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Fischer
WELTSICHTEN

News und Analyse aus der internationalen Zusammenarbeit des WWF Schweiz

Liebe Leserin, lieber Leser,

täglich lernen wir Neues in der Zusammenarbeit mit Ihnen, mit den Kolleg:innen anderer WWF-Büros, unterwegs im Feld mit lokalen Partnern und den Bewohner:innen vor Ort. Was wir lernen, fliesst ein in neue Ansätze und wird getestet. Manches funktioniert blendend, anderes weniger. 

Unser neuer Newsletter berichtet von dieser Reise. Wir haben uns erlaubt, Sie dazu einzuladen. Alle drei Monate nehmen wir Sie mit, um mit uns zu erkunden, was der WWF Schweiz und seine Partner entwickeln. Von ganzen Konzepten bis zu kleinen Änderungen, von denen wir uns gleichwohl Impact erhoffen oder auf die wir einfach stolz sind. Wir freuen uns, dass Sie mit uns die erste Etappe der Reise gehen und hoffen, sie gefällt Ihnen und Sie bleiben dabei ­und empfehlen den Newsletter gar weiter

Nehmen Sie uns beim Wort «Lernen» und teilen Sie uns mit, was Sie anders machen würden, was Sie als Nächstes lesen möchten und gerne auch, was gefallen hat. Dieser Call to Action wird in jeder Folge enthalten sein. Versprochen.

 

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Kaza wide

Fünfmal mehr lokale Mittel dank neuem WWF-Ansatz

Geld ist Selbstbestimmung. Der WWF Schweiz unterstützt deshalb WWF-Büros in Ländern mit tiefen und mittleren Einkommen dabei, aus eigener Kraft neue Finanzquellen zu erschliessen. Höchst erfolgreich: Jeder investierte Franken hat fünf Franken neue Mittel eingebracht, die die Büros in Projekte und in ihre Entwicklung stecken können. Ganz so, wie sie es für richtig halten. 
Von Bella Roscher, Verantwortliche ODIG

Das Fundraising-Team des WWF Adria hat die Zahl seiner Unternehmenspartnerschaften auf neun verdreifacht und fast 400’000 Franken generiert. Der WWF Namibia verwandelte 200’000 Franken in mehr als zwei Millionen und baute starke Partnerschaften mit der Zivilgesellschaft auf. In Kolumbien vervielfachten WWF-Fundraiser:innen 654’000 Schweizer Franken auf drei Millionen, die für den Naturschutz investiert werden können. Wie ist das möglich? Diese Teams erhielten Unterstützung durch das ODIG-Programm von WWF Schweiz.

«Ein Unternehmen, das wachsen möchte, nimmt einen Kredit auf oder gibt Aktien aus. Als NGO können wir das nicht. Es besteht die Gefahr, dass unser Impact im Naturschutz nur langsam wächst, weil wir keinen Zugang zu Kapitalmärkten haben. Genau deshalb liebe ich ODIG. ODIG ist unser Weg, Kapital zu erschliessen und unser Wachstum zu beschleunigen ­­– und wir müssen dringend schneller werden!»

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Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz

Aus eins mach fünf: Das ODIG-Prinzip
ODIG? Das Akronym steht für Organizational Development for Income Generation – ein mutiger, neuer Ansatz zur Mittelbeschaffung. Dank ihm konnten WWF-Büros in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen Investitionen des WWF Schweiz so einsetzen, dass sie das Fünffache an Geldern für den Naturschutz sichern konnten. Entwickelt hat ODIG die Abteilung des WWF Schweiz für internationale Zusammenarbeit, GND (Global Network Development). Am Anfang standen der Entscheid des WWF Schweiz, in diesen Ansatz zu investieren, und der gemeinsame Wille zusammen mit den beteiligten WWF-Büros Neues zu erproben und zu lernen. 

