/ ©: Michel Roggo

Lachs Comeback

Noch vor etwas mehr als hundert Jahren war der Rhein der grösste Lachsfluss in Europa: Rund eine Million Lachse schwammen im Rhein. Ihre Laichgründe reichten bis in die Voralpen. Der WWF setzt sich vehement für seine Rückkehr und macht dem atlantischen Lachs den Weg frei zurück in die Schweiz.
Auf dem Weg zurück in den Rhein begegnet der Lach derzeit noch vielen Hindernissen: Wehre, Kraftwerksanlagen und Schwellen. Einige Fischaufstiegshilfen bei Kraftwerksanlangen entsprechen nicht den Anforderungen des Lachs. Dieser braucht speziell grosse Becken und die Strömungsverhältnisse in den Fischtreppen müssen stimmen. Damit sich der Lachs vermehren kann, braucht er im Einzugsgebiet des Hochrheins (inklusive den wichtigsten Zuflüssen im Mitteland) geschützte Lebensräume mit genügend lockeren, von sauerstoffreichem Wasser durchströmte Kiesflächen um zu laichen.

Das können Sie tun

Salmo salar Entwicklungszyklus / ©: WWF Schweiz
Entwicklungszyklus des Atlantischen Lachses
© WWF Schweiz
  • Der Rhein war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Lachsfluss in Europa schlechthin. Mehr als 1 Million Lachse stiegen jährlich ins Rheineinzugsgebiet zum Laichen auf. So auch in die Aare, in die Limmat, in die Reuss, in die Thur, in die Töss und in kleinere Zuflüsse im Rheinsystem.
    Seit den 1950er Jahren gilt der Lachs in der Schweiz als ausgestorben. Seine Wanderung wurde durch die zunehmende Anzahl an Wasserkraftanlagen verhindert. Befestigungen der Ufer durch Beton-Mauern und Blockverbau raubten ihm die nötigen Habitate.

    Langdistanz-Wanderfische wie der Lachs leiden besonders unter Querbauten, der Begradigung und Verbauung der Fliessgewässer. Haupthindernisse für eine erfolgreiche Rückkehr und den Aufbau einer selbsterhaltenden Lachs-Population in der Schweiz sind die nicht nachhaltige Nutzung der Wasserkraft, der eingeschränkte Geschiebetrieb und mangelnde Laichplätze.

    Der biologische Zyklus des Lachs macht deutlich, dass dieser auf verschiedene Habitate und auf deren Vernetzung angewiesen ist. Kritische Phasen sind insbesondere die Laichablage, wo genügend lockere, von sauerstoffreichem Wasser durchströmte Kiesflächen vorhanden sein müssen. Damit bei der Abwanderung genügend Individuen einer Population überleben und das Meer erreichen, muss die Sterberate bei der Passage der Kraftwerksanlagen verbessert werden. Für die Rückwanderung aus dem Meer ist entscheidend, dass die Kraftwerke mit Fischaufstiegsanlagen ausgerüstet werden.
  • Die Vision: Der Lachs kehrt in die Schweiz zurück. Im Rhein, in der Aare und geeigneten Zuflüssen schwimmen junge, natürlich geborene Lachse. Die Rückkehr der Lachse begeistert die Schweiz und löst weitere Revitalisierungsprogramme aus.

    Der Lachs ist eine zugkräftige Leitart gesunder Flüsse. Dank internationalen Anstrengungen ist die Wiederansiedlung des Lachses im Einzugsgebietes des Rheins in Deutschland geglückt. Heute verhindern noch wenige Wehre französischer Kraftwerke (Electricité de France: EdF) im Oberrhein die Rückkehr des Lachses in die Schweiz. Sie müssen in absehbarer Zeit fischgängig gemacht werden. Damit steht der Weg in die Schweiz bald offen.

    Der WWF Schweiz will mit dem Projekt Lachs Comeback dem atlantischen Lachs den Weg zurück in die Schweiz frei machen. Von den Vernetzungsmassnahmen am Rheinhauptstrom und seinen Zuflüssen profitieren alle aquatischen Arten. Die heute oft fragmentierten Flussabschnitte werden miteinander vernetzt, sodass die Fische auf- und abwärtsschwimmen können. Mit Renaturierungen entstehen neue dynamische Lebensräume in unseren Flüssen. Wandernde Fische wie der Lachs, der als Schirmart und Bioindikator dient, profitieren besonders davon. Die Aufwertungen an den Flüssen sprechen auch die Menschen an, die sich gerne an naturnahen Gewässern aufhalten. Der Lachs, König der Fische, ist die Gallionsfigur für die Vernetzung und Renaturierung unserer Mittellandflüsse.

