Iguazu-Fälle im Atlantikwald
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25. Januar 2018

Mit Wildhütern im Atlantikwald

Wildhüter setzen sich mit viel Herzblut und zum Teil sogar mit ihrem Leben für den Jaguarschutz im Atlantikwald ein – und sie vermelden Erfolge. Wir haben zwei von ihnen bei ihrer Arbeit begleitet.

Diego Araujos Gesicht leuchtet auf vor Aufregung, wenn er erzählt, wie er zum ersten Mal einen Jaguar in der Wildnis gesehen hat. «Das war unglaublich», sagt Araujo, 42, mit einem breiten Lachen im Gesicht. «Das war schlicht und einfach das Allerbeste, was ich je erlebt habe.»

Diego Araujo, Wildhüter im Jaguarprojekt, Atlantikwald

Diego Araujo, links, mit einem Kollegen der Fundación Vida Silvestre, Partnerorganisation des WWF in Argentinien.

Araujo, seit 18 Jahren Wildhüter und jetzt Leiter des Parque provincial Urugua-í in Argentinien, war mit anderen Wildhütern auf Patrouille, als er dem Jaguar begegnete. Araujo hatte sich von der Gruppe getrennt, um ein Waldstück auf Spuren von Wilderern zu untersuchen. Nie hätte er geahnt, dass er stattdessen die geheimnisvolle und scheue Wildkatze sehen würde.

Der Jaguar sass ganz still und entspannt auf seinen Pfoten, als Araujo die Katze erblickte. Sobald sie ihn wahrnahm, verschwand sie aber blitzschnell im Wald. Eine Kamerafalle am selben Ort hat später denselben Jaguar mit zwei Jungtieren aufgenommen – ein Zeichen dafür, dass die Katze, die Araujo gesehen hatte, trächtig war.

Jaguar im Atlantikwald

Jaguar im Atlantikwald.

«Um die Biodiversität in dieser Region zu erhalten, ist es von grösster Notwendigkeit, Wildhüter zu unterstützen, Anti-Wilderei- und Anti-Jagd-Gesetze durchzusetzen und die Öffentlichkeit über diese Themen zu informieren.»

Jaguare sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens und der Kultur von Misiones, einer Provinz im Nordosten von Argentinien zwischen Brasilien und Paraguay. Die Tiere, die einst durch weite Gebiete Nord- und Südamerikas streiften, sind heute als «potenziell gefährdet» eingestuft. Wenn aktuelle Bedrohungen wie Abholzung und Wilderei nicht gestoppt werden, könnten Jaguare – die grössten Katzen des amerikanischen Kontinents – bald vom Aussterben bedroht sein.

Jagd und Wilderei sind in den Gemeinschaften in Misiones kulturell verwurzelt. «Jaguarschutz ist hier zudem besonders schwierig, weil wir an der Landesgrenze sind, und Brasilianer und Paraguayer hierherkommen, um der Jagd zu frönen oder exotische Tiere zum Verkauf zu fangen», sagt José Maria Chavez, technischer Koordinator des Jaguar-Schutz-Projekts bei der Fundación Vida Silvestre Argentina (FVSA), seit 1988 WWF-Partnerorganisation in Argentinien.

Seit 15 Jahren arbeitet FVSA in der Region, um die Jaguare und ihren Lebensraum zu schützen. Gleichzeitig klären sie die Bevölkerung darüber auf, wie wichtig es ist, Wildtiere zu schützen. «Um die Biodiversität in dieser Region zu erhalten, ist es von grösster Notwendigkeit, Wildhüter zu unterstützen, Anti-Wilderei- und Anti-Jagd-Gesetze durchzusetzen und die Öffentlichkeit über diese Themen zu informieren», sagt Chavez.

Misiones ist Teil der Atlantikwald-Ökoregion, die von der brasilianischen Küste bis ins Landesinnere im Westen reicht und den östlichen Teil Paraguays und das nordöstliche Argentinien miteinschliesst. Nur in 4 Prozent der Atlantikwald-Region leben Jaguare. Ein grosser Teil des Waldes ist fragmentiert, was die Bewegungsfreiheit der Jaguare einschränkt. Nur zwei Regionen im Atlantikwald beheimaten im Moment Jaguar-Populationen von mehr als 50 Tieren. Eine davon ist der Obere Paranà, wo auch die Provinz Misiones liegt, weshalb diese Gegend eines der Fokusgebiete für Jaguarschutz ist.

Wildhüter in Misiones, Atlantikwald.

Mario Ebenau (links) mit Wildhütern des Urugua-í-Provinzparks. Die Wildhüter patrouillieren den Wald in der Gruppe.

Mario Ebenau stammt aus einer Bauernfamilie. Er ist in der Provinz Misiones geboren und hat als Kind stundenlang mit seinen Geschwistern und Freunden im Wald gespielt. Diese Kindheits-Verbindung zur Natur hat Ebenau dazu bewegt, sein Leben als Wildhüter dem Schutz der Natur zu widmen. «Der Wald ist eine wertvolle Ressource, die es verdient hat, geschützt zu werden», sagt Ebenau, 29, Wildhüter seit 2012. «Es ist wichtig, dass wir dies tun – für kommende Generationen und für die Menschheit ganz allgemein.»

