Coop und Halba an der Spitze des internationalen Schokoladen-Rankings
Chocolate Scorecard 2026: Der WWF Schweiz gratuliert zu diesem Erfolg. Gleichzeitig sind noch immer nur zwei Drittel des globalen Kakaos rückverfolgbar. Um die dramatisch fortschreitende Entwaldung aufzuhalten, braucht es volle Transparenz.
Halba und Coop: Spitzenresultate in allen Kategorien
- Halba, Coop-Produktionsbetrieb und Herstellerin der eigenen Schokoladenmarke, siegt in der Kategorie der grossen Unternehmen mit Spitzenbewertungen in allen Bereichen.
- Coop überzeugt als beste Detailhändlerin.
- Der WWF Schweiz, der seit Jahren mit Coop zusammenarbeitet, gratuliert Coop und Halba zu diesem hervorragenden Ergebnis.
- Gleichzeitig zeigt die Scorecard, dass die Branche insgesamt noch grossen Handlungsbedarf hat, vor allem beim Schutz der Regenwälder.
Die Chocolate Scorecard wird jährlich von der Organisation Be Slavery Free herausgegeben und bewertet Schokoladen- und Kakaounternehmen weltweit nach ihrer Leistung in den Bereichen Rückverfolgbarkeit, existenzsichernde Einkommen, Entwaldung, Agroforstwirtschaft und Pestizideinsatz. Von 80 eingeladenen Unternehmen haben 49 an der diesjährigen Ausgabe teilgenommen.
Halba hat in der Kategorie der grossen Unternehmen alle Mitbewerber hinter sich gelassen und in sämtlichen Bewertungsbereichen Bestnoten erhalten. Dieses Resultat ist weltweit einzigartig in dieser Grössenklasse. Coop wurde als beste Detailhändlerin ausgezeichnet. Beide Unternehmen beweisen, dass Nachhaltigkeit im Kakaobereich auch bei grossem Volumen möglich ist. Der WWF Schweiz arbeitet seit vielen Jahren mit Coop als Unternehmenspartnerin zusammen. Umso mehr freut es uns, dass sich diese Zusammenarbeit auch in konkreten Fortschritten im Kakaosektor niederschlägt.
Zitat Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz: «Coop und Halba zeigen, dass es auch in einem herausfordernden globalen Markt möglich ist, Verantwortung zu übernehmen und in Transparenz und Nachhaltigkeit zu investieren. Wir gratulieren herzlich und wünschen uns, dass auch andere Unternehmen diesem Beispiel folgen.»
Positiv hervorzuheben ist auch die Migros: Das Unternehmen erhält den sogenannten «Retail Stayers Award», eine Anerkennung für Unternehmen, die trotz Unterbruch zur Scorecard zurückgekehrt sind und damit Bereitschaft zur Transparenz signalisieren.
Ein Drittel des Kakaos bleibt ohne Entwaldungsschutz
Das erfreuliche Abschneiden der Schweizer Unternehmen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schokoladenindustrie insgesamt weiterhin grosse Lücken aufweist. Im Durchschnitt sind nur 71 Prozent des von den bewerteten Unternehmen bezogenen Kakaos durch Entwaldungsschutz-Systeme abgedeckt. Fast ein Drittel bleibt ohne Überwachung, ein Viertel der Unternehmen kontrolliert weniger als die Hälfte seiner Kakaovolumen.
Besonders beunruhigend ist der sogenannte Verlagerungseffekt: Wo in traditionellen Anbaugebieten Überwachungssysteme besser werden, verlagert sich der Druck. Gebiete wie das Kongobecken oder die Regenwälder Liberias sind davon zunehmend betroffen. Kakao, der nicht rückverfolgbar ist, stammt mit höherer Wahrscheinlichkeit aus solchen Hochrisikozonen, wo die Kontrollsysteme schwach und die Wälder noch weitgehend intakt sind.
Unternehmen wie Mondelez (mit Marken wie Toblerone und Suchard) und Starbucks, die keine Informationen für die Scorecard bereitgestellt haben, fallen in die schlechteste Kategorie und zeigen damit, wie weit einzelne Akteure noch von grundlegender Transparenz entfernt sind.
Zitat Romain Deveze, Kakao-Experte WWF International: «Die mangelnde Rückverfolgbarkeit begünstigt Entwaldung nach wie vor. Solange Bauern in Armut leben, bleibt die Rodung neuer Waldflächen die einfachste Option. Wir sehen bereits, wie sich dieser Druck in neue Gebiete wie Liberia und das Kongobecken verlagert.»
Notwendige nächste Schritte
Die Scorecard zeigt, dass vollständige Rückverfolgbarkeit bis auf Farmebene machbar ist. Das Ziel muss sein, diese Praxis in der ganzen Branche zum Standard zu machen. Der WWF fordert Unternehmen auf, über freiwillige Zertifizierungssysteme hinauszugehen, Produzenten in Hochrisikogebieten gezielt zu unterstützen und vollständige Lieferkettentransparenz zu realisieren. Die Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung ist von besonderer Bedeutung. Zudem setzt sich der WWF dafür ein, den Kakao-Bauern faire Preise zu bezahlen, um Kinderarbeit zu verhindern und ihnen ein würdevolles Leben zu ermöglichen.
Kontakt:
Lydia Ebersbach, Mediensprecherin, WWF Schweiz, lydia.ebersbach@wwf.ch, 0774350541
Weitere Informationen:
Link zur Chocolate Scorecard