Acht WWF-Büros stärken ihre Fundraising-Teams
Dieser Pioniergeist wurde belohnt: Seit dem Start im Jahr 2020 beweist das ODIG-Programm, dass es den Naturschutz-Impact bestehender Mittel vervielfachen kann. Zwischen 2020 und 2025 unterstützte ODIG acht WWF-Büros: Adria, Kaukasus, Chile, Kolumbien, Kenia, Namibia, Philippinen und Vietnam sowie zwei Regionen: Asien-Pazifik 30 und Lateinamerika/Karibik. So profitieren die Teams:

  • Über 200 Stunden individuelles Coaching pro Jahr zu Themen wie Unternehmenspartnerschaften, Philanthropie, individuelles und digitales Fundraising, Innovation und Personalrekrutierung
  • Monatliche Speed Cafés: Austausch über Herausforderungen, Best Practices und Netzwerkbildung
  • Halbjährliche Bootcamps: Intensivtrainings zu innovativem Fundraising, Kostenmanagement, Spenderbindung und mehr

Ajay Barai, WWF-Regionaldirektor für Europa und Nordafrika, betont: «ODIG hilft WWF-Büros dabei, zu wachsen und finanziell unabhängiger zu werden. Es nutzt Know-how, das der WWF in etablierten Märkten erarbeitet hat, und das wir auf neue Märkte übertragen können. Dort haben wir die Chance schneller Unterstützer zu gewinnen als in gesättigten Märkten ­und dies mit tieferen Kosten.»

ODIG macht das WWF-Netzwerk widerstandsfähiger und moderner
Bisher stammen über 80 Prozent der WWF-Einnahmen weltweit aus Nordamerika und Europa, man könnte von einer 80/20-Regel sprechen. Büros in anderen Ländern sind auf diese Mittel angewiesen, um Naturschutz vor Ort umzusetzen. ODIG will diese Dynamik verändern: Die Büros sollen ihre lokale Fundraising-Kapazität ausbauen und mehr freie Mittel generieren, um unabhängiger, schneller und schlagkräftiger zu werden.
Thomas Vellacott: «Im WWF-Netzwerk gibt es eine starke Tendenz zum Status quo: Fundraiser im Norden, Umsetzer im Süden. Wer an diesen Rollen rüttelt, sorgt anfangs für Unbehagen. Das ist verständlich, aber wir können es uns nicht leisten, in der Komfortzone zu bleiben. ODIG hilft uns, eine widerstandsfähigere und zeitgemässere Organisation zu werden.»
Eine starke, unabhängige Zivilgesellschaft ist entscheidend, um Umweltzerstörung zu stoppen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und nachhaltige Entwicklung langfristig zu sichern. ODIG trägt dazu bei, indem es die WWF-Büros in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen stärkt ­ und damit auch deren Partnerorganisationen. Sie erwirtschaften zunehmend eigene (freie) Mittel, um Lebensgrundlagen zu verbessern, grössere Naturschutzwirkung zu erzielen und Advocacy-Kapazitäten zu aufzubauen.

Nachhaltige Meeresprodukte: Partnerschaft in Kroatien
Ein gutes Beispiel für den ODIG-Impact kommt aus Kroatien: Das WWF-Adria-Team konnte dank ODIG sechs neue Unternehmenspartnerschaften abschliessen. Eine davon mit Valamar, eine kroatische Firma im Gastgewerbe, die seit 2022 mit WWF Adria zusammenarbeitet. Valamar unterstützt zum Beispiel die lokale Fischerkooperative Komiža. Fischen ist auf der Insel Vis mehr als ein Beruf – es ist gelebte Tradition. Die Komiža-Kooperative, eine der ältesten der Region, setzt auf kleine Boote und umweltfreundliche Methoden, um Fischbestände und den artenreichen Meeresboden der Adria zu schützen.
Ferner arbeitet Valamar mit dem WWF Adria an einem Aktionsplan, um den Anteil nachhaltiger Meeresprodukte in Hotels, Resorts und Campingplätzen bis 2026 zu erhöhen. Alle bedrohten Fisch- und Meeresarten werden von den Speisekarten gestrichen. Die gute Nachricht: Der köstliche Seehecht aus Komiža ist bereits ein Hit auf den Speisekarten der Valamar-Restaurants.

