Bearded vulture or Lammergeier (Gypaetus barbatus); Drakensberg Range, Republic of South ... / ©: Martin Harvey / WWF-Canon

Bartgeier

  • Bartgeier

    Wissenschaftlicher Name
    Gypaetus barbatus

    Lebensraum
    Zerklüftete und abgelegene Gebirgsregionen oberhalb der Baumgrenze in Europa, Afrika und Asien

    Bestandsgrösse
    Weltweit: keine genauen Gesamtbestandsangaben bekannt
    Europa: etwa 225 bis 250 Brutpaare, davon im Alpenraum rund 140 Individuen (Stand 2010)

    Gefährdungsstatus
    IUCN: nicht gefährdet
    CITES: Anhang II
    Berner Konvention: nicht gelistet

    Bartgeier: meisterhafter Flieger
    Der Bartgeier, früher auch Lämmergeier genannt, gilt mit einer Flügelspannweite von bis zu 3 Metern als grösster Vogel Europas. Er ist der einzige Geier in der Schweiz. Männchen und Weibchen werden bis zu 1,10 Meter gross und zwischen 5 und 7 Kilogramm schwer.

    Der Bartgeier hat ein silbergrau gefärbtes Gefieder, das vor allem im Bereich des Kopfes, des Halses und der Beine eine hell- bis rostbraune Färbung aufweist. Markant sind ausserdem seine langen, spitzen Flügel und sein langer, keilförmiger Schwanz. Der Bartgeier ist ein meisterhafter Flieger. Er ernährt sich von toten Tieren und sogar fast zu 90 Prozent von deren Knochen. Zu grosse Knochen lässt er aus grosser Höhe auf die Felsen fallen, damit sie zersplittern.

    Geschlechtsreif werden die imposanten Vögel erst mit etwa 5 bis 7 Jahren. Bartgeier beginnen ihre Brut bereits im Winter, weil die Nahrung im Frühling, wenn die Jungen schlüpfen, im Überfluss vorhanden ist. Trotzdem überlebt von den zwei ausgebrüteten Eiern nur ein Jungvogel – meistens der Erstgeborene. Der zweite Nestling, welcher rund eine Woche später schlüpft, stirbt bereits nach wenigen Tagen, entweder aufgrund des aggressiven Verhaltens seines Geschwisters oder durch Verhungern. Die Tatsache, dass nur ein Junges überlebt, nennt man auch Kainismus. Biologen vermuten, dass das zweite Junge eine Art Überlebenssicherung darstellt.
  • Als Bedrohung empfunden

    Der Bartgeier war einst in fast allen Gebirgen Südeuropas und in den Alpen verbreitet. Ein fatales Missverständnis war der Hauptgrund für seine Ausrottung im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Dem Bartgeier wurde nachgesagt, er würde Lämmer im wilden Sturzflug erlegen, Steinwild über den tödlichen Abgrund treiben und gar vor Kinderraub nicht zurückschrecken.
    Aus diesen Gründen wurde der Bartgeier in den Alpen durch den Menschen gnadenlos mit Fallen, Giftköder, Aushorstung und gezieltem Abschuss verfolgt. Aber auch die Ausrottung wilder Huftiere und die damit verbundene Futterknappheit trugen damals zum Verschwinden des Bartgeiers aus den Alpen bei. Ausserdem waren die Bartgeier als Trophäen bei den Jägern beliebt. Zudem wurden ihre Jagd vom Staat nach Einführung des Jagdgesetzes 1875 mit Prämien belohnt. Das erste Jagdgesetz unterschied zwischen für den Menschen nützlichen und schädlichen Tierarten. Der Bartgeier fiel unter die schädlichen Arten.

    Den schlechten Ruf hat der Bartgeier inzwischen überwunden. Nachdem verschiedene Versuche zur Wiederansiedelung und zur Zucht von Bartgeiern im Alpenraum kleine Erfolge zeigten, begann man 1986 mit der Auswilderung des Bartgeiers in den Alpen. Die aktuell positive Entwicklung im Wiederansiedlungsprojekt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bartgeier mit seiner sehr langsamen Fortpflanzung sehr empfindlich auf Verluste reagiert. So müssen auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, um die Risiken durch den Mensch (Vergiftungen, Wilderei, etc.) gering zu halten.
  • Der Bartgeier kehrt zurück

    Der WWF gehörte im Jahre 1978 zu den Gründungsmitgliedern des internationalen Projektes zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Das Projekt besteht aus den drei Bereichen Zucht, Freilassung sowie Überwachung und Öffentlichkeitsarbeit. Bisher wurden 170 (Stand 2010) in Zoos gezüchtete Bartgeier ausgesetzt, davon 26 zwischen 1991 und 2007 im Schweizerischen Nationalpark im Engadin. 2010 wurden erstmals in den Nordalpen drei Jungvögel im St. Gallischen Calfeisental freigelassen. Die drei Jungtiere haben sich sehr gut eingelebt. 2011 wurden erneut drei Jungvögel im Calfeisental ausgewildert.

    Bartgeier legen in ihren ersten Lebensjahren häufig weite Strecken zurück (bis zu 700 km am Tag) bevor sie sesshaft werden. Über die Wanderungen gibt es nur lückenhafte Informationen. Der WWF unterstützt das von der Stiftung Pro Bartgeier initiierte Projekt „Bartgeier unterwegs“: Junge, ausgesetzte Bartgeier werden mit kleinen Satellitensendern markiert, um ihre Streifzüge verfolgen zu können.

    Sie werden ausserdem durch Bleichen bestimmter Schwanz- und Flügelfedern optisch markiert. Damit kann man sie gut erkennen und beobachten. Die Stiftung Pro Bartgeier ruft ausserdem jährlich zu internationalen Bartgeierbeobachtungstagen auf. Anleitungen finden Sie hier.

    Mit Unterstützung des WWF ist es in über 30 Jahren gelungen, den Bartgeier wieder in die Alpen zurückzubringen. Im Jahr 2011 flogen etwa 150 Bartgeier im Alpenraum zwischen Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich. Einige der Greifvögel haben bereits erfolgreich gebrütet. Heute zählt man pro Jahr 7 bis 10 Freilandgeburten.

    Die Population nähert sich damit einer Populationsgrösse, die als überlebensfähig betrachtet werden kann. Weitere Aussetzungen sind aber notwendig, weil die genetische Basis der Alpenpopulation noch sehr klein ist. Aus diesem Grund werden in den Nordalpen gezielt weitere Vögel freigelassen, die aus bisher untervertretenen Zuchtlinien stammen. Damit kann verhindert werden, dass das erfolgreiche aber aufwändige Projekt durch Inzuchtprobleme gefährdet wird. Das Ziel ist eine Bartgeierpopulation in den Alpen von mehreren 100 Individuen.

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