Schwierige Zeiten für Bär, Wolf & Co.

27 Dezember 2012
130 Luchse, siebzehn Wölfe und nur ein Bär: Grossraubtiere haben es schwer in unserem Land. Zwar ist die mediale Aufregung jeweils gross, wenn sich wieder einmal ein Bär ins Bündnerland vorwagt oder wenn wie kürzlich das erste Wolfsrudel entdeckt wird. Doch die Jahresbilanz des WWF zeigt, dass sich der Bestand der Grossraubtiere in der Schweiz nur sehr zaghaft entwickelt.

„Seit 1995 wandern immer wieder Wölfe in die Schweiz ein, doch mit 17 Wölfen sind wir immer noch meilenweit von einem überlebensfähigen Bestand entfernt“, sagt Kurt Eichenberger, Grossraubtierexperte beim WWF Schweiz. Bei den meisten Wölfen in der Schweiz handelt es sich um einzelne Männchen (Wallis, Tessin, Zentralschweiz) oder ein einzelnes Weibchen (Bern/Freiburg).
Die Hälfte der Wölfe leben in der bündnerischen Calanda, wo Wildhüter vor Wochenfrist acht Wölfe beieinander sichteten. Im Frühjahr konnte dort das erste Schweizer Rudel nachgewiesen werden. Das Wolfspäärchen mit drei Jungen hat in den letzten Wochen Zulauf von weiteren zuvor wohl einzelgängerisch lebenden Wölfen bekommen. Trotz dieser aufsehenerregenden Meldung aus Graubünden: In unseren Nachbarländern Italien und Frankreich haben sich die Wolfs-Bestände viel besser entwickelt: Innert 20 Jahren haben sich im Alpenraum mindestens 30 Wolfsrudel gebildet, dort sind 400 Wölfe unterwegs.

Ein einziger Bär
Noch bedenklicher fällt die WWF-Jahresbilanz beim Bär aus. Mit M12 undM13 aus dem Trentino haben nur zwei Bären den Weg in die Schweiz gefunden. M12 wurde schliesslich im Südtirol überfahren, M13 sorgte im Puschlav für Aufregung, bevor er in Winterruhe ging. Giftköder wurden ausgelegt und einzelne Jäger sprachen gar öffentlich vom Abschuss des Bären. „Der Umgang mit dem Bären muss im Puschlav erlernt werden, denn M13 wird nicht der letzte Bär sein, der in die Schweiz kommt“, sagt Eichenberger. Die Bärenpopulation im nahen Trentino wächst stetig und weitere Bärenbesuche sind nur eine Frage der Zeit. Bärensichere Abfallcontainer, Herdenschutz und die Sicherung von Bienenhäusern wurden im benachbarten Münstertal erprobt und müssen auch im Puschlav Schule machen.

Rund 130 Luchse
Einzig beim Luchs gibt es in der Schweiz inzwischen einen Lichtblick. Nach der Auswertung von Fotofallen leben heute rund 130 Luchse in der Schweiz, aufgeteilt auf drei Populationen – im Jura, in den Nordwestalpen (aufgrund von Wiederansiedlungen von Tieren aus den slowakischen Karpaten in den 1970er Jahren) und in der Nordostschweiz (aufgrund von Umsiedlungen aus den Alpen und dem Jura vor 10 Jahren). Der Bestand ist aber verletzlich und braucht Blutauffrischung. Wie schnell sich Inzucht bemerkbar machen kann, zeigt die Situation in Slowenien, wo der Luchsbestand in den letzten Jahren regelrecht zusammenbricht.



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Grossraubtiere in den Alpen
Die Schweizer KORA (das Koordinierte Forschungsprojekt für Raubtiere) hat im Auftrag des WWF eine Jahresbilanz über die Grossraubtiere im Alpenraum erstellt. Darin werden die aktuellen Zahlen für die Schweiz und ihre Nachbarländer ausgewiesen (Stand Mitte Dezember 2012) .

Kontakt:
Stefan Inderbitzin, Mediensprecher WWF Schweiz,
Mobil 079 720 50 92
Neue Hoffnung für Bär, Wolf und Luchs
Der Wolfs-Bestand in der Schweiz entwickelt sich nur sehr langsam.
© Staffan Widstrand / WWF

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