WWF Jahresrückblick: Verlierer und Gewinner 2012

20 Dezember 2012
Der Abwärtstrend in der Artenvielfalt bestätigt sich auch für 2012. Knapp ein Drittel aller untersuchten Arten werden gemäss der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet gelistet. Der WWF nennt drei Gewinner – aber auch drei Verlierer.

Exakt 19 817 Arten sind gemäss der IUCN gefährdet. Mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten sterben jedes Jahr aus. Zu den wichtigsten Bedrohungen gehören Lebensraumverlust, Umweltverschmutzung und direkte Eingriffe des Menschen. So blüht etwa der illegale Handel mit Wildtieren oder Wildtierteilen – die Wilderei hat Afrika im Griff wie nie zuvor. Auch die Schweiz bleibt vom Artenschwund nicht verschont: Mindestens 40 Prozent der Tierarten und über 30 Prozent der Pflanzen- und Pilzarten sind gefährdet. Der WWF wirft zum Jahresende einen Blick zurück auf die Verlierer und Gewinner von 2012:

Verlierer 2012

Afrikanischer Elefant
Experten schätzen, dass 2012 bereits weit über 10 000 Afrikanische Elefanten der Wilderei zum Opfer gefallen sind, die meisten davon sind Waldelefanten aus Zentralafrika. Der illegale Handel mit dem Elfenbein ist lukrativ – ein grosses Paar Stosszähne bringt bis zu 120 000 Dollar ein. Besonders in Vietnam und China herrscht eine starke Nachfrage nach Schnitzereien, Schmuck oder Medizin aus Elfenbein – Tendenz steigend. Unter den Wilderern finden sich deshalb immer mehr schwerbewaffnete Verbrecherbanden, die Rangern das Leben schwer machen. Mit Hilfe von TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN, kämpft der WWF gegen den illegalen Handel mit Elfenbein und anderen Elefantenprodukten.
 
Mehlschwalbe
Die Mehlschwalbe nistet gerne an Aussenfassaden von Gebäuden. Doch während die Siedlungen weiterwachsen, zeigen Erhebungen der Vogelwarte Sempach, dass der Mehlschwalbenbestand in den letzten zwanzig Jahren um einen Fünftel abgenommen hat. 2010 wurde die Mehlschwalbe deshalb in die Rote Liste der bedrohten Vögel der Schweiz aufgenommen. Viele Hauseigentümer entfernen die Nester, um einer Verschmutzung durch den Kot der Vögel vorzubeugen. Auch glatte Verputze und Glasfassaden machen dem Gebäudebrüter das Wohnen schwer – die Lehmnester bleiben daran nicht haften. Um in der Schweiz langfristig überleben zu können, braucht die Mehlschwalbe genügend Naturflächen in Siedlungsräumen. Wird weiterhin 1 m2 pro Sekunde zubetoniert, wird der Insektenfresser in Zukunft kaum noch genügend Nistmaterial und Nahrung finden.

Strahlenschildkröte
Schlechte Prognosen für die Strahlenschildkröte in Madagaskar: In weniger als zwanzig Jahren könnte sie ausgestorben sein. Abholzung, Viehweiden und Holzkohleherstellung bedrohen den Lebensraum der Landschildkröte. Obwohl sie unter Schutz steht, landet sie zudem immer wieder im Kochtopf – Schildkrötenfleisch gilt bei vielen Stämmen als Delikatesse. Noch mehr ins Gewicht fällt allerdings der illegale Handel: Die strahlenförmig verlaufenden Linien auf dem Panzer machen das Tier für den Haustiermarkt und das Kunsthandwerk reizvoll. Gemäss einer WWF-Studie verschwinden allein im Südwesten des Landes jede Woche 1 000 Schildkröten. Seit 2001 hat sich die Population von 12 Millionen Tieren auf die Hälfte reduziert. Der WWF Madagaskar versucht, die lokale Bevölkerung für die Not der Strahlenschildkröten zu sensibilisieren und fordert hartes Durchgreifen für den illegalen Handel mit Wildtieren.

