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Tiger im Kanha Nationalpark, Indien

Waldschutz für Mensch und Wildtier in Myanmar und Thailand

Die Wälder der Dawna-Tenasserim-Landschaft in Thailand und Myanmar verfügen über eine eindrückliche Artenvielfalt. Sie geraten durch menschliche Eingriffe jedoch zunehmend unter Druck. Der WWF setzt sich gemeinsam mit den Menschen vor Ort für eine nachhaltige Nutzung des Waldes ein. Speziell im Fokus ist der Schutz der grössten Tigerpopulation Südostasiens und der Asiatischen Elefanten.  

In der Dawna-Tenasserim-Landschaft im Grenzgebiet zwischen Myanmar und Thailand sind mehr als 80 Prozent der Fläche bewaldet. Mit 179’000 Quadratkilometern ist die Region mehr als viermal so gross wie die Schweiz und eines der artenreichsten und grössten Waldgebiete in Südostasien. In den Wäldern leben rund 168 Säugetierarten. Dazu gehören auch bedrohte Arten wie die Asiatischen Elefanten, Tiger und Leoparden.

Das Waldökosystem hilft wesentlich dabei, die diversen Auswirkungen der Klimaveränderung zu dämpfen. Und es liefert rund 30 Prozent des Trinkwassers für die Zwölf-Millionen-Stadt Bangkok. Die Dawna-Tenasserim-Region ist ausserdem Heimat für 50'000 Menschen, die grösstenteils der ethnischen Gruppe der Karen angehören.

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Asiatischer Elefant in Kui Buri National Park in Thailand
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Schwimmender Tiger

In den Dawna-Tenasserim-Wäldern leben rund 168 Säugetierarten. Dazu gehören auch bedrohte Arten wie die Asiatischen Elefanten und Tiger.

Abholzung, Wilderei, Mensch-Wildtier-Konflikte

«Wo ausgedehnte, zusammenhängende Waldflächen schwinden und die Lebensräume für Tiere und Pflanzen immer mehr voneinander isoliert werden, sind Wildtierkorridore von grosser Bedeutung für den Austausch zwischen Populationen.»

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Doris Calegari

Die einzigartige Landschaft gerät durch menschliche Eingriffe jedoch zunehmend unter Druck. Die unkontrollierte Abholzung des Waldes fördert die Erosion und gefährdet langfristig sowohl die wirtschaftliche Sicherheit als auch die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung in der Region und im weiteren Umland. Strassenprojekte zerschneiden intakte Lebensräume für Wildtiere und öffnen ehemals schwer zugängliche Gebiete für Wilderei oder für weitere Abholzungen. Den lokalen Behörden fehlen oft die Mittel, Gesetze in diesen ländlichen Regionen durchzusetzen. Zudem wird die lokale Bevölkerung meist ungenügend in die Entscheidungsfindung und in Monitoring-Aufgaben einbezogen, was eine nachhaltige Nutzung zusätzlich erschwert.

Der Verlust und die Fragmentierung der Wälder führen auch dazu, dass sich die Territorien einzelner Individuen seltener Arten nicht mehr überschneiden, sodass deren Fortpflanzung abnimmt. Gerade bei Grosskatzen wie dem Tiger ist dieses Risiko hoch. Fragmentierung führt häufig auch zu knappen Nahrungsressourcen für Wildtiere. Raubtiere weichen bei Knappheit von Beutetieren nach Möglichkeit auf Nutztiere aus, Elefanten fressen reife Feldfrüchte von den Feldern und kommen menschlichen Siedlungen nahe. Dies wiederum erhöht das Risiko von Konflikten mit der lokalen Bevölkerung, die ihre Nutztiere und Felder verteidigt. Als Folge davon nimmt die illegale Jagd zu und gefährdet die Bestände der Elefanten und Grosskatzen.

Waldschutz und Artenschutz, gemeinsam mit den Menschen vor Ort

Der WWF engagiert sich in der Dawna-Tenasserim-Landschaft auf verschiedenen Ebenen, immer im Dialog mit den lokalen Gemeinschaften. Zum einen setzen wir uns für den Schutz des Waldes ein und entwickeln Pläne für eine nachhaltige Nutzung des Waldes. Wir engagieren uns zudem gegen die Wilderei, und drittens suchen wir nach effektiven und einfach umsetzbaren Lösungen für ein konfliktfreies Zusammenleben von Menschen und Wildtieren wie Tigern oder Elefanten.

