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Feuer im Amazonas
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15. September 2020

Brennende Fragen: Die globale Waldbrandkrise kurz erklärt

Vom Amazonas über Kalifornien bis nach Sibirien und Australien – auf der ganzen Welt stehen unsere Wälder immer wieder in Flammen. Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen zu den Waldbränden. Und wir zeigen Ihnen, was wir alle tun können, um unsere Wälder zu schützen.

Welt in Flammen - Die globale Waldbrandkrise kurz erklärt

Wo brennt der Wald?

Nachrichten von grossen, unkontrollierten Waldbränden erreichen uns aus dem Amazonas und aus Indonesien. Dort brennen die Wälder vor allem wegen Brandrodungen, die ausser Kontrolle geraten sind. Weitere katastrophale Brände ereigneten sich 2020 bislang in Kalifornien, in Sibirien und in Australien. Dort wurden die Brände durch Hitze und Trockenheit befeuert, bedingt durch den Klimawandel.

Werden die Waldbrände 2020 noch schlimmer als 2019?

Die Feuer haben 2020 hat bereits mit beispielloser Heftigkeit gewütet, vom Amazonas bis zur Arktis. Im April 2020 war die Zahl der beobachteten Feuer weltweit um 13 Prozent höher als im vergleichbaren Zeitraum im vergangenen Jahr. Hauptursache dafür ist die Entwaldung, die hauptsächlich durch die Umwandlung von Wald in Land für die Landwirtschaf t rasch vorangetrieben wird. Begünstigt werden die immensen Waldbrände durch das anhaltend heissere und trockenere Wetter wegen des Klimawandels. Die Brandsaison wird in vielen Regionen länger, extreme Waldbrände werden häufiger. 2019 war bereits ein Jahr mit überdurchschnittlich intensiven Feuern. Und alles deutet darauf hin, dass es 2020 noch mehr Waldbrände geben wird als im vergangenen Jahr. So wurde in Russland der wärmste Winter der letzten 140 Jahre gemessen, und in Kalifornien ist im Winter 2019/2020 nur halb so viel Regen und Schnee gefallen wie im Durchschnitt.

Sind Waldbrände nicht normal und nützlich für die Natur?

Natürliche Brände sind in vielen Regionen der Welt ein wichtiger Bestandteil für gesunde Ökosysteme und ermöglichen die Regeneration der Vegetation. Die Mammutbäume in Kalifornien zum Beispiel brauchen die Hitze der Waldbrände, damit sich ihre Zapfen öffnen und die Samen herausfallen.

Selbst wenn solche kleinflächigen Brände in gewissen Regionen Teil eines natürlichen Zyklus sind, überwiegen die Nachteile heftiger, ausser Kontrolle geratener Brände aber bei weitem. Denn ein einziges ausser Kontrolle geratenes Feuer reicht, um einen riesigen Schaden anzurichten. So ist ein Prozent aller weltweit gezählter Feuer für 98 Prozent der verbrannten Fläche verantwortlich.

Wer ist für die vielen Feuer verantwortlich?

Über 75 Prozent aller unkontrollierten Waldbrände sind menschengemacht.

Im Amazonasgebiet und in vielen tropischen und subtropischen Ländern ist die Entwaldung durch Brandrodung und das unkontrollierte Übergreifen der Feuer eine der Hauptursachen für grossflächige Brände. Die Ausweitung der Landwirtschaft, das Anlegen von Palm- und anderen Plantagen und illegaler, nicht nachhaltiger Holzschlag treiben die Zerstörung natürlicher Lebensräume weiter voran, schwächen die Wälder und erhöhen damit die Gefahr von ausser Kontrolle geratenen Flächenbränden.

Aber auch der Klimawandel begünstigt die immer stärkeren Waldbrände, insbesondere in der nördlichen Hemisphäre: Wenig Schneefall im Winter und wenig Regen mit hohen Temperaturen im Sommer trocknen Oberböden und Vegetation aus. Ein Blitzschlag, ein nicht ganz ausgelöschtes Grillfeuer oder ein Zigarettenstummel in Kombination mit Wind genügen dann, um riesige Feuer zu entfachen.

Welchen Einfluss hat die Coronakrise auf die Feuersaison 2020?

Der Ausbruch von Covid-19 wirkt sich verschärfend auf die Waldbrandkrise aus, da wichtige finanzielle und menschliche Ressourcen zur Feuerprävention abgezogen wurden. Die Wälder werden in vielen Ländern nicht mehr im üblichen Mass geschützt, etwa weil Förster und weitere Vertreter der Behörden als Folge des Lockdowns zu Hause bleiben müssen. Allein im Amazonasgebiet hat die abgeholzte Fläche gegenüber 2019 um 55 Prozent zugenommen, und auch in Südostasien «profitieren» Palmölplantagen von laxeren Kontrollen wegen Covid-19.

