Mikroplastik: Wie es entsteht, wie es ins Meer kommt – und warum es dortbleibt
Der Grossteil des Mikroplastiks im Meer entsteht durch die Zersetzung von Plastikmüll, aber Mikroplastik gelangt auch über die Schweiz in unsere Meere. Dieser Überblick zeigt, wo die winzigen Partikel herkommen, wie sie über unsere Gewässer bis ins Meer gelangen und warum sie dort kaum wieder verschwinden. Zudem erfährst du, welche Lösungen aus Schweizer Sicht besonders wirksam sind.
1) Mikroplastik entsteht oft im Alltag
In der Schweiz entsteht Mikroplastik meist nicht absichtlich, sondern als Nebenprodukt von Nutzung und Abrieb: beim Autofahren, beim Waschen von Kleidung oder wenn Kunststoff in der Umwelt zerfällt.
2) Der Ursprung liegt meist an Land – auch hier
Obwohl Mikroplastik oft mit Meeren verbunden wird, beginnt sein Weg fast immer an Land. Der Grossteil des Mikroplastiks in den Meeren entsteht durch Plastikmüll, der ins Meer gespült wird und der sich durch Salz, Wasser und Sonne zersetzt. Doch auch in Ländern wie der Schweiz entsteht viel Mikroplastik in Siedlungen, auf Strassen oder durch alltägliche Nutzung und gelangt in die Natur. In Gewässern wird Mikroplastik messbar – doch der Ursprung liegt vorher.
3) Typische Quellen in der Schweiz
In mitteleuropäische Länder wie die Schweiz entsteht Mikroplastik vor allem aus diesen Quellen:
- Reifenabrieb auf Strassen (eine der wichtigsten Mikroplastikquellen)
- Kunstrasenfasern bspw. von Fussballplätzen
- Mikrofasern aus synthetischen Textilien, die sich beim Waschen lösen
- Zerfall von grösserem Plastik in der Umwelt, etwa von Abfällen
Einzelne Einträge sind klein – in der Summe aber relevant, weil sie täglich entstehen.
4) Kläranlagen in der Schweiz: sehr leistungsfähig – aber nicht lückenlos
Die Schweiz verfügt über eine moderne Abwasserreinigung. Kläranlagen können Mikroplastik zu einem grossen Teil zurückhalten. Doch sehr kleine Partikel lassen sich nicht immer vollständig erfassen, und die Datenlage ist je nach Partikelgrösse begrenzt.
5) Von Schweizer Gewässern Richtung Meer
Gelangen Mikroplastik-Partikel in Bäche, Flüsse oder Seen, können sie weitertransportiert werden. Die Schweiz ist Quellland internationaler Flüsse. Über Gewässer wie die Rhone, die von der Schweiz bis ins Mittelmeer fliesst, können Mikroplastik Partikel weitertransportiert werden.
6) Warum Mikroplastik kaum wieder verschwindet
Mikroplastik ist sehr klein, weit verteilt und langlebig. In Gewässern und im Meer wird es durch Strömungen transportiert oder lagert sich ab. Um vollständig zu verrotten, braucht es mehrere hunderte Jahre.
7) Mikroplastik im Meer und unsere Gesundheit
Plastik im Meer betrifft aber nicht nur Meerestiere und das Ökosystem. Mikro- und Nanoplastik sowie bestimmte Kunststoffchemikalien gelangen in marine Nahrungsketten und erreichen so auch Menschen – etwa über Fisch und Meeresfrüchte.
Der WWF Report Plastics, Health, and One Planet, erarbeitet mit der University of Birmingham, fasst zahlreiche Studien zusammen. Sie zeigen Hinweise darauf, dass sehr kleine Plastikpartikel und Zusatzstoffe biologische Prozesse und auch unsere Gesundheit beeinflussen können. Gleichzeitig sind viele Fragen zu Langzeitwirkungen noch offen.
8) Was wirksam ist – aus Schweizer Sicht
Am wirksamsten sind politische und wirtschaftliche Massnahmen, die entlang des gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen greifen. Dazu gehören weniger und sinnvollere Plastikprodukte, langlebige und kreislauffähige Designs, ein leistungsfähiges Recycling sowie klare Regeln für Sammlung und Entsorgung.
Solche systemischen Lösungen machen es möglich, Wirtschaftswachstum vom Plastikverbrauch zu entkoppeln, die Recyclingquote deutlich zu erhöhen. Hier setzt der WWF mit politischen und wirtschaftliche Kooperation an.