25. März 2019 — Medienmitteilung

Schweizer Gasversorgung: Die Mär vom grünen Mäntelchen

Der WWF Schweiz fordert die Erdgasbranche auf, die Gasversorgung der Schweiz auf klimaverträgliche Gase umzubauen statt ihr mit Werbekampagnen immer neue grüne Mäntelchen umzulegen. Andernfalls müssten Gasversorger und Gemeinden unverzüglich den Rückbau des Gasnetzes planen.

Weiden im Wind

Mit seiner heute vorgelegten Studie zeigt der WWF den eklatanten Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Schweizer Gasversorgung auf. In der Vergangenheit präsentierte sich die Branche gern mit der Wortmarke «Erdgas-Biogas». Dabei lassen die Gaspromotoren unter den Tisch fallen, dass 98 Prozent der Energie in den Gasleitungen aus fossilen Quellen aus dem Ausland stammt. Das laut Branchenwerbung angeblich gleichrangige Biogas macht gerade mal zwei Prozent aus.

«Was häufig vergessen geht: Erdgas ist – genau wie Erdöl und Kohle – ein fossiler Energieträger, dessen Verbrennung die Klimakrise weiter anheizt», so Elmar Grosse Ruse, Klimaexperte des WWF. Klimawissenschaft, Klimastreikbewegung und die Gletscher-Initiative – sie alle fordern einen Ausstieg aus sämtlichen fossilen Energien innerhalb von ein bis drei Jahrzehnten. Gasbranche, Stadtwerke und Gemeinden haben jedoch keinerlei Plan dafür, in 20 Jahren sämtliches fossiles Erdgas aus ihren Leitungen zu verbannen. Stattdessen setzt die Branche auf weiteren Gasnetzausbau (oft als «Nachverdichtung» getarnt) und auf grüne Image-Kampagnen.

Analysen des WWF Schweiz zufolge hat die Schweiz ihr Gasnetz über die letzten zehn Jahre um durchschnittlich 300 km pro Jahr verlängert. Das entspricht knapp zwei Prozent pro Jahr – mehr als die meisten anderen Länder in Europa. In Ländern wie Grossbritannien oder den Niederlanden dagegen schrumpft das Gasnetz bereits oder der Rückbau wird regional geplant. Der WWF Schweiz fordert daher, den teilweisen Rückbau des Schweizer Gasnetzes zu planen oder eine glaubwürdige Strategie für den vollständigen Ersatz von fossilem Erdgas innerhalb von gut zwei Jahrzehnten vorzulegen.

Kontakt: Elmar Grosse Ruse, Klimaexperte WWF Schweiz, elmar.grosseruse@wwf.ch, 078 745 23 41