Erdbeerfarm in Andalusien

Coto de Doñana und die Erdbeeren

Der Nationalpark Coto de Doñana im südlichen Spanien ist ein ökologisch bedeutendes Feuchtgebiet für Millionen von Zugvögeln und Lebensraum für den stark gefährdeten Iberischen Luchs. Doch in der Region wird intensive Landwirtschaft betrieben, insbesondere für den Anbau von Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Reis. 

Dieser Sektor ist mit enormem Wasserverbrauch verbunden. Der WWF und die Migros hatten 2017 daher ein Projekt gestartet, um den Anbau von Erdbeeren über die kommenden Jahre Schritt für Schritt ökologischer und sozialverträglicher zu machen. Im Herbst 2019 hat sich der WWF entschlossen, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

Warum ist der Nationalpark Coto de Doñana so wichtig für den WWF?

Der Nationalpark liegt im Südwesten Spaniens, an der Costa de la Luz. Hinter dem mit Muscheln übersäten Meeresstrand erhebt sich ein kilometerbreiter, bis zu 30 Meter hoher Wanderdünengürtel, gefolgt von Pinienwäldern und ausgedehnten Süsswasserlagunen.  

Diese Lagunen und Sümpfe sind von besonderem Wert. Sie sind Heimat für über 4000 Tier- und Pflanzenarten. Über sechs Millionen Zugvögel machen hier auf ihrem langen Weg aus den Winterquartieren in Afrika zu ihren Brutgebieten im Norden Europas haltmachen. In der gesamten Coto de Doñana werden 360 Vogelarten beobachtet, darunter der seltene Kaiseradler und der Schlangenadler. Unter den 28 Säugetieren ist der Iberische Luchs der seltenste. Etwa 50 von noch ungefähr 150 verbliebenen Katzen insgesamt haben hier ein wichtiges Rückzugsgebiet.  

Seit seiner Gründung ist der WWF eng mit der Doñana verbunden. 1963 kaufte er 6700 Hektar Land, welche in Spaniens erstes Schutzgebiet überführt wurden. Das war der Beginn des Reservates Coto de Doñana. Der Park ist Nationalpark, Ramsar-Schutzgebiet, Natura-2000-Schutzgebiet, Unesco-Biosphärenreservat und Unesco-Weltnaturerbe. Für die Region ist er eine wichtige Stütze der regionalen Wirtschaft, mit Arbeitsplätzen für 200'000 Bewohner durch Fischerei, Landwirtschaft, Forschung und Öko-Tourismus. 

Welche Umweltprobleme gibt es in der Coto de Doñana?

Rund um den Nationalpark findet intensive Landwirtschaft statt – insbesondere für den Anbau von Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Reis. Doch Wasser ist in Andalusien ein knappes Gut. Zur Veranschaulichung: Für ein Kilo Oliven braucht es 4500 Liter Wasser, für ein Kilo Mango 1600 Liter und für ein Kilo Tomaten immerhin rund 200 Liter Wasser.  

Um die grossen Wassermengen zu erschliessen, die für die Landwirtschaft nötig sind, bohrten die Landwirte unzählige Brunnenlöcher, viele davon sind illegal. Alleine für den Erdbeeranbau in Huelva wurden schätzungsweise 1000 illegale Brunnen gebaut und 3000 Hektar landwirtschaftliche Flächen illegal bebaut. Das führte zu einem 80-prozentigen Rückgang des Wasserzuflusses ins Feuchtgebiet.  

Die Landwirtschaft spielt in allen Provinzen Andalusiens wirtschaftlich eine sehr grosse Rolle und generiert viele Arbeitsplätze. Die Erdbeerindustrie der Huelva erwirtschaftet jährlich 400 Millionen Euro. Diese wichtige Einkommensquelle für die Bevölkerung vor Ort kann man nicht einfach einstellen.  

Was tut der WWF für den Schutz des Nationalparks?

Der Zustand des Nationalparks Coto de Doñana ist das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit und wiederholter Gesetzesverstösse der spanischen Behörden. Spanien verliert aufgrund der zu grossen Wasserentnahmen nicht nur ein weltbedeutendes Feuchtgebiet, sondern auch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen für die Region.  

Seit Jahren fordert der WWF die spanische Regierung auf, alle illegalen Brunnen und illegal bebauten Landwirtschaftsflächen in der Region aufzuheben und ein wirkungsvolles Wassermanagement einzuführen. Weder das Umweltministerium noch die andalusische Regierung oder die andalusischen Gemeinden haben bis jetzt genug getan, um die illegalen Wasserentnahmen zu verhindern. Die schleichende Verschlechterung der Lebensräume verstösst gegen die Vogelschutz- und die Habitatrichtlinie der EU. Deshalb hat der WWF Spanien 2010 bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen die spanische Regierung eingereicht. Im Januar 2019 kündigte die Europäische Kommission an, Spanien vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Das ist der letzte Schritt in diesem Verfahren.  

Parallel zu diesem langwierigen Prozess will der WWF anhand von konkreten Beispielen aufzeigen, dass ein umwelt- und sozialverträglicherer Erdbeeranbau in Huelva möglich ist.  

Was war der Fokus des gemeinsamen Projektes von WWF und Migros?

Die Zusammenarbeit mit der Migros und den spanischen Erdbeer-Bauern konzentrierte sich auf effizientes und legales  Wassermanagement, verantwortungsvollenr Umgang mit Pestiziden, Biodiversität, Bodenschutz sowie soziale Arbeitsbedingungen.

Warum zieht sich der WWF aus dem Erdbeer-Projekt zurück?

Beim Erdbeer-Projekt betraten Migros und WWF ein unbekanntes Feld, denn sie konnten nicht auf einen bestehenden Massnahmenkatalog bzw. bestehende Zertifizierungsstandards zurückgreifen. Die Projektorganisation war daher komplex und sie bedingte auch, dass sie laufend den neusten Erkenntnissen angepasst werden musste. Die Planung musste zudem auf den Vegetationszyklus der Erdbeeren Rücksicht nehmen, was die aktive Arbeit auf dem Feld einschränkt und in der Umsetzung unter Umständen zu einem Jahr Verzögerung führen kann. Migros plant zudem das Projekt von zwei Lieferanten auf alle Migros-Lieferanten von Spanischen Erdbeeren auszuweiten. Das erfordert eine Anpassung der Konzeption wie auch der Verantwortlichkeiten.

Der WWF hätte gerne das Projekt schneller umgesetzt. Das Projekt wird nun vollständig von der Migros übernommen und von ihr neu konzipiert. Der WWF wird seine Ressourcen wieder verstärkt auf politische Aktivitäten rund um den Umweltschutz in der Region Doñana einsetzen.

Wäre es nicht besser, wir würden auf spanische Erdbeeren verzichten und solche aus der Schweiz essen?

Erdbeeren aus Spanien schliessen in der Ökobilanz schlechter ab als Erdbeeren aus der Schweiz im Sommer. Es ist am sinnvollsten, Schweizer Erdbeeren zu kaufen, sofern diese nicht aus einem fossil beheizten Treibhaus stammen. Diese haben ab Ende Mai Saison (siehe Saisonkalender).