Der Roi du Doubs stirbt aus – die Schweiz schaut weg

05 Juni 2012
Pro Natura, der Schweizerische Fischerei-Verband und der WWF Schweiz werfen der Schweiz und Frankreich vor, tatenlos dem Aussterben des Roi du Doubs zuzuschauen. Aufgrund ihrer Klage vom Juni 2011 beim Europarat auf Verletzung der Berner Konvention, mussten die Staaten Schweiz und Frankreich Berichte über die getroffenen Massnahmen zum Überleben des geschützten und vom Aussterben bedrohten Fisches liefern. Das Büro der Berner Konvention hat entschieden, dass die Massnahmen beider Staaten nicht genügen und eine Verletzung der Berner Konvention vorliegen könnte. Das definitive Urteil wird im Herbst 2012 erwartet.

Gemeinsame Medienmitteilung von Pro Natura, des Schweizerischen Fischerei-Verbandes und WWF Schweiz:

Der Apron im Doubs, auch Roi du Doubs genannt, ist vom Aussterben bedroht. Die Klage, die Pro Natura, der Schweizerische Fischerei-Verband und der WWF Schweiz am 21. Juni 2011 eingereicht haben, wurde angenommen. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen der Berner Konvention eine Verletzung des Artschutzabkommens durch die Schweiz und Frankreich als möglich erachten. Das Dossier wird nun dem Europarat zur weiteren Bearbeitung übergeben. Dieser wird im Herbst darüber befinden, ob die Schweiz ihre Verpflichtungen zur Erhaltung dieser hoch gefährdeten Art verletzt hat.

Studien statt Taten
Die Klage der Verbände hatte zur Folge, dass die Schweizer Regierung einen vom Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen Jura und Neuenburg verfassten Bericht zum Doubs vorlegen musste. Dessen Inhalt ist symptomatisch für die passive Haltung der Behörden: Er zeigt keine konkreten Revitalisierungsmassnahmen für den Lebensraum des Aprons auf, sondern schlägt lediglich Untersuchungen vor, die bereits durchgeführt wurden. Jetzt braucht es aber Taten statt viele Worte, denn die Probleme sind längst bekannt: massive Beeinträchtigungen des Lebensraumes durch die Wasserkraftnutzung, Verschmutzung der Sedimente, Beeinträchtigung der physikalisch-chemischen Wasserqualität und Einschränkung der ökologischen Durchgängigkeit des Flusses durch unüberwindbare Hindernisse. Die NGOs wehren sich seit Jahren erfolglos gegen die abwartende Haltung der Behörden. «Die starken Wasserstandsschwankungen, verursacht durch das Wasserkraftwerk Le Châtelot, müssen endlich aufhören», fordert Thomas Ammann, Fischexperte des WWF Schweiz.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben
Noch immer plant die Schweiz weitere Studien, statt die nötigen Schritte einzuleiten, um die Probleme endlich zu lösen: Sanierung der ungenügenden Kläranlagen, akkumulierte Sedimente hinter den Stauwehren, Unterbindung der täglichen künstlichen Pegelschwankungen des Flusses und konkrete Massnahmen zur Senkung des Schadstoffeintrags aus der Landwirtschaft. Ausserdem herrschen im Doubs schlechte Bedingungen für die Wanderung der Fische. Die Behörden wollen die Fischdurchgängigkeit aber erst beim Bau neuer Wasserkraftwerke verbessern. Lucienne Merguin Rossé, Spezialistin für den Doubs bei Pro Natura, sagt: «Dieser Entscheid ist zynisch, denn gerade die Wasserkraftwerke sind ja einer der Hauptgründe für das Sterben der Fische im Doubs.»

Die Organisationen rufen die Behörden erneut dazu auf, sofort mit den nötigen Sanierungen zur Rettung des Doubs-Ökosystems zu beginnen. Die Zeit drängt, denn unter den jetzigen Bedingungen wird der Apron bald aussterben. Dass beim Doubs jetzt rasch gehandelt werden muss, zeigen auch Fischsterben bei anderen Arten. So hat der Bund erst jüngst über eine Pilzerkrankung berichtet, der zu einer höheren Sterberate bei Äschen und Forellen führt. Diese Pilzerkrankung ist für die Fische ein zusätzlicher Bedrohungsfaktor in einem Lebensraum, der ohnehin unter starken Wasserstandschwankungen leidet.

Weitere Auskünfte:
Pro Natura: Lucienne Merguin Rossé, Spezialistin für den Doubs, 079 817 99 61, lucienne.merguin@pronatura.ch
WWF Schweiz: Thomas Ammann, Verantwortlicher für das Dossier «Doubs», 078 721 33 06, thomas.ammann@wwf.ch
Schweizerischer Fischerei-Verband: Roland Seiler, Zentralpräsident, 031 859 09 10, roland.seiler@roland-seiler.ch
Der bedrohte Roi du Doubs.
© Bild Aquarius

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