05. Mai 2026 — Medienmitteilung

Das Zeitfenster für die Rettung des Roi du Doubs verkürzt sich

Zum dritten Mal in Folge hat sich Océane, ein Weibchen der Fischart Roi du Doubs, in diesem Frühjahr fortgepflanzt. Seit 2025 wird sie im Aquarium der Zitadelle von Besançon gehalten. Sie ist die letzte Vertreterin dieser Art in der Schweiz. Angesichts ihres fortgeschrittenen Alters ist zu befürchten, dass es keine weitere Fortpflanzung geben wird. Das Zeitfenster, um das Aussterben dieser Art zu verhindern, ist mittlerweile winzig: Wenn Bund, Kantone und Gemeinden nicht sehr schnell handeln, wird die Schweiz das Verschwinden des Roi du Doubs miterleben – ein sehr schlechtes Omen für den Zustand des Doubs in den kommenden Jahren.

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Océane, apron du Doubs

Océane, der letzte Rhône-Streber

Der Rhône-Streber (Zingel asper), besser bekannt als «Roi du Doubs», ist ein kleiner Fisch aus der Familie der Barsche. Wie sein Name schon sagt, ist diese Art an das Einzugsgebiet der Rhône gebunden. In der Schweiz lebt er nur noch im Doubs, wo er vom Aussterben bedroht ist – und mit ihm sein genetisches Erbe. Der streng geschützte Rhône-Streber ist Anlass für einen nationalen Aktionsplan zugunsten des Doubs, der vom Bundesamt für Umwelt in Zusammenarbeit mit den Kantonen Jura und Neuenburg geleitet wird. Ein ganzer Katalog vorgeschlagener Massnahmen ist ihm gewidmet, die leider bislang erfolglos blieben. Angesichts der Dringlichkeit der Lage muss nun eine Aktion der letzten Chance ergriffen werden.

Eine Königin zur Rettung des Roi du Doubs
Im Jahr 2023 wurde der letzte Rhône-Streber im Doubs gefunden. Seit drei Jahren wird dieses Weibchen  namens Océane jedes Frühjahr mit Männchen aus einem anderen Fluss des Rhône-Einzugsgebiets  zusammengebracht. Die Jungfische aus den ersten beiden Nachzuchten werden bei Aquatis in Lausanne  sowie im Zoo Basel gehalten, und die in diesem Frühjahr geschlüpften Larven befinden sich im Aquarium  von Besançon. Da ihre Mutter noch am Leben ist, stellen sie die letzte Chance dar, die genetische  Besonderheit des Roi du Doubs zu retten. Diese Chance muss genutzt werden, indem ein echtes  Rettungsprogramm für den Rhône-Streber gestartet und die Feldforschung fortgesetzt wird.

Die Zeit drängt für den Doubs
Der Rhône-Streber stellt hohe Anforderungen an seinen Lebensraum und reagiert sehr schnell auf  Veränderungen in seiner natürlichen Umgebung. Somit spiegelt die Entwicklung seiner Populationen den  Gesundheitszustand der Flüsse wider, in denen er lebt. Sein stilles Verschwinden aus dem Jura-Fluss ist ein  Alarmsignal für das gesamte Ökosystem des Doubs. Trotz der seit Inkrafttreten des Aktionsplans im Jahr  2015 geleisteten Arbeit müssen noch wichtige Massnahmen umgesetzt werden: Die freie Wanderung der  Fische muss ermöglicht, der Sedimenttransport wiederhergestellt und die Wasserqualität verbessert  werden. Diese Massnahmen kommen langfristig sowohl dem Rhône-Streber als auch allen Arten des Doubs  zugute. Kurzfristig fordern die NGOs die Behörden jedoch dringend auf, alles zu tun, um den Roi du Doubs zu retten.

Kontakt:

WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, 079 241 60 57, jonas.schmid@wwf.ch 

Pro Natura: Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, nathalie.rutz@pronatura.ch

Schweizerischer Fischerei-Verband (SFV): David Bittner, Geschäftsführer 079 461 91 78, david.bittner@sfv-fsp.ch