    Die Fischaufstiegshilfen bei Kraftwerksanlagen müssen entsprechend den Anforderungen des Lachs geplant und (um)gebaut werden. Aber auch die Wanderung flussabwärts muss gewährleistet sein. In einer Studie haben wir die Best Practice Anlagen für den Fischabstieg bei Kraftwerken zusammengefasst und streben nun Pilotanlagen für den Fischabstieg in der Schweiz an. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der ökologischen Durchgängigkeit des Oberrheins zwischen Strassburg und Basel. Die Kraftwerke der EdF müssen Fischaufstiegshilfen installieren, die eine Rückkehr des Lachs bis nach Basel ermöglichen.

    Der Schutz und die potentiellen Lachs-Lebensräume im Einzugsgebiet des Hochrheins (inklusive die wichtigsten Zuflüsse im Mittelland) werden aufgewertet. Die bereits bestehenden Lachshabitate müssen geschützt werden. In die Wanderkorridore sollen keine weiteren Hindernisse gebaut werden. Dort wo es möglich ist, sollen Revitalisierungen die Lebensräume aufwerten. Auch wenn der Lachs noch nicht da ist, können bereits jetzt viele andere aquatische Lebewesen von diesen Aufwertungen profitieren. Insbesondere die in der Schweiz in ihrem Bestand bedrohten strömungsliebenden, kieslaichenden Fisch-Arten.

    Mehr Geschiebe: Damit sich die Lachs-Habitate in den Flüssen dynamisch entwickeln können, muss das akute Kies- und Geschiebedefizit in den Schweizer Mittellandflüssen behoben werden. Auch dazu laufen kantonale Planungen im Rahmen des neuen Gewässerschutzgesetzes. Der Lachs muss als Leitart in diese Planungen integriert werden. Dort wo es möglich ist, sollen durch Kieszugaben oder durch Zulassen von Ufererosion Massnahmen initiiert werden.
  • Studien: Der WWF hat Grundlagen und Geschichten zur historischen Verbreitung zusammen getragen und eine umfassende Studie zum Potential für die Rückkehr des Lachs in Rhein, Aare und deren wichtigsten Zuflüssen erstellt. Die Wanderhindernisse wurden detailliert beurteilt. Der Perimeter, welcher der Lachs heute noch erreichen könnte bestimmt. Die Habitate der potentiellen Lachsflüsse in der Schweiz und Süddeutschland werden kartiert.

    Aktionsplan: Diese WWF- Studien flossen in den Aktionsplan Wanderfische Schweiz ein. Dieser wird vom BAFU publiziert. Der WWF ist Massgeblich an dessen Erarbeitung beteiligt. Der Aktionsplan soll von allen wichtigen Partnern getragen werden.

    Lebensraum aufwerten: Prioritäre Revitalisierungen von Flussstrecken werden vom WWF initiiert und koordiniert umgesetzt. Mit Machbartkeitsstudien und Vorprojekten stossen wir Aufwertungsmassnahmen an und begleiten diese in der Umsetzung  auch mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit.

    Fischpassagen ermöglichen: Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die Fischpassage  bei Wasserkraftwerken. Insbesondere Möglichkeiten für den Fischabstieg bei diesen Anlagen wollen wir voranbringen. Dazu organisieren wir mit Partnern zusammen Fachsymposien. Zudem betreibt der WWF Fundraising für ausgewählte Projekte, um möglichst viele Flusskilometer «lachstauglich» zu machen.
     

    Allianzen

    Wichtige Projektpartner in der Schweiz sind die nationalen (Bundesamt für Umwelt BAFU) und die kantonalen Behörden. Sie sind für die Umsetzung der eigentlichen Revitalisierungsprojekte und Verbesserungen der Fischmigration zuständig. Die Kantone stellen mit dem Besatz von Lachsbrütlingen in die Lachsgewässer sicher, dass sich eine schweizerische Lachspopulation entwickeln kann. Zu den relevanten Stellen in den „Lachskantonen“ pflegen wir einerseits bilaterale Beziehungen und andererseits institutionalisierten Treffen zum Informationsaustausch und zur Entwicklung gemeinsamer Teilprojekte.

    Der WWF ist Teil der Arbeitsgemeinschaft Hochrhein. Die Zusammenarbeit der NGOs am Hochrhein hat zum Ziel, Ressourcen und Energien zur Durchsetzung der ökologischen Interessen am Rhein zwischen Basel und Schaffhausen zu bündeln.

    Mit den Kraftwerksbetreibern in der Schweiz besteht eine Zusammenarbeit im Forschungsprojekt zum Fischabstieg. Mit den einzelnen Kraftwerkseigentümern arbeiten wir im Rahmen von Neukonzessionierungen der Anlagen in den jeweiligen Begleitgruppen zusammen.

    Die Fischereiverbände werden als Partner einbezogen, weil sie lokales Fachwissen einbringen. Sie sind als lokale Partner prädestiniert, die Umsetzung der konkreten Aufwertungsmassnahmen längerfristig zu begleiten.
     