Was tragen die Feuer zum Klimawandel bei?

Unkontrollierte Waldbrände sind mittlerweile für 10 Prozent des jährlichen globalen Treibhausgas-Ausstosses verantwortlich. Das ist mehr als die jährlichen Emissionen der gesamten EU!

Indem Wälder durch Feuer zerstört werden, wird das CO2 aus der Luft, das sie beim Wachsen im Holz gespeichert haben, wieder freigesetzt. Das heisst, dass Waldbrände unsere Anstrengungen im Klimaschutz stark bremsen. Wenn es weiterhin brennt wie in den letzten beiden Jahren, werden Millionen zusätzliche Tonnen CO2 freigesetzt.

Es ist also ein Teufelskreis: Indem die Klimakrise die Waldbrände weltweit befeuert, wird auch immer mehr CO2 freigesetzt, was wiederum den Klimawandel antreibt.

Welche weiteren Auswirkungen haben die Feuer?

Die Brände gefährden die Artenvielfalt: Bedrohte Tiere verlieren durch die Entwaldung immer mehr Lebensraum, zum Beispiel die Koalas in Australien oder die Orang-Utans auf den südostasiatischen Inseln Sumatra und Borneo. Und indem wir Wälder zerstören, erhöhen wir auch die Gefahr einer nächsten globalen Pandemie. Denn mit der zunehmenden Nähe von Wildtieren, Vieh und Mensch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass gefährliche Viren auf die Menschen überschwappen.

Die Brände beeinträchtigen aber auch die Wirtschaft und bedrohen Eigentum und Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Zudem verursachen sie schwere, langfristige Gesundheitsprobleme, etwa für Menschen mit Atemwegserkrankungen.

Kann man die Feuer nicht einfach löschen?

Unkontrollierte Flächenbrände zu löschen ist gefährlich und schwierig, besonders wenn die Feuer nicht sofort entdeckt und bekämpft werden. Griffige Massnahmen zur Feuerprävention und strenge Gesetze gegen illegale Brandrodung und Abholzung erachtet der WWF deshalb für alle Regierungen als unabdingbar. Dies gilt nicht nur für Länder, die Holz exportieren, sondern auch in den Abnehmerländern wie der Schweiz.

Was macht der WWF gegen die Waldbrandkrise?

Als globale Organisation hat der WWF Büros in den meisten von den Bränden betroffenen Ländern und kann schnell handeln, zum Beispiel letztes Jahr im Amazonas und in Australien. Dank rasch aufgesetzten Notfallfonds konnten wir dringend benötigte Lebensmittel und Futter für Wildtiere, Wasser, medizinische Versorgung, Feuerlöschausrüstung zu den Menschen und Wildtieren bringen.

Der WWF setzt sich aber darüber hinaus für einen langfristigen Schutz der Wälder ein und arbeitet mit lokalen Partnern, Bevölkerung und Behörden darauf hin, die Entwaldung zu stoppen, verbrannte Flächen wo möglich wieder aufzuforsten und die Wälder nachhaltig zu nutzen. Dazu gehören auch eine effektive Klimapolitik und Handelsabkommen, die dem Schutz der Wälder eine grosse Bedeutung beimessen. Im Amazonas beispielsweise arbeiten wir mit indigenen Gemeinschaften und lokalen Organisationen zusammen, um Landwirtschafts- und Forstpraktiken, die den Wald im Amazonasgebiet zerstören, nachhaltiger zu gestalten und alternative Einkommensquellen zu entwickeln. In Australien haben wir uns zum Ziel gesetzt, die zerstörte Wald- und Buschlandfläche mit zwei Milliarden Bäumen aufzuforsten, und helfen, Strategien für besseres Landmanagement zu entwickeln, damit weniger oder möglichst keine so grossflächigen Brände wie 2019/20 mehr entstehen können.

Was Sie für die Wälder tun können

Helfen Sie uns, unsere Wälder zu schützen? Mit Ihrer Spende setzen wir uns weltweit für den Schutz der Wälder ein und helfen, wo es möglich ist, verbrannte Waldflächen wiederaufzuforsten. Gemeinsam können wir diese wertvollen Lebensräume wiederherstellen und noch bestehende Wälder langfristig erhalten.

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Bäume vor dem australischen Buschfeuer

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