Sauberes Trinkwasser gilt in der Schweiz als selbstverständlich. Doch aktuelle Daten zeigen: Pestizide und PFAS finden sich auch in unseren Gewässern, schaden der Natur, gelangen ins Trinkwasser und gefährden unsere Gesundheit. Lerne die wichtigsten Fakten kennen und erfahre, warum wir jetzt handeln müssen.
1. Schadstoffe verunreinigen unser Wasser
Gelangen Pestizide in die Umwelt, werden sie durch Regen ausgewaschen, versickern im Boden und erreichen das Grundwasser. Von dort können sie, oft unbemerkt, in unser Trinkwasser gelangen. Heute trinken eine Million Schweizerinnen und Schweizer mit Pestiziden belastetes Trinkwasser.
2. PFAS – die «Ewigkeitschemikalien»
PFAS sind industriell hergestellte, synthetische Stoffe. Sie verhalten sich wie Plastik im Wasser – unsichtbar, extrem klein, nahezu unzerstörbar, und sie bauen sich kaum ab. Sie reichern sich über Jahrzehnte in der Umwelt an und gelangen so auch in unsere Nahrungskette.
3. Bestehende Grenzwerte reichen nicht
Expert:innen fordern seit Jahren strengere Grenzwerte, damit Behörden effektiv handeln und unsere Gewässer wirksam schützen können. Ein Beispiel ist das Nervengift Deltamethrin: Schon kleinste Mengen führen dazu, dass ein Insekt innerhalb weniger Minuten bewegungsunfähig ist. Bereits ein Tropfen reicht aus, um einen ganzen Bach zu vergiften.
4. Kläranlagen stossen an ihre Grenzen
Selbst moderne Anlagen können PFAS und Pestizide nicht vollständig entfernen. Was einmal im Wasser ist, bleibt oft dort. Die Reinigung ist technisch extrem aufwendig und teuer – teilweise kaum möglich.
5. Trinkwasser ist nicht überall gleich sauber
Die Qualität schwankt je nach Region. In gewissen Gemeinden wurden erhöhte Werte festgestellt, während andere Gebiete besser abschneiden. Das zeigt: Sauberes Trinkwasser ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr – auch nicht in der Schweiz.
6. Gesundheitsrisiken sind real
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit weist auf Zusammenhänge zwischen PFAS und Krebs, hormonellen Störungen sowie Immunproblemen hin. Auch Pestizide können langfristig die Gesundheit schädigen. Besonders gefährdet sind Kinder und Schwangere.
7. Verschmutztes Wasser schadet der Natur
Fische, Amphibien und wirbellose Wasserlebewesen sind auf saubere Gewässer angewiesen. Schadstoffe reichern sich in ihren Körpern an und beeinträchtigen ihre Entwicklung, Fortpflanzung und Gesundheit. Langfristig werden auch Auen, Böden und angrenzende Ökosysteme geschädigt, denn sauberes Wasser ist die Grundlage einer intakten Natur.
8. Politik reagiert zu langsam
Obwohl die Risiken bekannt sind, passiert zu wenig. Im Gegenteil: Der Schutz wird sogar geschwächt. Neu sollen in der EU zugelassene Pestizide automatisch in der Schweiz zugelassen werden – selbst wenn sie hier bislang kritisch beurteilt wurden. Dadurch könnte die Schweiz zum Sammelbecken für Problem-Pestizide werden.
Deine Stimme zählt. Mit unserem Appell können wir gemeinsam Veränderungen anstossen – und dafür sorgen, dass unser Wasser besser geschützt wird. Das Engagement jeder und jedes Einzelnen bleibt entscheidend. 👇
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Weshalb müssen wir uns jetzt wehren?
Die Probleme mit verschmutzten Wasserressourcen sind seit Jahren bekannt. Statt den Schutz zu stärken, schwächt die Politik jedoch zentrale Schutzbestimmungen. Gesetzesänderungen stellen das Vorsorgeprinzip und den Trinkwasserschutz infrage, während die beschlossene Reduktion von Pestiziden nur unzureichend umgesetzt wird. Diese Entwicklungen gefährden unsere Gesundheit. Damit dürfen wir uns nicht abfinden, sondern müssen jetzt handeln!
Schadstoffe verunreinigen unser sauberes Wasser
Schadstoffe wie Pestizide, Nitrat und PFAS gelangen über viele verschiedene Wege in unser Wasser. Diese Stoffe bauen sich nur langsam ab und können sich über Jahre hinweg in den Gewässern und unseren Körpern anreichern. Ohne konsequenten Schutz verschlechtert sich die Wasserqualität schleichend und unbemerkt. Wir müssen heute handeln, damit auch zukünftige Generationen unbeschwert Wasser aus dem Wasserhahn trinken können.
