23. Januar 2020 — Medienmitteilung

WWF erhebt Einspruch gegen die geplante MSC-Zertifizierung von Blauflossen-Thunfisch aus dem Atlantik

Der WWF hat Einspruch gegen die erste Zertifizierung einer Fischerei auf atlantischen Blauflossen-Thunfisch durch den Marine Stewardship Council (MSC) eingereicht. Er warnt davor, dass die Zertifizierung mit dem Umwelt-Label falsche Anreize für den Markt setzt und die langfristige Erholung des Blauflossen-Thunfisch aus dem Atlantik gefährdet.

Roten Thunfisch aus dem Atlantik

Noch vor wenigen Jahren befand sich der Bestand des Blauflossen-Thunfisch aus dem Atlantik am Rande des Zusammenbruchs. Durch stark gekürzte Fangmengen und bessere Kontrollen erholte er sich zwar wieder, hat aber bis jetzt kein stabiles Niveau erreicht, sodass er nachhaltig befischt werden kann. Zudem ist die genaue Grösse des Bestands unklar und der Einfluss der zusätzlichen illegalen Fischerei auf die Art in der Region unbekannt. Unter diesen Bedingungen erfüllt die Fischerei die Kriterien für eine MSC-Zertifizierung aus Sicht des WWF nicht.

„Es ist schockierend, dass der MSC eine Zertifizierung für diese Fischerei überhaupt in Betracht zieht. Sollte sie das MSC-Label tatsächlich erhalten, wäre das ein gefährliches Signal für den Markt. Das könnte die langfristige Erholung der Bestände gefährden und sie wieder an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Das ist keine nachhaltige Befischung, die ein Umwelt-Label verdient“, kritisiert WWF-Verantwortliche für Seafood Catherine Vogler.

„Der WWF setzt sich für den langfristigen Erhalt und eine schonende Nutzung des Blauflossen-Thunfisch im Atlantik ein. Sämtliche Bedenken gegen die Zertifizierung wurden im Vorfeld jedoch zurückgewiesen, sodass der WWF nun formell Einspruch eingelegt hat. Die Mängel des MSC-Systems können wir so nicht hinnehmen“, ergänzt Vogler. „Die Blauflossen-Thunfischbestände brauchen ein vorsorgliches und sorgfältiges Management.“

Der WWF fordert den MSC auf, den derzeitigen Zertifizierungsprozess zu stoppen und von einer Zertifizierung abzusehen. Stattdessen solle er Druck auf die Regierungen ausüben, um die Kontrollen und die Rückverfolgbarkeit zu verbessern und eine Befischung der Bestände auf der Grundlage solider wissenschaftlicher Empfehlungen fordern.

Kontakt:
Corina Gyssler, Kommunikationsberaterin, WWF Schweiz, 044 297 22 54, corina.gyssler@wwf.ch