24. Februar 2026 — Medienmitteilung
Kommentar der Umweltverbände: Versorgungssicherheit und Umweltschutz gehen Hand in Hand
Die heute veröffentlichte Analyse der Eawag, WSL und UniBern zum Thema Restwasser zeigt, dass Versorgungssicherheit und Umweltschutz im Einklang stehen.
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- Den Tier- und Pflanzenarten in und an unseren Gewässern geht es schlecht: So sind etwa drei von vier Fischarten vom Aussterben bedroht. Die intensive Wasserkraftnutzung trägt eine grosse Verantwortung für diesen schlechten Zustand. So liegen heute noch immer Hunderte Kilometer Flüsse trocken, weil Kraftwerke alles Wasser entziehen.
- Genügend Wasser ist für Fische und andere Lebewesen jedoch überlebensnotwendig. Beim Restwasser handelt es sich um jene Menge Wasser, die Kraftwerke im Flusslauf belassen müssen, um z.B. Wasserqualität, Trinkwasserversorgung, landwirtschaftliche Nutzungen oder das Überleben vom Wasser abhängiger Lebensräume und Arten zu sichern. Das Gewässerschutzgesetz sieht dafür ökologisch absolut minimale Restwassermengen vor (Art. 31ff GSchG). Diese müssen seit 1992 bei einer Konzessionserneuerung oder beim Bau neuer Wasserkraftwerke eingehalten werden.
- Diese Restwassermengen standen in den letzten Jahren immer wieder politisch unter Beschuss (siehe z.B. hängiges Postulat 23.3007). Dies auch aufgrund übertriebener Prognosen des Bundes oder der Branche hinsichtlich der Auswirkungen auf die Produktion wegen der Einhaltung dieser Bestimmungen. Die heute veröffentlichte Analyse der Eawag, WSL und Universität Bern, zeigt, dass bisherige Schätzungen zu den erwarteten Auswirkungen aufgrund der Anwendung der Restwasserbestimmungen dreimal kleiner ausfallen als befürchtet. Bis 2050 würde die Produktionserwartung aus Wasserkraft ab heute gerade mal um knapp 2 Prozent vermindert. Die witterungsbedingten jährlichen Schwankungen der Wasserkraftproduktion sind um ein Vielfaches grösser. Die Studie zeigt also, dass Versorgungssicherheit und Umweltschutz Hand in Hand gehen.
- Die ETH Zürich geht zudem davon aus, dass durch die klimabedingte Abflussveränderungen im Winter tendenziell mehr Wasser für die Stromproduktion zur Verfügung stehen wird. Die Anwendung der gesetzlichen Restwasserbestimmungen fällt so aus Sicht der Versorgungssicherheit noch viel weniger ins Gewicht.
- Vom Volk wurde in der Vergangenheit mehrfach gefordert - und über Gesetzesanpassungen durch die Politik versprochen - dass Wasserkraftwerke weniger naturzerstörend produzieren und angemessene Restwassermengen abgeben sollen. Die vorliegende Studie zeigt klar: auch aus Produktionssicht steht nichts entgegen, dieses Versprechen nun endlich und zügig umzusetzen.
Weiterführende Informationen:
- WSL-Analyse (6/2025) «Wie viel Wasser bleibt der Natur? – Die Suche nach der angemessenen Restwassermenge»
SCNAT 2026: Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten, Kapitel 7 Biodiversität der Gewässer - Artikel Wechsler et al. 2025 – Aqua Viva Zeitschrift 3/2025, «Auswirkungen der Restwasserbestimmungen auf die Wasserkraftproduktion in der Schweiz.»
- Faktenblatt Schweizer Fischereiverband SFV, Restwasser
Kontakt:
WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, 079 241 60 57, jonas.schmid@wwf.ch