29. August 2019 — Medienmitteilung

WWF übt Kritik an Schweizer Hochschulen: Mangelhaftes Engagement für die Nachhaltige Entwicklung

Schweizer Hochschulen haben weiterhin grossen Handlungsbedarf. Es braucht ein überzeugenderes Engagement der verantwortlichen Leitungspersonen und ambitionierte strategische Ziele für die Nachhaltige Entwicklung insbesondere in den Kernbereichen Lehre und Forschung.

Mangelhaftes Engagement Schweizer Hochschulen

Eine Nachhaltige Entwicklung befriedigt unsere Bedürfnisse, ohne die Umwelt zu zerstören oder zu verhindern, dass Menschen im Globalen Süden oder zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Der Bundesrat hat die Nachhaltige Entwicklung in seinem Leitdokument «Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019» als integralen Bestandteil bei Bildung, Forschung und Innovation vorgegeben. Der WWF wollte deshalb wissen, wie Hochschulen sie umsetzen und liess alle anerkannten Schweizer Universitäten und Fachhochschulen analysieren. Die Bilanz: Die 20 Bildungsinstitutionen unterscheiden sich markant, keine übernimmt die Vorreiterrolle.

Resultate des ersten WWF Hochschul-Ratings

  • Vorreiter gibt es keine.
  • Ambitionierte: Université de Lausanne, Universität Bern, Université de Neuchâtel, ETH Zürich
  • Oberes Mittelfeld: Universität Basel, École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL,  Universität Zürich, Berner Fachhochschule BFH,
  • Unteres Mittelfeld: Universität St. Gallen
  • Nachzügler: Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Haute École Spécialisée de Suisse occidentale HES-SO, Université de Genève, Hochschule Luzern HSLU
  • Untätige und Intransparente: Università della Svizzera italiana, Universität Freiburg/Université de Fribourg, Universität Luzern, Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana SUPSI, Kalaidos Fachhochschule

Bei der Zürcher und der Ostschweizer Fachhochschule sind nur Angaben für Teilschulen verfügbar.

Hochschulen sind als Bildungsstätten für jährlich Zehntausende zukünftiger Fach- und Führungskräfte, als Forschungsstätten und Innovationstreiber, als Weiterbildungsanbieter und nicht zuletzt als glaubwürdige Beratungsinstanzen und Vorbilder zentrale Akteure für die Nachhaltige Entwicklung. Im Vergleich mit 2017 haben sich die meisten Hochschulen bei der Nachhaltigkeit weiterentwickelt. Aber: Es braucht ein überzeugenderes Engagement der verantwortlichen Leitungspersonen und ambitioniertere strategische Ziele für die Nachhaltige Entwicklung.

Nachhaltige Entwicklung an Hochschulen - Der WWF empfiehlt:

  • Ebene Hochschulträger (Kantone und Bund): klare Vorgaben und Ziele zur Nachhaltigen Entwicklung in die Leistungsaufträge der Hochschulen integrieren und diese auch regelmässig überprüfen
  • Ebene Steuergremien: Strategisches Nachhaltigkeits-Programm für die Hochschulen starten und eine Nachhaltigkeitskommission für alle Hochschul­typen einsetzen
  • Ebene Hochschulleitungen: konsequente Nachhaltigkeitsstrategie, klare Ziele und Massnahmen definieren und diese auch überprüfen; Verantwortlichkeit in der Hochschulleitung ansiedeln; genügend Personalressourcen für die Nachhaltigkeitsförderung bereitstellen

Zitate
«Die Klimabewegung der letzten Monate zeigt klar: Die junge Generation erwartet, dass Institutionen wie die Hochschulen ihre Verantwortung für die Zukunft des Planeten wahrnehmen und handeln», sagt Léo Gilliard, einer der Projektverantwortlichen «Nachhaltige Hochschulen» beim WWF Schweiz.

«Ob künftige Fach- und Führungskräfte die anstehenden Herausforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung bewältigen können, hängt wesentlich davon ab, ob die Hochschulen das relevante Wissen und die notwendigen Kompetenzen fördern.», ergänzt Simon Zysset, zweiter Projektverantwortlicher «Nachhaltige Hochschulen» beim WWF Schweiz.

Kontakt:
Simon Zysset, Verantwortlicher Bildungspartnerschaften beim WWF Schweiz, 079 606 56 76, simon.zysset@wwf.ch