Doreen Adongo, Rangerin in Kenia

Menschenrechte und Umweltschutz

Am 4. März 2019 wurden durch das amerikanische Online-Portal Buzzfeed schwerwiegende Vorwürfe gegen den WWF betreffend Verletzung von Menschenrechten erhoben. Der WWF hat daraufhin umgehend ein internationales Krisenteam eingerichtet und eine externe Untersuchung eingeleitet.

Navanethem Pillay, Richterin und ehemalige Hochkomissarin für Menschenrechte, leitet die unabhängige Untersuchung. Ihr zur Seite stehen Professor John Knox, erster Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt und Dr. Kathy MacKinnon, Vorsitzende der Schutzgebietskommission WCPA (World Comission on Protected Areas).

Ohne die Menschen vor Ort kann unsere Arbeit nicht gelingen. Die Achtung der Menschenrechte hat für uns oberste Priorität. 

Die Achtung der Menschenrechte hat oberste Priorität. Wir arbeiten in jedem unserer Projekte mit den Menschen vor Ort eng zusammen. Der WWF versteht sich als Teil einer starken, unabhängigen Zivilgesellschaft. In vielen Ländern tragen wir aktiv zum Aufbau einer starken Zivilgesellschaft bei.

Strenge Richtlinien gewährleisten, dass sowohl wir als auch unsere Partner die Rechte und das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung in unseren Projektgebieten sicherstellen. Jeglicher Verstoss gegen diese Richtlinien ist für uns inakzeptabel und hat tiefgreifende Konsequenzen zur Folge.  

Naturschutz in Krisengebieten

Unsere Arbeit ist in vielen Staaten der Welt nur möglich, wenn wir bereit sind, mit staatlichen Stellen, wie etwa Nationalparkverwaltungen, Naturschutzbehörden, Justiz und Polizei oder gar der Armee zusammenzuarbeiten. Dabei ist der WWF an einigen der schwierigsten und gefährlichsten Orte im Einsatz: in Bürgerkriegs- und Krisenregionen oder in Staaten mit schwieriger Menschenrechtslage, die unserem eigenen Verständnis von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entgegenstehen. Die Arbeit in solchen Regionen stellt uns vor besondere Herausforderungen. Dennoch werden wir Mensch und Natur in Krisengebieten nicht alleine lassen. 

Gorilla-Familie im Virunga Nationalpark, Demokratische Republik Kongo.

Ein Ausweg aus diesem Konflikt wäre, sich aus Regionen mit undemokratischen Regierungen und mit Menschenrechtsverletzungen komplett zurückzuziehen und die Arbeit vor Ort einzustellen. Die Folgen wären jedoch nicht nur für die Natur verheerend, sondern auch für die Menschen vor Ort und die lokalen Gemeinschaften, mit denen wir eng zusammenarbeiten und deren Überleben und Wohl vom Erhalt ihrer Heimat abhängt. Das Einstellen unserer Arbeit könnte dazu beitragen, kriminellen Banden und mafiösen Wildererstrukturen freie Bahn für den Raubbau an der Natur zu bieten. 

Überarbeitung der globalen Umwelt- und Sozialstandards

Wir arbeiten im gesamten WWF-Netzwerk daran, den Menschen in den Mittelpunkt des Naturschutzes zu stellen. Folgende Massnahmen werden derzeit unter anderem angegangen: 

  • die Überarbeitung und Stärkung der globalen Umwelt- und Sozialstandards des WWF (Global Environmental and Social Safeguards Framework / ESSF), um Menschenrechte zum systematischen Teil der Naturschutzarbeit zu machen
  • die Einrichtung einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe, um die Anwendung und Weiterentwicklung der neuen Umwelt- und Sozialstandards weltweit im gesamten WWF-Netzwerk sicherzustellen
  • die Einrichtung eines unabhängigen Überwachungs- und Überprüfungsmechanismus zur Weiterentwicklung bestehender Whistleblower-Mechanismen, um den Beschwerden lokaler Gemeinschaften verlässlich und zügig nachzugehen

Zusätzlich werden wir in den kommenden Wochen und Monaten den intensiven Austausch mit diversen Partnern suchen, darunter indigene Völker und lokale Gemeinschaften, Sozial-, Naturschutz- und Umwelt-NGOs, Regierungen und Entwicklungsorganisationen. Wir möchten den am stärksten betroffenen Menschen und Gemeinschaften zuhören und sicherstellen, dass sie aktiv an der Gestaltung und Umsetzung lokaler Projekte beteiligt sind. 

Der WWF wird über die Ergebnisse dieser Gespräche berichten, ebenso wie über den weiteren Verlauf der angestrengten Untersuchungen und Massnahmen, die wir zum Schutz der Menschenrechte ergreifen.