04. September 2026 — Medienmitteilung

Mercosur: Kommission lehnt Schutz vor Entwaldung ab - und gefährdet damit das Abkommen

Die aussenpolitische Kommission des Ständerats lehnt es ab, das Mercosur-Freihandelsabkommen mit wirksamen Regeln gegen die Entwaldung zu flankieren. Damit dürfte das Abkommen einen schweren Stand vor der Stimmbevölkerung haben. Nun liegt es am Ständerat, eine mehrheitsfähige Lösung auszuarbeiten.

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Entwaldung Amazonas

Der WWF bedauert diesen Entscheid der ständerätlichen Kommission. Sie verpasst damit die Chance, die mit den Handelsströmen nach Südamerika verbundenen Entwaldungsrisiken verbindlich zu adressieren. 
Das Mercosur-Abkommen ist für die Schweizer Wirtschaft wichtig – gerade in geopolitisch angespannten Zeiten und mit Blick auf Südamerika als Markt der Zukunft. Gleichzeitig ist die Region ein globaler Entwaldungshotspot: Allein in Brasilien gingen 2025 rund eine Million Hektar Vegetation verloren – etwa ein Viertel der Fläche der Schweiz. Ökosysteme wie der Amazonas und der Cerrado sind jedoch absolut zentral für den globalen Klima- und Biodiversitätsschutz und stehen durch den internationalen Handel massiv unter Druck.

Für den WWF ist klar: Die bisherigen Bestimmungen des Abkommens reichen nicht aus, um entwaldungsfreie Lieferketten zu garantieren. Erst verbindliche Massnahmen schaffen die nötige Sicherheit. Mit der EU-Entwaldungsverordnung liegt dafür eine wirksame Lösung auf der Hand, so wie dies die Mehrheit der Nationalratskommission vorgeschlagen hatte. Ihre Übernahme wäre die ideale Begleitmassnahme zum Mercosur-Abkommen – und würde verhindern, dass die Schweiz zum Absatzmarkt für Produkte aus frisch abgeholzten Flächen wird. Sie hätte jene Rückverfolgbarkeits- und Sorgfaltspflichten eingeführt, die im Abkommen selbst fehlen. Diesen Weg gehen die EU-Staaten bereits. Und Schweizer Unternehmen, die in die EU exportieren, müssen die Vorgaben ab Inkrafttreten per Ende 2026 sowieso erfüllen, unabhängig von der rechtlichen Lage in der Schweiz. Auch aus diesem Grund bemühten sich Schweizer Unternehmen wie Nestlé, SIG und Barry Callebaut darum, entsprechende Bestimmungen in der Schweiz umzusetzen, um gleiche Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer zu schaffen.

Die Nachbefragung zur Volksabstimmung über das Indonesien-Abkommen hat zudem deutlich gemacht, dass der Schutz des Regenwalds für die Schweizer Stimmbevölkerung ein zentrales Anliegen ist. Wer das Mercosur-Abkommen mehrheitsfähig machen will, muss verbindliche Natur- und Umweltschutzstandards verankern.

Es liegt nun am Ständerat, die Vorlage entsprechend zu verbessern und mehrheitsfähig zu gestalten.

Kontakt: 
Jonas Schmid, Mediensprecher, 079 241 60 57, jonas.schmid@wwf.ch