/ ©: Blueyou / René Benguerel

ASC Aquakultur

Aquakultur oder die Zucht von Fischen und Meerstieren ist für die Welternährung unverzichtbar. Der WWF setzt sich deshalb für Umweltstandards ein. ASC ist ein Label mit Mindeststandards, welches sich noch verbessern lässt.
Jeder Schweizer konsumiert im Schnitt 8,8 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr - rund ein Drittel davon stammt aus Zuchten. Paradox ist, dass für die konventionelle Zucht oft mehr Fisch zur Fütterung verbraucht als gewonnen wird. In den letzten Jahren konnte die Effizienz bei der Fütterung zwar erheblich verbessert werden. So werden pro Kilo Lachs nicht mehr 4 Kilo Fisch aus Wildfang verbraucht sondern durchschnittlich nur noch 1,4. Aber solange das verwendete Fischöl und Fischmehl nicht aus nachhaltigen Fischereien stammt, bleibt der Druck auf die Wildbestände bestehen.

Der WWF entwickelte deshalb zusammen mit der Dutch Sustainaable Trade Initiative den Aquaculture Stewardship Council (ASC). Der ASC ist eine breit abgestützte, unabhängige Organisation. Die Standards des ASC sind das Resultat aus einem Verhandlungsprozess mit einer Vielzahl von Teilnehmern und deshalb eine Kompromisslösung. Das ASC-Label ist kein «Premium»-Label wie beispielsweise die Bio Suisse-Knospe für Zuchtfische, deckt aber verschiedene umwelt- und soziale Standards ab. Würde der WWF alleine ein solches Label schaffen, so wären die Kriterien deutlich schärfer, und gewisse Regelungen sähen anders aus. So verwenden einige ASC-Zuchten teilweise gentechnisch veränderte Soja als Futter. Das kritisiert der WWF Schweiz und unterstützt ASC-Produkte deshalb nur, sofern das Futter gentechfrei ist.

Das können Sie tun

Aquaculture Stewardship Council (ASC) 2015 / ©: Aquaculture Stewardship Council (ASC)
2015 Aquaculture Stewardship Council (ASC)
© Aquaculture Stewardship Council (ASC)
  • In sogenannten Vorprozessen - den „Aquaculture Dialogs“ - wurden für die verschiedenen Fischarten individuelle Vorschläge für ihre ASC-Standards erarbeitet. Anschliessend gingen diese Vorschläge jeweils in eine öffentliche Konsultationsrunde, wo sie von Wissenschaftlern, Tierschutzorganisationen und anderen Interessenten kommentiert werden.

    Die ASC-Standards enthalten nebst Kriterien zur Reduktion der Umweltbelastung durch die Anlagen auch Kriterien zur Herkunft des Fischfutters. Dieses muss rückverfolgbar sein und darf nicht von überfischten Fisch-Beständen stammen. Falls gentechnisch verändertes Fischfutter zum Einsatz kommt, ist der Zuchtbetrieb zu dessen Deklaration verpflichtet. Transgene Fische sind unter ASC gänzlich verboten.
    Aspekte zum Tierschutz sind in den ASC-Standards folgende enthalten:
    • Standortes der Aquakultur muss sich für Zuchtfische eignen
    • Nachweis einer geringen Sterblichkeitsrate während der Zucht
    • Gute Wasserqualität, damit die Fische gute Lebensbedingungen haben
    • Einen Fischgesundheitsplan und strenge Hygienemassnahmen. Der Einsatz von Antibiotika darf nur unter medizinischer Überwachung und nur für erkrankte Tiere erfolgen
    • Fischfutter muss für die Fischart geeignet sein
    • Für ASC-Lachs und Pangasius gibt es zudem Obergrenzen zu Besatzdichten

  • Seit der Gründung von ASC wurden bisher sieben Standards für zwölf verschiedene Fischarten und Meeresfrüchte formuliert und fertig gestellt (Abalone, Muscheln, Pangasius, Tilapia, Forelle, Shrimps (Crevetten) und Lachs). Seit Herbst 2012 gibt es den ASC-Tilapia auf dem Schweizer Markt – es folgten danach ASC-Pangasius, ASC-Lachs, ASC- Forelle und ASC-Crevetten. Mittlerweile sind 359 ASC- Produkte in der Schweiz erhältlich (Stand September 2015).

    Pangasius gehört zu den beliebtesten Speisefischen in der Schweiz. Hauptproduktionsland ist Vietnam. Innerhalb nur eines Jahrzehnts stieg dort aufgrund der starken Nachfrage nach billigem Speisefisch die Zuchtproduktion um das zehnfache an – auf über eine Million Tonnen. Vielerorts fehlt es aber an angemessenen Umweltauflagen und Kontrollen. Dank dem Engagement des WWF gelang es, die Regierung und Industrie Vietnams zu überzeugen, dass sie die gesamte Pangasius-Produktion umweltverträglicher macht. Schon 2015 muss jeder zweite Pangasius aus Vietnam aus ASC-Produktion stammen. Das erste gesetzte Ziel von zehn Prozent ASC-Anteil per Ende 2012 hat Vietnam erreicht.
  • Verschiedentlich wird kritisiert, dass ASC aus Tierschutzperspektive ungenügend sei. Der WWF ist der Meinung, dass ASC gegenüber der konventionellen Zucht klare Fortschritte bringt. Trotzdem bleiben die verfügbaren ASC Standards im Vergleich zu anderen (insbesondere ökologischen) Zertifizierungen hinter den Erwartungen des WWF zurück. Aus diesem Grund schaffte es ASC im Rating Lebensmittel-Labels 2015nicht in die Kategorie „Ausgezeichnet“ .Die von ASC berücksichtigten Tierschutz-Kriterien sind im Reiter «Label» aufgelistet. Wichtig: In den Standard-Dialogen nutzen jeweils über 2'000 Produzenten, Umweltschützer, Verarbeiter, Händler, Tierschutzorganisationen und Wissenschaftler die Gelegenheit, die Standards zu kommentieren. Der WWF ist nur eine dieser vielen Stimmen.

    Ein weiterer Kritikpunkt ist der Einsatz von Fischmehl und -öl als Futtermittel. Fakt ist aber, dass Raubfische nicht auf vegetarische Diät gesetzt werden können. Ausserdem verwenden Zuchten teilweise gentechnisch veränderte Soja als Futter. Das bemängelt auch der WWF Schweiz und unterstützt ASC-Produkte deshalb nur, sofern das Futter gentechfrei ist. Zudem setzt der WWF sich für die Erforschung alternativer Futtermittel ein, damit baldmöglichst auf Fischfutter aus nachhaltigen Fangpraktiken umgestellt werden kann.

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