Gewinner 2012

Dugong
Dugongs sind eine Seekuh-Art und leben im flachen Wasser entlang der Küsten von tropischen Gebieten. Sie ernähren sich hauptsächlich von Seegras. Doch die Fischerei (Schleppnetze) und Umweltgifte zerstören die sensiblen Seegraswiesen. Ausserdem verfangen sich die Tiere oft in den Fischernetzen und sterben elendiglich. Die Dugongs vor der ostafrikanischen Küste können nun aufatmen: Mosambik hat über eine Million Hektaren Küstengebiet unter Schutz gestellt. Das so gennannte Primeiras e Segundas-Archipel umfasst zehn von Korallen umsäumte Inseln und beherbergt die letzten grossen Seegraswiesen Afrikas. Das riesige Schutzgebiet sichert nicht nur den Lebensraum von Dugongs, Fischen, Schildkröten sowie vorbeiziehenden Walen und Delfinen, sondern ist auch ein wichtiger Schritt für mehr Nachhaltigkeit in Fischerei und Tourismus.

Kihansi-Gischtkröte
Die Kihansi-Gischtkröte ist gerade mal so gross wie ein Daumennagel und wurde erst 1996 entdeckt. Nur 13 Jahre später war die Kröte in ihrem einzig bekannten Lebensraum, am Fusse der Wasserfälle der Kihansi-Schlucht in Tansania, bereits wieder verschwunden. Grund dafür ist ein oberhalb der Fälle errichteter Damm, der 90 Prozent des Wassers umleitet. Der Sprühnebel wurde weniger und mit ihm die Zahl der Gischtkröten – ihr Lebensraum trocknete aus. Zwei amerikanische Zoos starteten kurz darauf ein Zuchtprogramm mit 500 geretteten Exemplaren und konnten den Bestand bis heute auf 6 000 erhöhen. Dank eines künstlichen Sprühregen-Systems konnten nun über 2 000 Gischtkröten in ihrem ursprünglichen Lebensraum wieder angesiedelt werden. Es ist die erste Auswilderung einer Amphibienart, die von der Weltnaturschutzunion IUCN als "in der Wildnis ausgestorben" deklariert wurde.

Wildschwein
Die Wildschweine fühlen sich sauwohl in der Schweiz: Seit den 80er-Jahren kehren die zuvor ausgerotteten Wildschweine zurück und haben sich in der ganzen Schweiz stark vermehrt. Sie leben vorwiegend im Wald, wo sie den Boden nach Eicheln und Buchnüssen, aber auch Kräutern, Wurzeln, Mäusen und Insekten durchpflügen. Der Tisch ist reich gedeckt: Eichen, Buchen und Kastanien hat es viele und die Früchte werden von den Menschen im Gegensatz zu früher kaum mehr genutzt. Eine Wildschweinpopulation kann sich bei diesen idealen Lebensbedingungen jährlich mehr als verdoppeln. Die schlauen Allesfresser können sich aber auch sehr schnell an neue Lebensräume anpassen. So haben sie ihre Futtersuche etwa auf mit Mais, Hafer, Weizen und Kartoffeln bebaute Felder ausgeweitet – sehr zum Ärger der Bauern. Entschädigungszahlungen, weniger waldnahe Felder und eine kontrollierte Jagd können helfen, die Schäden in Schach zu halten.

Kontakt
Melanie Küng, Kommunikationsbeauftragte, WWF Schweiz, 044 297 21 34, melanie.kueng@wwf.ch
Dugong beim Grasen
© © Jürgen Freund / WWF-Canon
Dugong
© © Andrey Nekrasov / WWF-Canon
Afrikanischer Waldelefant
© WWF Carlos DREWS
Wildereimassaker an Elefanten
© © WWF-Canon / Green Renaissance
Junge Strahlenschildkröten
© © Martin Harvey / WWF-Canon
Mehlschwalbe
© © WWF-Switzerland/Bille
Strahlenschildkröte
© © WWF-Switzerland/Andreas Schriber
Wildschwein beim Wühlen
© © WWF-Switzerland
Wildschwein
© © WWF-Switzerland

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