Der Fluss Dja und der Messok Dja Nationalpark

Update zu Massnahmen in Messok Dja

Update vom 27. Februar 2020: WWF-Stellungnahme zum Messok Dja in der Republik Kongo

In Ländern und Regionen, die aufgrund ihrer spezifischen Umstände hohe Risiken mit sich bringen, wurde bereits eine breite Palette von Massnahmen ergriffen. Dazu zählen die Intensivierung oder Beschleunigung von bereits eingeleiteten Aktivitäten, insbesondere im Kongo-Becken, wo Krieg, gewaltsame Unruhen und bewaffnete Konflikte schwierige Herausforderungen für die Naturschutzarbeit darstellen.

Beispiele für getroffene Massnahmen in der Republik Kongo:

  • Einführung des verbesserten Rahmenwerks für ökologische und soziale Safeguards des WWF im Rahmen des Programms Espace TRIDOM Interzone Congo (ETIC) (einschliesslich der Wälder von Messok Dja). Ausserdem Durchführung des Risiko-Screenings im Februar 2020 und Entwicklung eines Risikominderungsplans, der ungefähr im April 2020 abgeschlossen werden soll.  
  • Hilfestellung bei der Einleitung eines neuen Konsultationsprozesses mit der Regierung, den Gebern, der lokalen Gemeinschaft und einheimischen Vertretern zu den Wäldern von Messok Dja und Durchführung eines gemeinsamen Workshops im November 2019 aufgrund von Bedenken der Gemeinschaften zu dem bereits laufenden Prozess der freien, frühzeitigen und informierten Zustimmung (FPIC), auf den in zwei unabhängigen, vom WWF beauftragten externen Untersuchungen hingewiesen wurde
  • Einstellung eine Community Liaison Officer, um mithilfe von Outreach-Massnahmen Verständnis für Wildtier- und Naturschutzgesetze zu schaffen (2018). Wir versuchen derzeit auch, Positionen für einen Social Policy Officer und einen Indigenous People Officer zu besetzen.
  • Anregung, dass ein obligatorischer FPIC-Prozess für indigene Völker und lokale Gemeinschaften in das geplante neue kongolesische Waldgesetz aufgenommen wird; eine 2019 vom Justizministerium angenommene Verordnung
  • Beitrag zur Ausbildung von 17 neuen Eco-Guards (rund 50 % der Belegschaft) in Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten und den Respekt für indigene Völker. Entwicklung eines Verhaltenskodex für Eco-Guards und ETIC-Mitarbeitende. (2019 – bestätigen)
  • Einführung eines verbesserten Beschwerdemechanismus, über den die lokalen Gemeinschaften 2018 mittels Konsultationen informiert wurden, ist seit Januar 2019 vollständig in Kraft und umfasst wöchentliche Besuche in den Dörfern. 

Update vom 7. Februar 2020: WWF-Stellungnahme zum Messok Dja in der Republik Kongo

Beim WWF wissen wir, dass Mensch und Natur Hand in Hand gehen und lokalen Gemeinschaften und indigenen Völkern bei Naturschutzaktivitäten eine zentrale Rolle eingeräumt werden muss. Dies ist das Leitprinzip, an das wir uns halten und an dem wir unsere Arbeit regelmässig messen. Dies insbesondere in den komplexesten und anfälligsten Regionen der Welt, in denen sowohl der Mensch als auch die Natur gefährdet sind. So wie etwa im Gebiet Messok Dja in der Republik Kongo. 
  
Deshalb sind wir über die Ergebnisse eines Berichtsentwurfs der Social and Environmental Compliance Unit (SECU) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zutiefst besorgt. Der Bericht soll zur öffentlichen Konsultation publik gemacht werden. Der Berichtsentwurf hebt die zugrundeliegenden Probleme und Herausforderungen hervor, mit denen Gemeinschaften und Organisationen wie die unsrige vor Ort konfrontiert sind und die wir mit aller Kraft zu bewältigen versuchen. Was im Bericht steht bezüglich der Beziehungen zwischen staatlichen Rangern und lokalen Gemeinschaften, einschliesslich der Missbrauchsvorwürfe, macht uns besonders betroffen, und wir räumen dieser Angelegenheit oberste Priorität ein. Für uns ist jeglicher Verstoss gegen unser Bekenntnis zu sozialen Standards und Menschenrechten inakzeptabel. 
  
