/ ©: Chris Martin Bahr / WWF-Canon

Wolf

  • Der soziale Jäger

    Wissenschaftlicher Name: Canis lupus

    Lebensraum: Unterschiedlichste klimaunabhängige Lebensräume: von der baumlosen Tundra über Wälder bis zu Steppen und Wüstengebiete, sumpfige Niederungen und Hochgebirge in Kanada, Alaska, Nordamerika, Asien und Europa

    Bestandsgrösse: Weltweit: weniger als 200000 Tiere; Europa ausser Russland: zwischen 10 000 und 20 000 Individuen Schweiz: etwa 15 - 20 Individuen, davon 10 genetisch nachgewiesen (Stand 2011)
    Trend: stabil

    Gefährdungsstatus:
    IUCN: nicht gefährdet
    CITES: Anhang I (Populationen in Bhutan, Indien, Nepal, Pakistan), Anhang II (alle anderen Populationen)
    Berner Konvention: Anhang II (streng geschützt)

    Wölfe sind soziale Tiere
    Wölfe haben je nach Verbreitungsgebiet eine deutlich unterschiedliche Fellfärbung (sogar schwarz und weiss). In Europa ist das Wolfsfell grau bis bräunlich. Der Wolf wird zwischen 100 und 160 cm lang und hat eine Schulterhöhe von 50 bis 100 cm. Der Europäische Wolf wiegt 28 bis 38 kg, während der nordamerikanische Wolf bis zu 80 kg schwer sein kann. Wölfe sind soziale Tiere und leben in Rudeln mit starken Bindungen. Zum Wolfsrudel gehören neben den Eltern und ihren Welpen meist auch Nachkommen aus dem Vorjahr bis zu ihrer Geschlechtsreife. Jedes Rudel besitzt ein Revier. Der Wolf jagt bevorzugt Rehe, Wildschweine, Hirsche und Elche. Daneben stehen auch Kleinsäuger, Insekten, Vögel, Reptilien, Früchte und Aas auf seinem Speiseplan. Wölfe erbeuten auch Haustiere wie Schafe und Ziegen, wenn diese ungeschützt sind.
  • In Westeuropa wurde er ausgerottet

    Ursprünglich war der Wolf unter den Landsäugern der Neuzeit das Tier mit der grössten weltweiten Verbreitung. Er bevölkerte die gesamte nördliche Halbkugel nördlich des 15. Breitengrades. Die Konkurrenz zwischen Mensch und Wolf um Beutetiere und Lebensraum hat die Ausrottung des Wolfes in weiten Gebieten Nordamerikas und Eurasiens bewirkt. Während der Wolf im Osten und Süden Europas überlebt hat, wurde er in Westeuropa im 19. Jahrhundert ausgerottet. Aus dem schweizerischen Mittelland ist der Wolf bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts verschwunden. Am nördlichen Alpenrand konnte er sich bis gegen 1830 halten und südlich der Alpen und im Jura bis 1871. Einzelne Wölfe unbekannter Herkunft sind auch im vergangenen Jahrhundert in der Schweiz erlegt worden.

    Anfangs der Siebziger Jahre schätzten Experten den Wolfsbestand in Italien auf etwa 100 Tiere. Dank gesetzlichem Schutz ab 1976, dem Verbot von Giftködern, der Zunahme der Beutetiere und gezielter Informationsarbeit hat der Wolf sein Verbreitungsareal in Italien seither verdoppelt und seinen Bestand vervierfacht. 1985 wurden Wölfe erstmals in der Gegend von Genua beobachtet. 1992 erfolgte der erste offizielle Nachweis von Wölfen in den französischen Alpes Maritimes. In den französischen Alpen etablierte sich seit den 1990er Jahren eine Population von geschätzte 150-200 Tieren. Diese Entwicklung führte dazu, dass Wölfe seit 1995 von Süden her in die Schweiz einwanderten. Trotz der hohen Mobilität der Wölfe kann der Verlust und die Zerstückelung ihres Lebensraumes ihre genetische Vielfalt und den Aufbau einer Population negativ beeinflussen. Wölfe fallen auch immer wieder dem Verkehr zum Opfer.

    Seine Rückkehr erfordert Toleranz

    Die grösste Gefahr ist aber auch heute noch die Bejagung durch den Menschen, obwohl der Wolf in der Schweiz und in vielen Ländern Europas streng geschützt ist. Die Rückkehr der Wölfe führt zu Konflikten mit den Interessen des Menschen. Das Zusammenleben mit dem Grossraubtier Wolf erfordert Toleranz und den Willen, sich anzupassen. Dies betrifft vor allem die derzeitige Form der Schafhaltung, bei der die Tiere – im Gegensatz zu Jahrhunderte alten Traditionen – ohne Schutz auf den Alpen weiden. Ungeschützte Haustiere sind für den Wolf geradezu eine Einladung, da sie leichter zu erbeuten sind als Wildtiere. Für den Menschen bedeuten Wölfe keine Gefahr. Sie sind scheue Tiere und meiden Menschen und Gefahren.
  • Information und Herdenschutz

    Seit der ersten Einwanderung von Wölfe in der Schweiz engagiert sich der WWF für ein konfliktfreies Zusammenleben zwischen Menschen und Wolf. So setzt sich der WWF in seinem Herdenschutzprojekt  für präventive Schutzmassnahmen ein. Für den Schutz von Nutztieren helfen Elektrozäune, Herdenschutzhunde oder Herdenschutzesel. Heute nutzen viele Schaf- und Ziegenhalter die Erfahrungen und Erkenntnisse des WWF. Momentan geht es darum, den z.B. lokal im Kanton Graubünden betriebenen Herdenschutz auf den gesamten Alpenraum auszudehnen.
    Herdenschutzmassnahmen stossen bei einigen Tierhaltern aufgrund des grösseren Betreuungsaufwands auf Widerstand. Um die Hirten zu unterstützen, bildet der WWF jährlich freiwillige Hirten-Hilfen aus, die im Sommer einen zweiwöchigen Einsatz leisten.

    Mit Tipps für Wanderer und Biker hilft der WWF ausserdem, Konflikte zu vermeiden.

    Nur mit internationaler Kooperation kann sich der Wolf im ganzen Alpenbogen langfristig etablieren. Deshalb entwickelt das WWF Alpenprogramm eine länderübergreifende Strategie zum Schutz der Wolfbestände. Auch auf der politischen Ebene setzt sich der WWF für einen besseren Schutz des Wolfes und für die Herdenschutz ein.

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