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3 afrikanische Elefanten gehen vor der untergehenden Sonne in Namibia

Kaza: eine gemeinsame Zukunft für Menschen und Wildtiere

Das Kaza-Gebiet ist der grösste Schutzgebietsverbund in Afrika und Heimat zahlreicher Wildtiere wie Elefanten oder Löwen. Der WWF setzt sich mit den Menschen vor Ort dafür ein, dass das Zusammenleben mit den Wildtieren funktioniert und die Schutzgebiete besser miteinander verbunden werden.

Die Kavango-Zambezi-Transfrontier-Conservation-Area (Kaza) liegt im Kalahari-Becken und ist mit einer Grösse von 520'000 km2 rund zwölfmal so gross wie die Schweiz. Der Schutzgebietsverbund erstreckt sich über Gebiete in Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. 

Diese fünf Staaten beschlossen 2011, Schutzgebiete über die Landesgrenzen hinweg gemeinsam nachhaltig zu entwickeln. Die Region ist ein reiches Mosaik an Landschaften. Grasland, Busch, Wälder und Feuchtgebiete beheimaten eine beeindruckende Artenvielfalt. Rund 50 Prozent der Afrikanischen Savannen-Elefanten, 25 Prozent der Afrikanischen Wildhunde, 15 Prozent der Löwen in Afrika und unzählige weitere Arten wie Büffel, Giraffen und Flusspferde leben hier. 
Die offene Landschaftsstruktur eignet sich besonders für die Beobachtung dieser eindrücklichen Tiere. Deshalb hat sich der Tourismus neben der Landwirtschaft als wichtiger Wirtschaftszweig entwickelt.

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Afrikanische Elefanten im Mudumu Park in Namibia beim Sonnenuntergang
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Ein schwimmendes Nilpferd in der Kaza Region
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Farmer in Sambia, der sein Feld pflegt

Die offene Landschaftsstruktur eignet sich besonders für die Beobachtung dieser eindrücklichen Tiere. Deshalb hat sich der Tourismus neben der Landwirtschaft als wichtiger Wirtschaftszweig entwickelt.

Heimat von Menschen und Wildtieren

Die ländlichen Gemeinden profitieren heute noch zu wenig von den Tourismuseinnahmen, sie tragen jedoch häufig die Kosten des Zusammenlebens mit Wildtieren: von Elefanten zertrampelte und geplünderte Felder oder Übergriffe von Grossraubtieren auf Nutztiere. Als Folge werden Wildtiere als Bedrohung empfunden und getötet. 
Rund ein Drittel der lokalen Bevölkerung in Kaza lebt in Armut und ist für ihren Lebensunterhalt auf die natürlichen Ressourcen des Landes angewiesen. Die Böden sind jedoch nährstoffarm, und die Klimaerhitzung verschlechtert ihre Qualität zusätzlich. Um die wachsende Bevölkerung zu ernähren, werden Flächen überweidet, Wälder gerodet und damit die Bodenerosion beschleunigt. Dies senkt die Produktivität der Landwirtschaft und treibt die Zerstörung noch schneller voran – ein Teufelskreis. Wildtiere sind zwar besser angepasst an die kargen Verhältnisse als Nutztiere, aber das hilft ihnen nicht: Ihre natürlichen Lebensräume werden fragmentiert und schwinden zusehends. Der Verlust an natürlichen Lebensräumen in den letzten 15 Jahren wird für das Kaza-Gebiet auf 12'000 km2 geschätzt. Dies sind rund 2,3 % der Kaza-Gesamtfläche.

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Ein Gemüsegarten in Sambia

Die Lokabevölkerung ist auf die natürlichen Ressourcen des Landes angewiesen.

Durch Lösungsansätze zu mehr Harmonie

Für den nachhaltigen Projekterfolg ist es wichtig, dass die Menschen in den Naturschutz eingebunden sind und daraus einen konkreten Nutzen ziehen. Ein ausgewogenes Zusammenleben von Menschen, Nutz- und Wildtieren ist daher von grosser Bedeutung. Gleichzeitig braucht es Schutzgebiete, die durch funktionierende Wildtierkorridore verbunden sind, um die saisonalen Wanderungen der Tiere zu Futter- und Wasserplätzen zu garantieren. Auch dafür bedarf es der Mitwirkung der Menschen vor Ort. Konkret werden folgende Ziele verfolgt:

Wildtierbestände erhalten

Um Wildtiere wirksam zu schützen, sind zuverlässige Zahlen zur Entwicklung der wichtigsten Populationen zentral. Der WWF unterstützt mit Weiterbildungen und Ausrüstung wie Kamerafallen die lokalen Gemeinschaften bei den Wildtierzählungen. Die so gewonnenen Daten fliessen in den Pilotversuch eines Wildlife-Credits-Systems ein, bei dem Gemeinschaften für die Wildtierpopulationen auf ihrem Land finanzielle Beiträge erhalten.

