©
©
Hände weben Planzenfasern
Menschenrechte und Naturschutz

Menschenrechte und Naturschutz

Im vergangenen Winter veröffentlichte der WWF den Bericht «Embedding Human Rights in Nature Conservation – From Intent to Action» der unabhängigen Kommission unter der Leitung der ehemaligen UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Navi Pillay. Die Pillay-Kommission bewertete im Bericht den Menschenrechtsansatz des WWF und definierte Empfehlungen in 10 Themenfeldern. Der WWF griff die Empfehlungen auf  und machte sich an die Umsetzung. Transparenz über den Stand der Umsetzung ist uns sehr wichtig. Deshalb kommunizieren wir in regelmässigen Zwischenberichten den Stand der Umsetzung. Fortfolgend gehen wir auf drei Aspekte ein:

WWF ernennt Gina Barbieri zur Ombudsperson – eine Premiere für den Naturschutzsektor

Der WWF hat die renommierte Menschenrechtsanwältin und internationale Mediatorin Gina Barbieri zur Ombudsperson ernannt. Dies ist die erste Funktion dieser Art im internationalen Naturschutzsektor. Die Südafrikanerin Barbieri verfügt über zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Lösung von Umwelt- und Sozialkonflikten, zuletzt als leitende Ombudsperson für die Weltbank und verwandte Finanzinstitutionen.

Gina Barbieri erstattet direkt dem Stiftungsratspräsidenten des WWF International Bericht. Barbieri ist damit sowohl in ihrer Arbeit als auch in ihrer Berichterstattung unabhängig von der Geschäftsleitung des WWF International und von den WWF-Länderorganisationen. Die Ombudsperson legt die Kriterien für die Arten von Beschwerden fest, welche an sie weitergeleitet werden können.

Diese Information wurde unter diesem Link auf der Seite von WWF International veröffentlicht (in Englisch).

Öffentliche Konsultation zu sozialen Richtlinien sowie ökologischen und sozialen Schutz-vorkehrungen (ESSF)

Der WWF arbeitet weltweit seit 60 Jahren an der Seite von Menschen und Gemeinschaften für den Schutz und den Erhalt der Natur. Für uns sind gesunde Ökosysteme eng mit dem Leben, dem Lebensunterhalt und dem Wohlbefinden der Menschen verbunden. Die Achtung und Förderung der Rechte der Menschen und die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften sind Bedingung für wirksamen Umweltschutz. Wir sind uns unserer Grenzen als Naturschutzorganisation bewusst und versuchen ständig, unsere Arbeitsweise zu verbessern, um eine grössere Wirkung zu erzielen. Unsere sozialen Richtlinien sowie die ökologischen und sozialen Schutzvorkehrungen tragen zu diesem Bestreben bei.

Nun laden wir Öffentlichkeit, Organisationen, Partner, Unternehmen und Institutionen ein, sich an der Konsultation unserer überarbeiteten sozialen Richtlinien sowie ökologischen und sozialen Schutzvorkehrungen zu beteiligen. Mit der öffentlichen Konsultation über das Online-Portal consultation.panda.org werden folgende Textentwürfe geschärft:

  • neue WWF-Menschenrechtserklärung (Policy Statement on Human Rights),
  • revidierte Erklärungen zur Gleichstellung der Geschlechter (Policy Statement on Gender Equality)
  • revidierte Erklärung zu Indigenen Völkern und Naturschutz (Policy Statement on Indigenous Peoples and Conservation)
  • ökologische und soziale Schutzvorkehrungen (Environmental & Social Safeguards)

Zusätzlich zum Online-Portal, das bis Ende Juni offensteht, führen WWF-Teams vor Ort Dialoge oder Workshops mit Stakeholdern (bspw. Menschenrechtsorganisationen) durch. Das Feedback aller Teilnehmenden wird sorgfältig geprüft und im Laufe des Jahres wird es zur überarbeiteten Version wiederum eine öffentliche Kommunikation gegeben.