Wir werden die Ergebnisse des Berichts näher beleuchten und genau untersuchen, wie die von uns ergriffenen Massnahmen dazu beitragen können, die aufgeworfenen Probleme zu beseitigen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass sich einige Beobachtungen im Bericht auf einen Feldbesuch im Februar 2019 beschränken, bevor die jetzt laufenden Reformen eingeleitet wurden, und dass die aktuelle Fassung diverse sachliche Ungenauigkeiten zur Rolle des WWF und dessen Mitwirkung an dem regierungsgeführten EITC-Programm enthält. Wir werden weiterhin alles daran setzen, die geäusserten Bedenken aus dem Weg zu räumen und die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen Gemeinschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft wie die unsrige in anfälligen und risikoreichen Gegenden konfrontiert sind. 

Während die Republik Kongo die Wälder von Messok Dja vor den zunehmenden Spannungen schützen will, setzen wir uns mit allen Mitteln dafür ein, dass die Interessen der lokalen Gemeinschaften berücksichtigt und ihre Stimmen gehört werden. Im November 2019 gelang es uns, auf Basis der von uns in Auftrag gegebenen Expertenanalysen verschiedene Vertretungen zusammenzubringen, um für Messok Dja einen Weg nach vorne (Englisch) zu finden. Vertreten waren 35 der 37 betroffenen Gemeinschaften aus Messok Dja, die zwei involvierten Forstunternehmen, die Regierung (Delegation der indigenen Bevölkerungsgruppen, Delegation der Schutzgebiete, Delegation der Forstwirtschaft), CSOs zusammen mit dem NGO-Konsortium aus Brainforest, Comptoir Juridique Junior und Cercle des Populations Autochtones de la Sangha, begleitet durch eine vierte NGO (FGDH) in der Rolle als unabhängiger Beobachter.  

Naturschutzaktivitäten vor Ort sind nur erfolgreich, wenn sie durch die lokale Bevölkerung gestützt werden. Aus diesem Grund haben wir unseren Ansatz in Messok Dja in den letzten 18 Monaten überprüft, Updates finden sich hier und hier (Englisch), um gemeinsam mit den Gemeinschaften Lösungen zu finden.  

Und wir werden diese Bemühungen fortsetzen, um von und gemeinsam mit Partnern wie dem UNDP zu lernen. 

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Zusätzliche Hintergrundinformationen: 

Wir haben uns mit einem offiziellen Schreiben an das UNDP gewandt, um die folgenden Ungenauigkeiten in dem aktuellen Entwurf des SECU-Berichts richtigzustellen: 

  • Informationen zu Anschuldigungen: Wir sind besorgt, dass die SECU in der vorläufigen Fassung des Berichts bisher keine Informationen veröffentlicht hat, die es den Behörden der Republik Kongo oder dem ETIC ermöglichen, im Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen weitere Massnahmen zu ergreifen. Wir haben das SECU-Team aufgefordert, seine Ergebnisse mit uns zu teilen, damit wir gemeinsam tätig werden und diese umgehend an die zuständigen Behörden weiterleiten können, und damit wir allfällige WWF-Mitarbeitende, die gegen unsere Richtlinien, Prozesse und Bekenntnisse verstossen haben, zur Rechenschaft ziehen können. 
  • Die aktuelle Situation vor Ort: Der Bericht basiert auf Beobachtungen während eines Feldbesuchs, der vor fast einem Jahr stattfand, und berücksichtigt nicht die bereits ergriffenen Massnahmen in Bezug auf die Beschwerdemechanismen, die regelmässigen wöchentlichen Sitzungen, die in den Dörfern zur Meldung von Problemen abgehalten werden, die erzielten Fortschritte bei gemeinsamen Stakeholder-Treffen und den Dialog über die Forstverwaltung usw. 
  • Aktueller Zugang der Gemeinschaftsmitglieder zu Messok Dja: Messok Dja ist zurzeit Gegenstand von zwei Abholzungskonzessionen und verfügt über keinen spezifischen Schutzstatus. Deshalb gibt es keine Zugangsbeschränkungen für Gemeinschaften, die in den Wäldern oder deren Nähe leben, und wir sind sehr betroffen über die Behauptungen des Berichts über eingeschränkte Zugangsrechte der Gemeinschaften. 
  • Rolle des WWF im ETIC-Programm: ETIC ist ein vom WWF unabhängiges Programm. Es handelt sich zwar um eine Kollaboration zwischen der Regierung der Republik Kongo und dem WWF, aber die ETIC-Mitarbeitenden sind offiziell Regierungsangestellte, ihr Arbeitsvertrag ist vom Ministerium MEFDDE (jetzt als MEF bekannt) unterzeichnet, dies gilt auch für die staatlichen Ranger. 
  • Die im ETIC-Programm für den WWF tätigen Mitarbeitenden, namentlich der Fachkoordinator und das Fachpersonal, arbeiten auf der Basis von Vollzeitberatungsverträgen mit dem WWF. Ausserdem betrug das Gesamtbudget des UNDP-Programms USD 23’807 Millionen, während der spezifische Zuschuss an den WWF bei USD 194’000 lag.