Ebenau arbeitet im 32’423 Hektaren grossen Wildtier-Schutzgebiet Urugua-í, das von FVSA verwaltet wird. Das Schutzgebiet ist mit dem 84'000 Hektaren grossen Urugua-í-Provinzpark verbunden, der von der lokalen Regierung verwaltet wird. In einer Landschaft, die einen grossen Teil ihrer ursprünglichen Wälder verloren hat, ist der Provinzpark ein wichtiger Wildtier-Korridor, der zusammen mit anderen, kleineren Schutzgebieten vielen Tieren einen Lebensraum bietet. Der Jaguar ist nur eine der vielen einzigartigen Tierarten, die man in dieser Gegend findet. Weitere Tiere des Atlantikwaldes sind der Tapir, der Ozelot, mehrere Tukan-Arten oder der Schwarzmaskenguan, eine bedrohte Vogelart.

Mario Ebenau, Wildhüter in Urugua-í.

Mario Ebenau, Wildhüter im Wildtier-Schutzgebiet Urugua-í.

«Die grossen Firmen zerstören die Umwelt, und die Regierung lässt sie einfach gewähren.»

Einen grossen Teil seiner Arbeitstage verbringt Ebenau in der parkeigenen Baumschule, in der FVSA 2016 16’000 Setzlinge für Wiederaufforstungsprojekte angezogen hat. Einmal im Monat aber begleitet Ebenau die Wildhüter des Provinzparks auf Patrouille, um nach Zeichen von Wilderei, illegalem Holzschlag, Feuer oder weiteren illegalen Nutzungen des geschützten Waldes Ausschau zu halten. Es ist eine gefährliche Aufgabe, da gerade die Wilderer häufig schwer bewaffnet sind. So haben im Januar 2017 Wilderer die Wildhüterstation im nahegelegenen Foerster-Provinzpark in Brand gesetzt. Und im Araucàrias-Nationalpark haben Wilderer zwei Personen angeschossen, weil sie dachten, diese seien Wildhüter. Die beiden Opfer sind seither gelähmt.

Aber Wilderer sind nur eine der Sorgen von Ebenau. Einige lokale Gemeinden, auch viele, in denen die Wildhüter selber leben, sehen Artenschutz als Bedrohung für ihre Jagdaktivitäten. «Ich persönlich habe keine Angst, weil ich die Jäger gut kenne und weiss, wie sie denken, da ich in der nahegelegenen Stadt Andresito aufgewachsen bin», sagt Ebenau. «Aber ich weiss von verschiedenen Fällen, wo Wildhüter von Jägern niedergeschossen wurden.»

Ebenau findet, dass die Regierung seine Arbeit zu wenig unterstützt. «Für die Regierung hat Naturschutz keine Priorität», sagt er. «Die grossen Firmen zerstören die Umwelt, und die Regierung lässt sie einfach gewähren. Dabei ist es unübersehbar, wie sich die Qualität der Natur in den letzten Jahren verschlechtert hat.»

Iguazu Wasserfälle in Brasilien

Die Iguazú-Wasserfälle im Iguazú-Nationalpark gehören zu den grössten weltweit.

Urugua-í und der Iguazú-Nationalpark, in dem einer der grössten Wasserfälle weltweit liegt, sind beide Teil des Atlantikwaldes, der viele einzigartige Tierarten und eine riesige Artenvielfalt beheimatet.

Die gute Nachricht ist, dass die Jaguarzahlen im Gebiet des Oberen Paraná wieder zunehmen – neuste Schätzungen gehen von inzwischen 71 bis 107 Jaguaren in dieser Region aus, verglichen mit lediglich 51 bis 84 Tieren 2014. In der gesamten Atlantikwald-Ökoregion sollen rund 200 Jaguar leben. «Dass die Jaguarzahlen wieder zunehmen, ist zweifellos das Resultat harter Arbeit und der guten Zusammenarbeit verschiedener Organisationen und öffentlichen Institutionen», sagt Manuel Jaramillo, Generaldirektor der Fundación Vida Silvestre. «Der Erfolg bestätigt unsere Arbeit für den Artenschutz und unserer konkreten Massnahmen vor Ort, um den Jaguar vor dem Aussterben zu bewahren.»

Dottertukan im Bundesstaat Paraná, Brasilien

Tukan im Atlantikwald.

«Es ist ein absolutes Privileg, im Wald und inmitten dieser Artenvielfalt zu leben und zu arbeiten.»

Mit Unterstützung des WWF hat die Fundación Vida Silvestre eng mit den lokalen und regionalen Behörden, mit Personen aus dem Bildungsbereich und mit lokalen Gemeindegruppen zusammengearbeitet, um die Öffentlichkeit auf die Wichtigkeit des Umweltschutzes aufmerksam zu machen. Seit 2002 hat FVSA 24 Parkmanager und 80 Wildhüter für vier Schutzgebiete ausgebildet. In Misiones hat die Organisation – als einzige Umwelt-Nichtregierungsorganisation in der Provinz –Ressourcen für Patrouillen und für die Überwachung der Schutzgebiete zur Verfügung gestellt.

Fundación Vida Silvestre und ihre Partner entwickeln zudem neue Technologien, mit denen die Bevölkerung besser in den Kampf gegen Wilderei und illegale Abholzung integriert werden kann. Und zusammen mit der Regierung werden neue Methoden entwickelt, um die Nutztiere der Bauern besser vor Jaguarangriffen zu schützen.

Wildhüter Mario Ebenau findet es essenziell, die lokale Bevölkerung in den Jaguarschutz zu integrieren. Und er selber kann sich keinen besseren Beruf vorstellen. «Es ist ein absolutes Privileg, im Wald und inmitten dieser Artenvielfalt zu leben und zu arbeiten und täglich die Chance zu haben, diese ausserordentlichen Tiere zu Gesicht zu bekommen und die Klänge der Natur zu geniessen.»

Jaguar im Atlantikwald, Argentinien

Jaguar im Atlantikwald, Argentinien.

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