Unsere Gesundheit hängt direkt von sauberem Wasser ab
Täglich trinken wir unser Wasser direkt aus dem Wasserhahn. Die Schadstoffe im Wasser gelangen so unmittelbar in unseren Körper. Studien zeigen auf, dass Pestizide hormonelle Prozesse stören können. Mögliche schwerwiegende Folgen können Fortpflanzungsstörungen sein oder ein erhöhtes Risiko für hormonabhängige Tumore, wie etwa einige Formen von Brust-, Eierstock-, Prostata- oder Hodenkrebs.
Politische Entscheide gefährden den Schutz unseres sauberen Wassers
Gesetze und Grenzwerte bestimmen, wie gut Gewässer vor Verschmutzung geschützt sind. Wenn Umweltauflagen gelockert oder Grenzwerte abgeschwächt werden, steigt das Risiko für belastetes Trinkwasser. Die Politik muss ihre Verantwortung für unsere Gesundheit und die Natur wahrnehmen.
Schadstoffe richten grossen Schaden in der Natur an
Schadstoffe wie Pestizide, langlebige PFAS und übermässige Nährstoffeinträge schädigen Lebewesen wie Würmer, Pilze, Fische, oder Insekten und ihre Larven und stören wichtige ökologische Prozesse wie Nährstoffkreisläufe oder Selbstreinigung. Empfindliche Arten und mit ihnen wichtige Ökosystemfunktionen gehen verloren. Weil Wasserhaushalt und Nährstoffkreisläufe unterschiedlichste Lebensräume eng vernetzen, entstehen Kettenreaktionen, die auch noch sehr wertvolle (Schutz)gebiete wie Auen oder Flachmoore und ihre Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen.
Fragen und Antworten
Woher kommt unser sauberes Wasser?
Rund 80 % des Trinkwassers in der Schweiz stammt aus Grundwasser, der Rest aus Quellen und Seen. Dieses Wasser wird durch natürliche Bodenschichten gefiltert und gelangt so in sehr guter Qualität zu uns. Genau diese natürlichen Reserven sind jedoch besonders empfindlich gegenüber Verunreinigungen.
Welche Stoffe verunreinigen unser Wasser am häufigsten?
Am häufigsten finden sich Rückstände von Pestiziden und deren Abbauprodukten in unserem Wasser wie z.B. Deltamethrin oder das Pilzmittel Chlorothalonil. Bereits in mehr als der Hälfte der Grundwasser-Messstellen wurden diese nachgewiesen. Aber auch Nitrat, Chemikalien wie PFAS oder Arzneimittelrückstände und Biozide aus Alltagsprodukten gelangen in unser Wasser.
Welche Auswirkungen haben Schadstoffe im Wasser auf unsere Gesundheit und auf die Natur?
Im Mittelland trinken eine Million Menschen Trinkwasser, welches mit Pestiziden belastet ist. Schadstoffe im Trinkwasser können Fortpflanzungs- und Hormonstörungen oder ein erhöhtes Krebsrisiko verursachen. In der Natur schädigen sie Wasserorganismen, verringern die Artenvielfalt und stören ganze Ökosysteme. Viele dieser Stoffe reichern sich in Pflanzen, Tieren und Böden an und wirken langfristig weiter. So gefährdet verschmutztes Wasser nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die natürlichen Lebensgrundlagen insgesamt.
Welche Gewässerschutzlockerungen haben Bundesrat und Parlament bereits beschlossen und welche sind geplant?
In den letzten Jahren wurden verschiedene Regelungen diskutiert oder beschlossen, die den Einsatz von Pestiziden erleichtern oder Schutzauflagen abschwächen. Dazu gehören weniger strenge Vorgaben für bestimmte Stoffe sowie Ausnahmen bei Schutzbestimmungen. Weitere Vorstösse zielen darauf ab, Umweltauflagen weiter zu lockern oder Grenzwerte zu reduzieren. So verzichtet der Bundesrat darauf, einen Grenzwert für Deltamethrin einzuführen. Dies, obschon ein Tropfen dieses Nervengifts einen ganzen Bach vergiften kann.
Was ist das Ziel des Appells?
Wir fordern Bundesrat und Parlament auf, den Schutz des Wassers konsequent zu stärken. Wir setzen uns für strenge Regeln gegen Schadstoffe und für den Erhalt sauberer Wasserressourcen ein. Wir wollen die Gesundheit der Bevölkerung und die natürlichen Lebensgrundlagen langfristig sichern.
Wie werden die Unterschriften gesammelt?
Unterstützer:innen können sich auf wwf.ch und gesundes-wasser.ch eintragen. Die Unterschriften werden anschliessend summiert, wodurch es kurzfristig zu kleinen Abweichungen kommen kann. Doppelzählungen werden ausgeschlossen.