    Auf internationaler Ebene sind wir in der Expertengruppe Fisch der IKSR (Internationale Kommission zum Schutz des Rheins) vertreten. Im Rheineinzugsgebiert formiert sich auf Initiative des WWF eine Plattform  „Green Rhine Corridor“. Die Initiative bezweckt den regelmässigen Informationsaustausch unter NGOs und Unternehmen, welche die Vision eines ökologischen Rheinkorridors teilen. Ausserdem sollen dort gemeinsame Projekte über die Staatengrenzen hinweg erarbeitet werden. Aktuell handelt es sich um ein Wanderfischprojekt und ein Projekt zur Verbesserung der Hochwassersicherheit mit ökologischen Aufwertungen ist angedacht.

    Für die Arbeit in Frankreich ist insbesondere die Kooperation mit dem European River Network (ERN) und dem WWF Frankreich von Bedeutung. Gemeinsamen werten wir die Rheinministerkonferenz aus und legen die weitere Zusammenarbeit mit Partnern fest. An der Ministerkonferenz konnte die Lachspetition mit rund 12‘000 Unterschriften dem französischen Wasserdirektor übergeben werden. Unter dem Lead des WWF Schweiz und der Koordination des ERN haben mehr als 20 Partner an dieser Petition mitgewirkt.
  • Auf Initiative des WWF ist zurzeit ein Masterplan Wanderfische beim Bundesamt für Umwelt in Bearbeitung. Der Lachs spielt darin eine wichtige Rolle. Das Dokument soll demnächst publiziert werden. Umsetzungshilfen zur Realisierung der adäquaten Massnahmen sind geplant.

    Erfolgreiche Lachspetition: Gemeinsam mit zwanzig Partnerorganisationen fordert der WWF mit einer Petition Frankreich zum Handeln auf. Die Petition wurde rund 12'000 Mal unterzeichnet und am 28. Oktober 2013 anlässlich der Rheinministerkonferenz Laurent Roy, dem französischen Wasserdirektor, übergeben. Dieser hat versprochen, dass der Lachs bis 2020 wieder nach Basel zurückkehren kann. Ein Etappensieg! Im Visier stehen die Kraftwerke der französischen Électricité de France im Elsass. Sie bilden das letzte grosse Hindernis, das dem Lachs auf seiner Wanderung von der Nordsee bis nach Basel im Wege steht. Die französische Delegation hat an der Rheinministerkonferenz eine „kurzfristige Lösung mit mobilen Fischpässen“ angekündigt, und parallel dazu den Bau von Fischaufstiegsanlagen. Der WWF wird diese Lösung genau prüfen und kritisch begleiten.

    Erste Aufwertungen und Revitalisierungen von Teilstrecken potentieller Lachshabitate konnten im Rahmen des Projekts Lachs Comeback an der Bünz, dem Etzgerbach, dem Aabach, an der Suhre und am Rhein ausgelöst werden. Die revitalisierten Flussabschnitte bieten auch einen Lebensraum für die Restpopulationen der in der Schweiz akut bedrohten Fischart Nase. Bei der Bevölkerung stossen renaturierte Flüsse auf ein sehr positives Echo. Sie sind sehr attraktiv für die Naherholung und werden als landschaftliches Natur-Element geschätzt.

    In den Projektjahren 2010-2013 konnten wir in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern wichtige Meilensteine für das Lachs Comeback erreichen. Einer der sichtbarsten Fortschritte ist, dass der Zustand unserer Fliessgewässer und die Durchgängigkeit bei Wasserkraftwerken stark an Bedeutung gewonnen haben. Nach anfänglicher Skepsis ist der Lachs unterdessen bei den entscheidenden kantonalen und nationalen Behörden als Ziel- und Leitartart etabliert. Auch die Kraftwerksbetreiber tragen das Ziel eines Lachs Comeback heute mehrheitlich mit. Damit haben sich die sozio-politischen Rahmenbedingen für eine Rückkehr der Lachse wesentlich verbessert.

    In einer ersten Projektphase 2007-2010 wurden verschiedene Grundlagen (Studien) für die Lachsrückkehr erarbeitet. Die potentiellen Lebensräume, die aktuellen Wanderhindernisse und die grössten Lebensraumdefizite wurden systematisch untersucht. Die Resultate wurden mit den wichtigsten Partnern, Kraftwerksbetreibern, Behörden und Fischereiverbände intensiv diskutiert und abgeglichen.
Renaturierte Suhremündung / ©: WWF Schweiz
Renaturierte Suhremündung: Hier ist Lebensraum für kieslaichende Arten wie den Lachs, die Nase oder die Äsche entstanden.
© WWF Schweiz

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