 Ausflugstipps an wertvolle Schweizer Gewässer: http://water.wwf.ch

 
   
 
Die Calneggia
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