Im Grenzgebiet Botswana−Namibia unterstützt der WWF die Entwicklung einer neuen Tourismusdestination, die diesen Menschen mittelfristig zusätzliches Einkommen bringt. Ausserdem fördern wir die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den beiden Gebieten in einem wichtigen Wildtiergebiet und stärken das Management von natürlichen Ressourcen (z.B. grenzübergreifende Regelung des Handels mit geschützten Wildpflanzen).

Der WWF analysiert die Strukturen von lokalen, gemeinschaftsbasierten Organisationen in Botswana und entwickelt und organisiert bedarfsgerechte Weiterbildungen. Die Mitglieder der Organisationen lernen beispielsweise, wie sie ihre Mitsprachemöglichkeiten im politischen Dialog stärken und die Wildtierbestände eigenverantwortlich managen können.

Erhöhte Ernährungssicherheit für die lokale Bevölkerung

Der WWF schult Ausbildner:innen im Bwabwata-Nationalpark in Namibia im Gemüseanbau, im Aufbau und Betrieb von einfachen Pflanzschulen und in Geflügelzucht. Demonstrationsgärten, Trainings in diesen Gärten sowie Austauschbesuche in benachbarte Gemeinden fördern den Wissenstransfer rund um nachhaltige Landwirtschaft.

Raubtiersichere Einzäunungen erhöhen die Sicherheit für Nutztiere. Impfprogramme schützen sie zusätzlich und reduzieren Krankheitsübertragungen – auch auf die Menschen.

In Kooperation mit einem Landwirtschaftsforum in Simbabwe unterstützt der WWF die Errichtung von rund 60 Demonstrationsfeldern für sogenannte Farmer Field Schools. Auf diesen Feldern testen Bauern neue Anbaumethoden. Wie sich diese auf Böden und Biodiversität auswirken, wird mittelfristig erforscht werden.

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Ein Community Game Gard zeigt ein Blatt

Wildhüter führen Buch über Zwischenfälle. Die Daten werden später ausgewertet und helfen die Tierbestände zu kontrollieren und Schäden an Nutztieren zu reduzieren.

Bisherige Erfolge und Ausblick

Seit Beginn des Projektes konnten zusammen mit der Bevölkerung die ersten grenzüberschreitenden Wildtierzählungen durchgeführt werden, wichtige Wildtierkorridore wurden identifiziert, und das Programm der kommunalen Hegegebiete erfolgreich ausgebaut. Mit Unterstützung der zuständigen Behörden gelang es, ein Kaza-Touristenvisum einzuführen, das grenzüberschreitende Reisen in den Kaza-Ländern vereinfacht.

Die Unterstützung des Kaza-Schutzgebietsverbunds ist ein langfristig angelegtes WWF-Programm. Ziel ist es, dass lokale Organisationen und die betroffenen Gemeinden ihre Anliegen langfristig selbstständig vertreten und dabei erfolgreich sind. Der WWF unterstützt den weiteren Ausbau der bisherigen Erfolge in Namibia und organisiert den Austausch mit den Nachbarländern, um die «best practices» weiterzuverbreiten. Der Schutz der Artenvielfalt muss verstärkt den Menschen zugutekommen, die mit den Wildtieren vor ihrer Haustüre leben.

Was Sie tun können

 Helfen Sie uns, die spektakuläre Artenvielfalt im südlichen Afrika zu erhalten. Unterstützen Sie die Projekte des WWF mit einer Patenschaft. Und Augen auf beim Souvenirkauf mithilfe unseres Ratgebers.

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Afrikanische Elefanten in Kenia

Artenschutz-Patenschaft

Mit einer Patenschaft für den Artenschutz helfen Sie mit, dass bedrohte Tierarten in der Wildnis geschützt werden können.

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Keramik und Holzschalen an einem Marktstand in Tabarka, Tunesien.

Souvenir-Ratgeber

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