16. Juni 2026 — Medienmitteilung

Achtung, fertig, Schluss? Nationalrat erteilt Atomträumen eine vorläufige Absage

Der Nationalrat hat den indirekten Gegenvorschlag zur Atom-Initiative heute zurückgewiesen. Ein wichtiger, wenn auch überfälliger Entscheid. Nun muss der Ständerat einlenken und ebenfalls verlangen, dass insbesondere die diversen offenen Kosten- und Versicherungsfragen geklärt werden.

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Blick von der deutschen Seite auf das Kernkraftwerk Leibstadt auf der schweizer Seite

Dazu Patrick Hofstetter, Klima- und Energieexperte beim WWF Schweiz:

«Abgesehen von allen Risiken sind neue Atomkraftwerke wirtschaftlich schlicht unhaltbar. Die Technologie verliert seit 30 Jahren international an Marktanteil – deutlicher kann ein Marktsignal nicht sein. Wir können uns diesen kostspieligen energiepolitischen Rückschritt nicht leisten.»

Atomträume lösen keine Probleme
Selbst wenn alle Probleme der Atomenergie ausgeblendet würden, löst ein neues AKW die Herausforderung der Energieversorgung im Winter nicht. Bis neue Reaktoren am Netz wären, dauert es mindestens 20 Jahre. Der Beitrag zur mittelfristigen Versorgungssicherheit oder zum Erreichen der Klimaziele ist entsprechend inexistent. Die Diskussionen um die sogenannte Technologieoffenheit sind realitätsferne Träumereien ohne praktischen Nutzen. Neue Atomkraftwerke schaffen für die Schweiz jahrzehntelange Abhängigkeiten, denn das für den Betrieb benötigte Uran muss aus dem Ausland importiert werden.  

Vergoldeter Bremsklotz 
Neue Atomkraftwerke gehören zu den teuersten Formen der Stromproduktion. Baukosten laufen regelmässig aus dem Ruder, Projekte verzögern sich um Jahre oder Jahrzehnte. Das gefährdet die Schweizer Klimaziele und verlängert unsere Abhängigkeit von fossilen Energien.  

Um die Neubaukosten von rund 20 Milliarden Franken pro Reaktor zu stemmen, bräuchte es massive staatliche Subventionen. Ein Blick ins Ausland zeigt die Dimensionen: 3,3 Milliarden Euro sollte die Konstruktion des Reaktors Flamanville-3 kosten, heute werden die Gesamtkosten mit 23,7 Milliarden Euro veranschlagt.

Fördergelder können nur einmal ausgegeben werden. Jede Subventionierung neuer AKW würde Mittel von den erneuerbaren Energien abziehen – und gleichzeitig die Strompreise über Jahrzehnte unnötig erhöhen. Das macht den Ausstieg aus Öl und Gas teurer und langsamer.

Risiken unverändert 
Alle zentralen Probleme der Atomenergie sind ungelöst: Der Uranabbau verursacht gravierende Umwelt- und Gesundheitsprobleme. Das Risiko für schwere Unfälle bleibt bestehen. Wie katastrophal die Folgen für Mensch und Natur sein können, zeigt die Geschichte. Auch das Entsorgungsproblem ist ungelöst: Kein Land weltweit verfügt über ein betriebsbereites Endlager, das über Hunderttausende von Jahren sicher funktioniert. Damit wird langfristige Verantwortung auf zukünftige Generationen abgewälzt.  

Energiezukunft ist erneuerbar  
Ein zukunftsfähiges Stromsystem basiert auf Effizienz, Flexibilität und dezentraler Produktion. Atomkraftwerke sind das Gegenteil: gross, unflexibel und schlecht kompatibel mit Solar- und Windenergie.

Kontakt:
Sebastian Obrist, Mediensprecher, sebastian.obrist@wwf.ch, 077 417 68 19