Luchs auf leisen Pfoten
Luchs

Jäger auf leisen Pfoten

Luchs – Jäger auf leisen Pfoten

Pinselohr und Backenbart sieht man selten

Können Sie sich an ein Märchen mit einem bösen Luchs erinnern? Nein? Das hat seinen Grund: Obwohl der Luchs zu den grössten Landraubtieren in Europa zählt, bekommt man ihn nur selten zu sehen. Auch gilt er nicht als Bedrohung für den Menschen.

Die grösste europäische Katze lebt gut getarnt. In der Dämmerung und nachts gehen Luchse auf Beutezug – allein. Nur in den Paarungsmonaten Februar bis April finden sie sich zusammen und trennen sich nach der Paarung direkt wieder.

Die Jungtiere – meist zwei – kommen in Höhlen oder unter umgestürzten Baumstämmen zur Welt. Die Mutter zieht die Jungen alleine gross. Die Jungen werden einige Wochen gesäugt, bis sie das erste Mal mit auf die Jagd kommen. Nach etwa zehn Monaten verscheucht die Luchsmutter ihre Nachkommen. Das erste Lebensjahr überstehen viele nicht: Sie müssen es schaffen, ein eigenes Revier zu besetzen. Das ist die Grundlage für ihr Überleben und die eigene Fortpflanzung.

In vergangenen Jahrhunderten wurde der Eurasische Luchs stark verfolgt und vielerorts gar ausgerottet. In Europa hat er nur in geringen Zahlen in abgelegenen Regionen überlebt, wie in Skandinavien, in den Karpaten und im Balkan. In der Schweiz wurden nach 1971 mehrere Luchse wiederangesiedelt. Mittlerweile gibt es wieder zwei Populationen in der Schweiz. Beide Populationen leben getrennt voneinander. Um die Alpenpopulation zu stärken, wurden zwischen 2001 und 2008 mehrere Individuen aus dem Jura und den Nordwestalpen erfolgreich in die Nordostschweiz übersiedelt.

Wissenschaftlicher Name

Eurasischer Luchs (Lynx lynx)

Gefährdungsstatus (IUCN)

Weltweit: nicht gefährdet

Alpen-Population: stark gefährdet

Jura-Population: stark gefährdet

Population

Weltweit: Weniger als 50'000 Individuen

Schweiz: rund 190 Individuen

Körpergrösse

Kopf-Rumpf-Länge: 0,8 – 1,3 m

Schulterhöhe: 50 – 75 cm

Verbreitung

Europa, Asien

Geschützt und doch nicht sicher

Auch wenn die beiden Bestände in den Alpen und im Jura wachsen, ist das Überleben der Luchse in der Schweiz noch nicht gesichert. Das illegale Töten, der fehlende genetische Austausch und der fragmentierte Lebensraum stellen die grössten Hürden dar. Der politische Wille ist zu gering, um sich diesen Bedrohungen effektiv anzunehmen. Im Gegenteil, die Tendenz deutet auf eine konstante Abschwächung des rechtlichen Schutzes.

Illegal getötet

Der Luchs ist in der Schweiz gesetzlich geschützt. Trotzdem wird er weiterhin illegal getötet. Das Verschwinden von Tieren auf ungeklärte Weise, verwaiste Jungluchse, aber auch tote Luchse deuten auf Wilderei. Die Täterschaft hat kaum etwas zu befürchten, da diese Delikte selten strafrechtlich verfolgt und ernst genommen werden. Dies müsste sich ändern, damit Wilderei nicht nur als Kavaliersdelikt betrachtet wird.

 

Fehlender genetischer Austausch

Der Luchsbestand in der Schweiz lässt sich auf nur wenige ausgesetzte Gründertiere aus den Karpaten zurückführen. Der Bestand ist deshalb genetisch zu limitiert, um langfristig überleben zu können. Eine starke Inzucht könnte zum Zusammenbruch des Bestandes führen. Bei bisherigen Fängen in den Nordwest-Alpen konnten beispielsweise mehrmals anormale Herzgeräusche festgestellt werden. Ob ein Zusammenhang mit einer Inzucht besteht, ist wegen der limitierten Daten unklar.

Fragmentierter Lebensraum

Der für den Luchs geeignete Lebensraum im grenzübergreifendem Alpenraum und dem Jura ist vorhanden. Allerdings hat der Luchs Mühe, Hauptverkehrsadern, Flüsse und hohe Berge zu überwinden. Sein Lebensraum ist daher sehr eingeschränkt. Viele der geeigneten Lebensräume bleiben deswegen im grenzübergreifenden Alpenraum unbesetzt, und es gibt wenig oder gar keinen Austausch zwischen den Subpopulationen. Strategische Aussetzungen könnten helfen, dem Luchs neue Lebensräume zu eröffnen. Die Schweiz hat hier eine besondere Verantwortung, da sie im Vergleich zu den umliegenden Ländern weitaus am meisten Luchse beherbergt.

Den Luchs akzeptieren

Der Luchs braucht vor allem eines: Platz in unseren Köpfen. Nur wenn dieser bei den relevanten Akteuren vorhanden ist, wird man sich auch effektiv den Bedrohungen des Luchses annehmen und die Konflikte minimieren können.

Elektrozäune und Herdenschutzhunde schützen Nutztiere vor Übergriffen. Die Zahl der Risse konnte so deutlich reduziert werden: Waren es Ende des letzten Jahrtausends noch weit über 100 Nutztiere, konnten aktuell weniger als 50 Risse an Nutztieren den Luchsen zugeordnet werden. Und dies obwohl die Zahl der Luchse gestiegen ist.

Der Austausch und die Aufklärungsarbeit mit der Öffentlichkeit ist uns ein grosses Anliegen. Die Ängste von Nutztierhaltern und Jägern müssen ernst genommen werden. Wir setzen hierbei auf Dialog, statt auf Konfrontation.

 

Die Massnahmen wirken

Luchse in der Schweiz
Gerissene Nutztiere

Was wir für den Luchs tun

Seit 1991 arbeiten wir für den Schutz des Luchses. Unser Ziel sind langfristig überlebensfähige Bestände im grenzübergreifenden Alpenraum und im Jura.

Einsatz für die Grossraubtiere

Wölfe, Bären und Luchse siedeln sich langsam wieder in der Schweiz an. Darum setzt sich der WWF für ihre Rückkehr ein und fördert mit seinen Aktivitäten das konfliktfreie Zusammenleben zwischen Mensch und Tier.

Weitere Infos

Was Sie tun können

Als Spender für den Luchs oder mit einer Alpen-Urkunde unterstützen Sie unsere Arbeit auf gesellschaftlicher, politischer und internationaler Ebene. Als freiwillige Hirtenhilfe können Sie selber aktiv werden.

Ich helfe dem Luchs

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Mit Ihrer Spende schützt der WWF die Heimat des Luchses.

Freiwilligenarbeit

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