1. Wälder nachhaltig nutzen

Für politische Diskussionen mit den zuständigen Regierungen und Behörden hilft es, wenn wir die Ursachen der heutigen Entwaldung kennen und gezielte Gegenmassnahmen vorschlagen können. Deshalb dokumentieren wir die Entwaldung und analysieren die Ursachen. Das Ziel ist, dass die Politiker:innen beider Länder den Wert eines intakten Waldökosystems verstehen und den Schutz der Landschaft in zukünftigen Landnutzungsplänen berücksichtigen. Gleichzeitig erarbeiten wir mit lokalen Gemeinschaften, die an unseren Aktivitäten interessiert sind und sich beteiligen wollen, Wege, wie sie den Wald ertragbringend und zugleich nachhaltig nutzen können. Dazu gehören beispielsweise auch Verbesserungen von landwirtschaftlichen Anbaumethoden, die helfen, Bodenwasser zurückzuhalten und die Erosion zu stoppen, damit die Böden langfristig produktiv bleiben.

2. Tiger und Elefanten vor der Linse

Nur wenn wir wissen, wo Elefanten, Tiger, Leoparden und andere Arten leben, können wir für sie besonders wichtige Waldflächen und Wanderkorridore schützen. Das Monitoring der beiden Schlüsselarten Elefant und Tiger gibt stellvertretend für die ganze Artenvielfalt der Region Auskunft über den Zustand der Wälder. Dazu werden in Myanmar und Thailand Kamerafallen aufgestellt. Der WWF koordiniert das Sammeln der Fotofallen-Bilder unter den Partnern und Partnerinnen und fördert den Dialog zur Interpretation der Daten für weitere Schritte zum Schutz der Region.

3. Für ein Miteinander von Menschen und Wildtieren

Zusammen mit Nationalparks und lokalen Gemeinschaften bilden wir Wildhüter:innen aus. Sie helfen, die kommerzielle Wilderei von Tigern oder Elefanten zu bekämpfen, und sie sorgen beispielsweise auch dafür, dass Elefanten nicht zu nah an Siedlungen kommen und Ernten von Bauern zerstören. Der WWF beteiligt sich an Ausbildungen für Wildhüter:innen und finanziert Patrouillen-Ausrüstungen wie GPS-Geräte, Proviant oder Erste-Hilfe-Material.

Damit sich Wildtiere bei der Futtersuche nicht den Siedlungen nähern, unterstützt der WWF Dorfgemeinschaften und Nationalparks beim Bau von zusätzlichen Wasserlöchern, Grasflächen und Salz-Leckstellen in grosser Entfernung von Siedlungen oder innerhalb von Schutzgebieten. Im Kuiburi-Nationalpark in Thailand bilden wir zudem Touristenführer:innen aus, damit sie ihr Wissen zur Region und den einheimischen Tieren und Pflanzen weitergeben können. Dies verschafft den Menschen vor Ort eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit.

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Lokale Gemeinden in Myanmar sind aktiv am Waldschutz beteiligt

Erfolge trotz widriger Umstände

Der Militärputsch in Myanmar im Februar 2021 hat viele Menschen zur Flucht gezwungen. Zusätzlich wurde auch Myanmar von einer heftigen Covid-19-Welle getroffen. Der WWF hat seine Arbeitsmethoden so weit wie möglich angepasst und trifft Projektpartner im virtuellen Raum. Mit Online-Weiterbildungskursen und regelmässigen Online-Treffen unterstützen wir Freiwillige und lokale Projektbeteiligte, welche die Arbeit in ihren Dörfern weiter voranbringen. Zudem sind wir in regelmässigem Austausch mit anderen Umweltschutz- und Hilfsorganisationen.

Die Aussichten für Myanmar bleiben auch im Projektjahr 2022 düster. Etwas hoffnungsvoll stimmt uns aber, dass entgegen unseren Befürchtungen die Wilderei nicht stark zugenommen hat. Zumindest in Thailand meldeten die Nationalparks und die WWF-Teams keinen Anstieg der Wilderei in den Kernzonen des Projekts. In der Region des Kuiburi-Nationalparks melden immer mehr thailändische Bauern und Bäuerinnen Beobachtungen von Elefanten in der Nähe ihrer Felder direkt bei der Wildhut. In knapp 90 Prozent der Fälle gelang es, die Elefanten in den Park zurückzutreiben, bevor Schäden entstanden. In Myanmar konnte eine erste Baumschule 10'000 Baumsetzlinge an Gemeinden weitergeben. Wenn es auch kleine Schritte in die richtige Richtung, die aber gerade für die Menschen in Myanmar wichtig sind und ihnen helfen, den schweren Alltag zu meistern.

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Austausch zwischen WWF und der lokalen Bevölkerung in Myanmar

Der WWF engagiert sich in der Dawna-Tenasserim-Landschaft im Dialog mit den lokalen Gemeinschaften.

Was Sie tun können

Wälder sind eine wichtige Lebensgrundlage für Menschen und Wildtiere. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, diesen Lebensraum für Tiger zu erhalten. Als Mitglied verleihen Sie unserer Stimme zusätzliches Gewicht.

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Panda liegt auf Baum

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