«ODIG unterscheidet sich von der klassischen Finanzierung für Naturschutz, weil das Programm Mittel für die Organisationsentwicklung zur Verfügung stellt. Es sind Mittel, die wir für unsere eigene Organisation und unsere Partner einsetzen können. Das bewirkt enorm viel.»

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Juliane Zeidler, CEO WWF Namibia

Ziel: 25 Fundraiser und 50 Millionen Franken für den Naturschutz
Das Fazit aus sechs Jahren Aufbauarbeit: Fundraising in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist nicht nur möglich, sondern oft rentabler als in etablierten Märkten. Die Erfolgsfaktoren? Das grosse Engagement der beteiligten WWF-Büros und der Wille, die Agenda der Lokalisierung nicht nur in Konzepten zu denken, sondern in der Praxis umzusetzen und Neues zu erproben. Wichtig auch der Entscheid des WWF Schweiz, dafür langfristig Ressourcen einzusetzen. 
Es begeistert, die ODIG-Familie wachsen zu sehen, Wissen zu teilen und das Fundraising in WWF-Büros durch Peer-Learning zu stärken. Gemeinsam können wir den Status-quo verändern und wegkommen davon, dass 80 Prozent der Mittel für den Naturschutz aus dem globalen Norden kommen. In den nächsten drei Jahren wollen wir das Programm weiter entwickeln und ausbauen. Dabei setzen wir auf das, was sich als wirksam erwiesen hat: zum Beispiel auf Coaching und gemeinsame Best-Practice-Sessions. Neue Ansätze wie individuelle Learning Journeys kommen dazu. 
Unsere Ziele bis 2028 sind hoch gesteckt: In dieser Zeit will der WWF Schweiz mindestens 25 Fundraising-Stellen unterstützen und mindestens 50 Millionen Schweizer Franken für lokal geführte Naturschutzprojekte mobilisieren. Damit die bisherige 80/20-Regel endgültig der Vergangenheit angehört.

Fragen, Anregungen zu ODIG?

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Diskussion Namibia
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Diskussion Kolumbien
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Lachs_schwimmt_im_Wasser

ODIG ermöglicht selbstbestimmte Projekte. Namibia, Kolumbien, Kroatien.


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Postkarte

Stanley Engel lässt invasive exotische Bäume fällen, um Wasser zu sparen.

Zusammen für mehr Wasser

Stanley Engel ist stolz auf die gefällten Bäume. Das mag erstaunen, weil normalerweise alle den Wald schützen wollen. Doch diese Bäume sind Exoten hier in der Grossregion Kapstadt. Sie verdrängen das einheimische Ökosystem, den artenreichen Fynbos, und sie verbrauchen sehr viel Wasser.
Wasser aber ist knapp in der Kapregion, die berühmt ist für ihre Weine und Früchte. 2018 kam es nach einer dreijährigen Dürre fast zur Katastrophe, als das Wasser weder für die intensive Bewässerung noch für die Menschen Kapstadts mehr ausreichte. Der WWF Südafrika arbeitet mit Behörden, Umweltorganisationen und Farmerverbänden zusammen, um den Wasserstress zu reduzieren. Gemeinsam erproben sie in diesem Freiluftlabor Ansätze, um Wasser gerecht zu verteilen, den Verbrauch zu senken und Mensch und Natur resilienter zu machen. Die Lösungen, die hier erarbeitet werden, könnten in anderen Regionen Südafrikas und weltweit adaptiert werden.

