11. April 2019 — Medienmitteilung

WWF-Rating zeigt: Aufholjagd im Schweizer Detailhandel

Das neue WWF-Rating zeigt, es bewegt sich etwas in der Branche der Schweizer Lebensmittel-Gross- und Detailhändler. Die Discounter holen im Vergleich zu 2015 auf. Der Bericht zeigt jedoch auch auf, dass die Branche als Ganzes nach wie vor grosse Herausforderungen zu lösen hat, um ihre Auswirkungen auf die Umwelt auf ein verträgliches Niveau zu senken.

Supermarkt Lebensmittelauslage

Bereits zum zweiten Mal liess der WWF die 12 grössten Schweizer Gross- und Detailhändler von der Ratingagentur Inrate nach ihren Umweltleistungen bewerten. Die Wiederholung des Ratings zeigt, wie sich die Unternehmen seit 2015 entwickelt haben: In der obersten Kategorie der «Visionäre» schaffte es auch dieses Mal kein Unternehmen. Coop und Migros bleiben als «Vorreiter» auf hohem Niveau stabil. Für die grösste Veränderung sorgen die Discounter Aldi, Denner und Lidl. Sie schaffen es in die Kategorie «Verfolger», was eine Stufe höher als vor vier Jahren ist. Saviva und Transgourmet sind zwar etwas besser geworden, verbleiben aber im «oberen Mittelfeld». Manor bleibt ebenfalls in der Kategorie «oberes Mittelfeld», verschlechterte aber seine Umweltperformance leicht. Pistor rutscht eine Kategorie tiefer zu Globus in die Kategorie «unteres Mittelfeld». Spar rutscht zu Volg in die Kategorie «Intransparent» hinunter.
 
Luft nach oben

Der grösste Handlungsbedarf bei allen Gross- und Detailhändlern besteht in der Verbesserung ihrer Umweltleistung in ihrem Kerngeschäft, dem Sortiment. Zwar haben viele bereits ambitionierte Ziele gesetzt, aber diese berücksichtigen noch nicht die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten. Zudem fehlt es häufig noch an konkreten Projekten und Prozessen, um wichtige Themen wie beispielsweise die Entwaldung oder die Wasserrisiken in den Lieferketten effektiv zu adressieren. Ausserdem braucht es Efforts zur weiteren Verbreitung von glaubwürdigen Labels wie zum Beispiel Bio Suisse, ASC, MSC oder FSC. Transparenz und Rückverfolgbarkeit in den Wertschöpfungsketten sowie genaues Wissen über kritische Rohstoffe fehlen oftmals. 

Wandel hin zu grünem Handel
Der Schweizer Gross- und Detailhandel ist als Beschaffer und Anbieter von Food und Near-Food Produkten massgeblich mitbeteiligt daran, dass die Ernährung nach wie vor rund ein Drittel der konsumbedingten Umweltbelastung verursacht. Der WWF fordert vom Schweizer Gross- und Detailhandel folgenden Massnahmen: 

  • Ambitionierte Ziele verabschieden, die sich an den Belastbarkeitsgrenzen des Planeten ausrichten. Unterstützung bieten im Bereich Klima heute bereits wissenschaftlich fundierte Ansätze wie die Science Based Target Initiative. 
  • Datenmanagement, Transparenz in den Lieferketten sowie das Umweltrisikomanagement massiv verbessern. Neue technologiebasierte Lösungen in den nächsten Jahren weiter erproben und ausrollen, welche die Unternehmen zu befähigen, Umweltprobleme in ihren Lieferketten zu identifizieren und zu lösen. Die Blockchain-Technologie und das sogenannte Remote Sensing sind Möglichkeiten.
  • Beschaffungsprojekte umsetzen und umweltfreundlichere Lieferketten aufbauen. Dazu gehört eine engere Kooperation mit Lieferanten, Produzenten und weiteren Stakeholdern. So wird es möglich, sich gemeinsam ganz konkret für die Verbesserung von Umweltproblemen wie Wasserknappheit oder Entwaldung einzusetzen.
  • Den Anteil an Produkten mit glaubwürdigen Labels wie beispielsweise Bio Suisse, MSC, ASC oder FSC massiv erhöhen. Das Angebot an Ersatzprodukten für Fleisch- und Milcherzeugnisse ausbauen, um die Umweltbelastungen durch den Fleischkonsum zu senken.
  • Konsequentes politisches Engagement für ökologische Anliegen sowie aktive Mitarbeit in Brancheninitiativen.

Rating-Resultate in der Übersicht: 
Visionäre: -
Vorreiter: Coop, Migros
Verfolger: Aldi, Denner, Lidl
Oberes Mittelfeld: Manor, Saviva, Transgourmet
Unteres Mittelfeld: Globus, Pistor
Intransparent: Spar, Volg

Hintergrund zum Rating:
Verglichen wurden die Firmen mit einem visionären, heute noch fiktiven Unternehmen der nächsten Generation, dessen Geschäftsmodell auf die ökologische Tragfähigkeit unseres Planeten und auf eine Klimaerwärmung von deutlich unter zwei Grad Celsius ausrichtet ist. Bewertet wurden folgende sechs für die Umwelt wichtigen Bereiche: Strategie, Betriebliches Management & Investitionen, Produkte & Lieferketten, Rohstoffe, Politik & Rahmenbedingungen sowie Kunden & Mitarbeitende.

Kontakt: 
Sylvia Meyer, Senior Manager Sustainable Markets WWF Schweiz, sylvia.meyer@wwf.ch, 044 297 23 52
Corina Gyssler, Kommunikationsbeauftragte WWF Schweiz, corina.gyssler@wwf.ch, 044 297 22 54