WWF Schweiz leistet Unterstützung vor Ort. Beispielsweise im Ntokou Pikounda Natio-nalpark in der Republik Kongo

Aufgrund der Empfehlungen der Pillay-Kommission verstärkt auch der WWF Schweiz in seinen Feldprojekten die gezielte Weiterbildung der Projektmitarbeitenden im Bereich Menschenrechte und fördert die Mitbestimmungsrechte von benachteiligten und verletzlichen Gruppen, wie beispielsweise indigenen Gemeinschaften. Das Ziel ist, dass der Bevölkerung in unseren Projektgebieten einfach zugängliche Beschwerdemöglichkeiten zur Verfügung stehen und wir faire Verfahren zur Lösung von Konflikten unterstützen. Wir intensivieren den Ausbau von Zugangs- und Nutzungsrechten in Schutzgebieten für indigene und lokale Gruppen. So unterstützen wir diese Gemeinschaften zum Beispiel bei Verhandlungen mit staatlichen Stellen zur Einrichtung von Fischerei- und Jagdzonen oder um den Zugang zum Sammeln von Wildpflanzen oder zu kulturellen Stätten zu gewährleisten. In WWF-Projekten im Globalen Süden waren die Reduktion von Mensch-Wildtier-Konflikten und die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen vor Ort schon in der Vergangenheit zentrale Elemente. Der Pillay-Bericht hat uns gezeigt, dass wir dabei vermehrt sicherstellen müssen, dass alle Bevölkerungsgruppen an unseren Weiterbildungen teilnehmen und davon profitieren können und dass unsere Sorgfaltsprüfungen alle Projektpartner umfassen.

Gestärkt haben wir auch unser Projektmonitoring, das neben Berichten der Projektverantwortlichen direkte Rückmeldungen aus der Bevölkerung verlangt. Unser Ziel ist es zudem, in unseren Projekten noch stärker als bisher mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzuarbeiten. Dies ist keine leichte Aufgabe, weil wir mit unseren Feldprojekten oft in stark abgelegenen Regionen arbeiten, in denen solche Organisationen noch nicht präsent sind. Wir sind überzeugt, dass der Aufbau von neuen Partnerschaften die Nachhaltigkeit und die Wirkung unserer Projekte steigert.

Aufgrund des Pillay-Berichts hat der WWF Schweiz entschieden, das Programm im Ntokou Pikounda Nationalpark in der Republik Kongo bei der Umsetzung der Menschenrechtsempfehlungen zu unterstützen. Im November 2017 hatten das Ministerium für Forstwirtschaft der Republik Kongo und der WWF eine Partnerschaft zur gemeinsamen Verwaltung des Nationalparks unterzeichnet. Die Zusammenarbeit startete im April 2018. Die übergeordneten Ziele der Partnerschaft sind der gemeinsame Aufbau von funktionierenden Verwaltungsstrukturen und der Schutz der Artenvielfalt im rund 4‘300 km2 grossen Nationalpark.

In den kommenden Monaten setzen wir unter anderen folgende Aktivitäten um:

  • Ein Verhaltenskodex für alle Parkmitarbeitenden wird erarbeitet und mit Hilfe von Ausbildungen erklärt. Der Kodex verlangt die Einhaltung der Menschenrechte und sieht unter anderem disziplinarische Massnahmen bei der Verletzung von Regeln vor.
  • Spezielle Trainings für Wildhüterinnen und Wildhütern zu Menschenrechten und Patrouillenaufgaben werden durchgeführt. In Diskussion ist die Anstellung von Beobachtern, welche die Wildhüterpatrouillen begleiten und die Einhaltung der Regeln kontrollieren.
  • Die Zugangs- und Nutzungsrechte für indigene und lokale Bevölkerungsgruppen werden in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen weiter ausgebaut. Dies betrifft zum Beispiel die saisonalen Fischereirechte.
  • Informationen über die Rechte der indigenen und lokalen Bevölkerungen sowie die Aufgaben und Rechte der Wildhüterinnen und Wildhüter werden unter der Bevölkerung verbreitet und erklärt.
  • Mit den Dorfbewohnern im Umfeld des Ntokou Pikounda Nationalparks wird ein Beschwerdemechanismus erarbeitet.
  • Die Kommunikation zwischen der indigenen und lokalen Bevölkerung und der Parkverwaltung wird verstärkt. Monatliche direkte Treffen helfen, die verschiedenen Anliegen besser zu verstehen, aufzunehmen und Konflikten vorzubeugen.

Die Gespräche mit zivilgesellschaftlichen Organisationen in der Republik Kongo und der nationalen Menschenrechtskommission zur Umsetzung von Beschwerdemechanismen im Bereich Menschenrechtsverletzungen werden fortgesetzt.