Die Arbeit des WWF Südafrika zeigt, wie viel sich erreichen lässt, wenn man über viele Jahre in der gleichen Gegend mit wichtigen Partnern zusammenarbeitet. «Landscape-Ansatz» nennt der WWF diese Arbeitsweise, die wir von Südamerika über Afrika bis Südostasien erfolgreich praktizieren. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse einzelner Projekte keine isolierten und kurzfristigen Erfolge bleiben, sondern bleibende Bausteine eines grossen Ganzen sind.

Stanley Engel ist so genannter Catchment Coordinator der Wassernutzervereinigung des Berg Rivers, der Kapstadt östlich umfliesst. Engel arbeitet mit den Farmern der Gegend zusammen, um das Einzugsgebiet des Flusses zu verwalten: Wo müssen invasive Bäume gerodet werden? Wo muss ein Wasserlauf gereinigt werden? Wer erhält wie viel Wasser? Eigentlich ist vieles gesetzlich geregelt und von vielen Arbeiten profitieren alle, trotzdem funktioniert es nicht ohne Stanley Engel, weil sonst alle dazu tendieren, nur die eigene Arbeit und die eigenen Kosten zu sehen, statt den Gewinn für alle.
Die Funktion des Catchment Coordinators wurde von Mitarbeitern des WWF Südafrika erfunden, weil sie gemerkt hatten, dass die Wassernutzervereinigungen nicht optimal funktionierten. «Früher schaffte es das Landwirtschaftsministerium nicht, die Bauern zu nötigen Arbeiten zu bewegen», erzählt Engel. «Es fehlte ihm an Glaubwürdigkeit». Seit Engel in Jeans und Stiefeln von Farm zu Farm geht, mit den Landwirten redet und selbst zum rechten schaut, sind die Bauern gewillt, ihren Teil an Arbeit oder Finanzierung zu leisten. «Mittlerweile kommen sogar Bauern zu mir und wollen Rodungen entlang ihres Flussstücks starten, wenn dies vom Ministerium noch nicht geplant ist.»

Studien haben gezeigt, dass die Rodung von invasiven Bäumen die günstigste Art ist, um dringend benötigtes Wasser für Mensch und Natur zu gewinnen. Doch dem Staat und den Landbesitzern fehlt das Geld, um genügend abzuholzen. Manche Gebiete sind zu Zweidritteln überwachsen. Stanley Engel kann auch hier helfen. Sein Job ist es auch, zusätzliche Mittel vom Staat oder Privaten einzuwerben, um mehr roden zu können, als das Budget hergeben würde. So können pro Franken, den Geldgeber dem Projekt des WWF Südafrika geben, umso mehr Hektaren von invasiven Bäumen befreit werden, weil die Stanley Engels im Projekt weitere Mittel mobilisieren.
Die Wirkung ist spür- und sichtbar. Melissa van Niekerk vom Boschendal Weingut berichtet davon, dass die Wasserspeicher länger voll sind, seit invasive Bäume auf dem Gebiet der Farm entfernt werden. Die Nachbarn interessieren sich nun auch für diesen Ansatz. Und auch die Natur profitiert: Im Kogelberg Biosphärenreservat konnten auf einer gerodeten Fläche kurz danach wieder 157 einheimische Pflanzen identifiziert werden. Das ist zwar erst ein Bruchteil der 9000 Arten des enorm artenreichen Fynbos, aber es ist ein Beginn.

Aufgezeichnet von Thomas Häusler, verantwortlich beim WWF Schweiz für das Projekt in Südafrika

Melissa van Niekerk vom Boschendal Weingut berichtet über die positiven Auswirkungen, wenn invasive Bäume gerodet werden.

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Fynbos
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Fynbos
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Fynbos 1

Rodungsarbeiten. Fynbos-Pflanzen


Das internationale Programm des WWF Schweiz wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, mit einem Kernbeitrag unterstützt.


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Impressum: Global Network Development (GND), WWF Schweiz
Redaktion: Thomas Häusler

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