21. November 2019 — Medienmitteilung

Pestizid-Zulassung: Umweltverbände fordern Überarbeitung

Die Umweltverbände verlangen eine grundlegende Überarbeitung des Pestizid-Zulassungssystems. Es sei weder unabhängig noch transparent.

Gemüse-und Früchtearrengement in Holzkiste

Frisches Gemüse - am liebsten ohne Pestizide.

  • Die Umweltverbände begrüssen es, dass der Bund sein Zulassungssystem für Pestizide durch eine unabhängige Schweizer Prüfstelle evaluieren liess.
  • Der Bericht, der in zehn Handlungsfeldern Verbesserungsbedarf sieht, geht teilweise auf die Kritik der Umweltverbände ein. Dies genügt aber noch bei weitem nicht, um die anstehenden Probleme zu lösen. 
  • Die KPMG schreibt: «Sollten die Ergebnisse des Umsetzungschecks zeigen, dass die Handlungsempfehlungen nicht oder nur unzureichend umgesetzt worden sind, so empfiehlt KPMG eine ganzheitliche Neuausrichtung des PSM Zulassungsverfahrens zu prüfen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die organisatorische Verankerung von Zulassungsstelle und Beurteilungsstellen.»
    Vor dem Hintergrund der zahlreichen Pestizid-Skandale fordern die Umweltverbände diese ganzheitliche Ausrichtung und die Unabhängigkeit der Zulassungsstelle schon heute.
  • Die Aussage im Bericht, wonach die bestehenden gesetzlichen Grundlagen ausreichend sind zum Schutz von Mensch und Umwelt  ist für die Umweltverbände unhaltbar. Bei der Prüfung der Wirkstoffe muss viel genauer hingeschaut werden.
  • Die Umweltorganisationen erwarten von Bund und Parlament rasch wirksame Massnahmen wie eine unabhängige Zulassungsstelle und die Veröffentlichung aller Studien zur Zulassung eines Pestizids.

Zitate

 «Pestizide sorgen im Wochentakt für Schlagzeilen: Metabolite im Trinkwasser, hoch belastete Bäche, flächendeckende Rückstände in landwirtschaftlichen Böden. Das zeigt, dass die Zulassung nicht funktioniert. Jetzt braucht es einen Systemwechsel.»

Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte Greenpeace Schweiz

«Alle relevanten Studien zur Zulassung eines Pestizids sind öffentlich zu machen – und zwar bevor die Bewilligung erteilt wird. Denn es steht viel auf dem Spiel: die Gesundheit der Menschen und der Schutz der Umwelt.»

Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik Pro Natura

«Das BLW ist nicht unabhängig. Das Bundesamt entscheidet oft einseitig zugunsten der bäuerlichen Organisationen, der Agrarindustrie und deren Lobbyverbänden. Den Preis dafür zahlen wir Menschen, die Gift im Trinkwasser erhalten, und die Umwelt, die schleichend vergiftet wird.»

Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft WWF Schweiz

Kontakt:

Yves Zenger, Mediensprecher Greenpeace Schweiz, yves.zenger@greenpeace.org, 078 682 00 91 

Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft WWF Schweiz, eva.wyss@wwf.ch, 079 352 09 47 

Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik Pro Natura, marcel.liner@pronatura.ch, 061 317 92 40 

Werner Müller, Geschäftsführer BirdLife Schweiz, werner.mueller@birdlife.ch, 079 448 80 36