20. Juni 2019 — Medienmitteilung

Parlament verkennt Zeichen der Zeit

Heute hat der Nationalrat die Trinkwasserinitiative und die Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide ohne Gegenvorschlag verworfen. Mit dem Gegenvorschlag wäre der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel rechtlich verbindlich verankert worden. Doch das Parlament hat diese Chance verpasst.

Salatanbau Ackerbau Schweiz Landwirtschaft

Die Bauernlobby, unterstützt von weiteren bürgerlichen Politikerinnen und Politiker, hat am Donnerstag alle Gegenvorschläge zu den beiden Pestizidinitiativen abgelehnt. Mit dem aussichtsreichsten Gegenvorschlag hätte der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel rechtliche Verbindlichkeit erlangt. Doch auch dieser fand keine Mehrheit.

An vorderster Front bekämpfte Bauernverbandspräsident Markus Ritter den Gegenvorschlag. In der Vergangenheit hatte sich der Bauernverband zwar stets für die Umsetzung des Aktionsplanes ausgesprochen. Trotzdem wehrte er sich nun im Parlament gegen die rechtliche Verbindlichkeit. «Der Verband will offensichtlich gar keine schnelle und wirkungsvolle Umsetzung des Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, wie er dies immer wieder behauptet», sagt Eva Wyss, Landwirtschaftsexpertin des WWF Schweiz. Schon im Rahm der Vernehmlassung zur neuen Agrarpolitik (AP22+) hatte er zusätzliche Massnahmen für eine Reduktion der Pestizidbelastung abgelehnt.

Chance verpasst
Der Nationalrat hat eine grosse Chance verpasst. Die Sammelerfolge der beiden Pestizid-Initiativen und eine Umfrage des WWF zeigen deutlich, dass die Bevölkerung keine Pestizide im Wasser will. In grosser Einigkeit fordern auch viele Jungparteien rasche Massnahmen, um die Lebensgrundlagen der Zukunft zu sichern. Auch Fachleute der Trinkwasserversorgung, Fischerei- und Bienenverbände, die Kleinbauern Vereinigung und Bio Suisse sowie die Wissenschaft sind sich in Bezug auf den Handlungsbedarf einig.

Wir müssen Natur und Umwelt und das Trinkwasser vor hochtoxischen Pestiziden schützen. Nur so lässt sich das Insektensterben stoppen und verhindern, dass Böden und Gewässer weiterhin mit hochgiftigen Pestiziden verschmutzt werden. «Die Bevölkerung erwartet einen klaren Kurswechsel in der Landwirtschaft, dieser ist dringend nötig», betont Eva Wyss. Ein rechtlich verbindlicher Aktionsplan für den Pflanzenschutz wäre ein erster Schritt in diese Richtung gewesen.

Kontakt:
Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft WWF Schweiz, eva.wyss@wwf.ch, 079 352 09 47